Friedrichstadt : Frische Optik für alte Mauern

Das Hotel „Mooi“.
Das Hotel „Mooi“.

Friedrichstadt im Wandel: Nach aufwendiger Renovierung beleben zwei Hotels am Markt die historische Kulisse.

shz.de von
10. Juli 2018, 12:00 Uhr

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagen Tjadke und Marcus Meissner über das historische Gebäude am grünen Markt in Friedrichstadt, dem sie in aufwendiger Renovierung neues Leben eingehaucht haben. Als das in die Jahre gekommene ehemalige Hotel „Stadt Hamburg“, das lange leer stand, zum Verkauf angeboten wurde, machten sie Nägel mit Köpfen. Zwar war den beiden klar, dass eine Menge Arbeit auf sie zukommen würde, aber: „Wir haben das Potenzial gesehen und wussten sofort, wie sich das Haus umbauen lässt“, sagt das Ehepaar.

Und so legten die Meissners im Februar los, machten viel selbst, holten Handwerker aus der Region dazu, rissen Wände ein und legten Böden frei, gestalteten Räume und Badezimmer neu, schufen eine großzügige Küche. Das Erdgeschoss wurde offener, luftiger und lichtdurchflutet. Den individuell gestalteten Zimmern gaben Tjadke und Marcus Meissner mit Upcycling-Ideen und Möbeln im Shabby Chic und Modern-Country-Style junges Profil. Alte Treppen und Türen blieben erhalten und wurden aufgearbeitet. In enger Absprache mit dem Denkmalschutz ließ das Ehepaar Fenster austauschen und die Fassade renovieren. „Da haben wir uns ganz auf Elisabeth Mehwaldt verlassen“, erzählt Marcus Meissner. Die Denkmalschutz-Expertin vom Bau- und Umweltamt des Kreises Nordfriesland in Husum legte die Fassaden-Farben fest: ein gedecktes Rot und helles Grau, passend zur Backstein-Bauweise des Hauses und der grünlichen Patina der Kupferteile am Dach.

„Es sieht toll aus“, freuen sich die frisch gebackenen Hoteliers, die schon viel positive Resonanz von Einheimischen auf die Neugestaltung des Hauses erfahren haben. Alles ist jetzt „mooi“, das heißt „schön“ auf Niederländisch. Und so lautet auch der Name des jüngst eröffneten Hotel Garni. „Wir wollten weg von der ,Stadt Hamburg‘ und passend zur Holländerstadt einen holländischen Namen,“ erzählt die 29-jährige Nordfriesin Tjadke Meissner, die sich ebenso wie ihr Mann brennend für die Geschichte des über 200 Jahre alten Hauses interessiert.

Im Jahr 1806 gebaut, diente das mehrstöckige Gebäude mit dem großzügigen Hinterhof-Areal seit jeher als Herberge, war einst Unterkunft für Marktbeschicker und rustikale Kneipe. „Da ging es volksnah, laut und manchmal auch recht derbe zu“, hat Marcus Meissner recherchiert. In den 50er und 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts waren in dem Eckhaus und im dahinter gelegenen Hofgebäude auch eine Fleischerei und ein Schlachthaus untergebracht. „Alte Häuser haben eine Seele, sie atmen Geschichte“, schwärmt der gebürtige Berliner und gelernte Koch und setzt nachdenklich hinzu: „Wer weiß, was alles zutage käme, wenn diese Mauern erzählen könnten….“

Nicht so geschichtsträchtig wie das „Mooi“, aber bereits vor zwei Jahren mit viel Liebe renoviert und zum Hotel „Klein Amsterdam“ umgebaut, ist das ehemalige Mehrfamilienhaus direkt neben der historischen „Holländischen Stube“ am Markt. Vorher eher unscheinbar, zieht das Haus nach seiner Entkernung, Renovierung und Umgestaltung zum Hotel jetzt viele Blicke auf sich. Die zartgraue Fassadenfarbe und die helle Passleiste um die neuen Fenster haben dem Gebäude Gesicht gegeben. „Der Sockel stammt aus dem 17. Jahrhundert“, weiß Inhaberin Michaela Friese: „Das Haus selbst aber wurde 1968 abgerissen und neu gebaut.“ In achtmonatiger Renovierung ließ die Chefin der „Holländischen Stube“ mit Gewerken aus der Region Fassade, Fenster und Dach gestalten, sorgte für Isolierung und eine neue Brandschutzanlage und gab beim Innenausbau den Zimmern mit holländisch-friesischer Einrichtung und Bildern aus dem historischen Friedrichstadt Individualität. Abstriche machte Michaela Friese bei der Fassadenfarbe: „Da die Holländische Stube denkmalgeschützt ist, musste ich mich auch bei dem angrenzenden Hotel mit dem Denkmalschutz abstimmen“, erzählt die 52-Jährige: „Und da wurden die drei verschiedenen Grautöne, die ich mir gewünscht hatte, nicht genehmigt.“ Zudem dürfen nebeneinander liegende Häuser am historischen Marktplatz nicht die gleiche Farbe haben. „Wenn man genau hinschaut, sieht man das auch bei den Treppen-Giebelhäusern. Da gibt es feine unterschiedliche Farbnuancen“, erklärt Michaela Friese, die längst ihren Frieden mit dem zarten Grau ihrer Hotelfassade geschlossen hat.

Eine Konkurrenz durch das neue Hotel „Mooi“ sieht die Chefin des „Klein Amsterdam“ nicht. Vor allem in der Saison werde es oft sehr eng: „Da sind dann alle Zimmer belegt.“ Ein paar Betten mehr könne Friedrichstadt durchaus gebrauchen, findet sie. Und dass mit der Renovierung der beiden zentral am Markt gelegenen Häuser die historische Kulisse der Grachtenstadt an Glanz gewonnen hat, freut nicht zuletzt die Einheimischen.

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