ÖPNV in Husum : Frische Ideen für den Bus-Verkehr

Eine zentrale Mittelinsel mit gegenläufigem Bus-Verkehr wie hier am ZOB wäre auch in der Ludwig-Nissen-Straße möglich.
Eine zentrale Mittelinsel mit gegenläufigem Bus-Verkehr wie hier am ZOB wäre auch in der Ludwig-Nissen-Straße möglich.

Der ÖPNV in Stadt und Kreis wird neu ausgeschrieben – und ein Experte mahnt: Bloß nicht so weitermachen wie bisher. Er plädiert für ein Liniensystem mit zentralem Knotenpunkt in der Ludwig-Nissen-Straße.

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19. Juni 2015, 16:00 Uhr

Der Finanz- und Wirtschaftsausschuss war ratlos: „Wie sollen wir denn vorgehen“, fragte dessen Vorsitzender, Ralf Fandrey, in die Runde. „Wir sollten vielleicht die Verwaltung beauftragen, uns vorzuschlagen, was man so machen kann.“ Die Neuausschreibung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) in Husum war das Thema, das die Stadtpolitiker so gründlich durcheinander gebracht hatte. Die Gemengelage war allerdings tatsächlich kompliziert, denn eine einseitige Betrachtung der Situation in der Storm-Stadt abgekoppelt vom Umland wäre wenig sinnreich. Und der Kreistag hatte gerade erst Ende Mai die vergaberechtliche Situation für den ÖPNV in Nordfriesland beschlossen.

Das allerdings entbindet die Stadt nicht von der Pflicht, sich über ihren Anteil Gedanken zu machen: „Husum muss schon wissen, was es eigentlich ausschreiben will“, mahnte Experte Michael Kierek von DB RegioBus, der dem Ausschuss eine Auswahl an Möglichkeiten präsentierte. Allerdings erst, nachdem Kämmerer Dirk Pohlmann für etwas Beruhigung bezüglich des Zeitplans gesorgt hatte: „Mitte 2018 sollen die neuen Verträge stehen. Das bedeutet, dass Mitte 2017 das Vergabeverfahren abgeschlossen sein muss und Mitte 2016 die Ausschreibung erfolgt.“ Die Idee der Verwaltung sei es, mit dem Kreis einen Meilensteinplan abzustimmen und danach erst die Einzelheiten zu diskutieren. „Und diesen Plan gibt es noch gar nicht, denn auch der Kreis steckt noch weit in der Vorlauf-Phase.“

Konkret bedeutet das, dass sich die Husumer bis Ende des Jahres überlegen müssen, wie der ÖPNV in der Stadt zukünftig aussehen soll. „Wollen Sie alles so lassen, wie es ist, oder Veränderungen vornehmen“, fragte Kierek mehr rhetorisch, denn die jetzige Situation sei alles andere als zufriedenstellend, auch wenn jährlich 350.000 Menschen befördert würden. Denn: „Die Fahrgastzahlen sinken, das Defizit wächst. Dadurch, dass die Leute weniger den ÖPNV benutzen, steigt das Verkehrsaufkommen in der Innenstadt durch private Fahrzeuge und die Attraktivität Husums sinkt“, zählte der Fachmann auf und forderte in einem Atemzug: „Wir müssen neue Wege gehen.“

Die könnten durchaus unterschiedlich sein, aber müssten schon einige grundsätzliche Anforderungen erfüllen, so Kierek weiter. „Wir brauchen klar strukturierte Linienwege und keine Rundverkehre, die den Fahrgast auf lange Strecken schicken.“ Vertaktet müssten die Linien jede Stunde sein, im Stadtbereich selbst möglichst jede halbe Stunde. „Wichtig sind vor allen Dingen kurze Fahrzeiten, die mit Umsteige-Knotenpunkten erzielt werden können.“ Und zudem sei ein attraktives Tarifsystem notwendig.

Die zentrale Knotenpunkt-Idee sei im übrigen nicht neu, so Kierek weiter: „Das hatten wir schon mal, als der Zentrale Omnibus-Bahnhof (ZOB) noch an der Roten Pforte lag und sich hier – direkt in der City – Stadt- und Überlandlinien verbanden.“ Eine Möglichkeit wäre, einen derartigen Knotenpunkt jetzt in der Ludwig-Nissen-Straße einzurichten, zwischen der Einfahrt zur Roten Pforte und dem Hotel „Altes Gymnasium“. „Es ist bautechnisch möglich, dort eine zentrale Haltestelle mit Mittelinsel zu installieren, wo die Fahrgäste umsteigen können, und die Fußläufigkeit zur Innenstadt ist ebenfalls gegeben“, erläuterte der ÖPNV-Fachmann. Durch die Nähe zum heutigen ZOB könnten zudem auch die Überlandbusse eingebunden werden. „Allerdings muss man dann den privaten Auto-Verkehr aus der Ludwig-Nissen-Straße herausnehmen.“

Seine Vorschläge zeigten natürlich nur einige von vielen Varianten, schloss Kierek. „Alles ist möglich, auch ein Rufbus-Konzept von Tür zu Tür.“ Falsch wäre es nur, auf dem derzeitigen Verkehr aufzubauen, wiederholte er seine Forderung vom Beginn des Vortrags. „Da möchte ich Ihnen ein Zitat von Boris Jelzin mit auf den Weg geben: Es ist wichtig, dass wir nicht dort einen halben Schritt machen, wo es gilt, zwei bis drei zu tun.“

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