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Bredstedter Verein 111 Jahre alt : Friesen rühren die Werbetrommel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Friesenverein Bredstedt kann auch im 111. Jahr seines Bestehens auf eine breite Basis vertrauen: 125 Mitglieder – für eine 5000-Einwohner-Stadt eine beachtliche Zahl. Mit einer westfriesischen Gemeinde wird eine Patenschaft angestrebt.

„Warum nicht 111 Jahre feiern? Grund genug ist das.“ So begrüßte der Vorsitzende des Friesenvereins Bredstedt, Professor Dr. Thomas Steensen, die Gäste zum Empfang im Bredstedter Sool. Bewusst hatte er nicht nur die Vereinsmitglieder eingeladen, sondern alle Interessierten. Derzeit könne im Gegensatz zu Gründungszeiten oder in der Ära des Vorsitzenden Johannes Lucht (Hannes Paster) nach dem Zweiten Weltkrieg nicht behauptet werden, dass Mitglieder in Scharen „dazueilen“. Doch immer noch werde der Verein von 125 Menschen getragen. Für eine Stadt mit 5000 Einwohnern sei das beachtlich. Im Unterschied zu damals sei es nötig, die Werbetrommel zu rühren, dies jedoch guten Gewissens. „Begegnung, Gedankenaustausch, Geselligkeit, Beschäftigung mit Themen Nordfrieslands sind heute wie vor 111 Jahren die Grundpfeiler der Arbeit“, so Professor Steensen.

Mehrere hundert Abende zur Historie oder Naturkunde, mit Liedern, plattdeutschen und friesischen Gedichten, Trachtentanz und Theater gehörten zu den Aktivitäten genauso dazu wie Ausflüge. Seit 1989 gibt es die Trachtentanzgruppe für Erwachse, seit 1993 auch eine für die Jugend. Aktuell bemühe sich der Vorstand um eine Patenschaft mit einer westfriesischen Gemeinde. „Bredstedt ist so etwas wie die Hauptstadt der Nordfriesen“, so der Vorsitzende. Hier haben der Nordfriesische Verein, der Friesenrat und das Nordfriisk Instituut ihren Sitz. Es würde gut passen, wenn die Stadt eine Patenschaft mit einem Ort in Frysland schließe. Die Bemühungen gestalteten sich nicht einfach, da in den Niederlanden eine Kommunalreform anstehe.

Hauptaufgabe des Vereins laut Satzung ist, die friesische und plattdeutsche Sprache in Wort und Schrift zu pflegen. Mitglied kann jeder werden, der die Ziele mitträgt. Auch „Wahl-Friesen“ sind willkommen.

Am 24. September 1902 hatte sich der Verein gegründet und folgte so dem Nordfriesischen Verein, der einen Monat zuvor in Husum aus der Taufe gehoben worden war. Der Bredstedter Jürgen Schmidt-Petersen hatte offene Ohren für den Wunsch des Vorstandes, viele Ortsvereine in Nordfriesland zu gründen. Er trieb maßgeblich die Gründung in der Stadt voran. Zwei Jahre zuvor war der damalige Flecken Bredstedt zur Stadt geworden. Ein Elektrizitätswerk, die von Bruno Preisler gegründete Tabakfabrik und die Holzhandlung zeugten von der Betriebsamkeit des 1871 gegründeten Kaiserreiches. Im Gegenzug verschwand das bis dahin blühende Handwerk, und um die Kultur stand es nach Preislers Aufzeichnungen nicht zum Besten. Dafür boomte das Vereinsleben. Die rasche technische und wirtschaftliche Entwicklung machte das Leben leichter, führte aber zu Veränderungen und Verunsicherung. Althergebrachtes verschwand. Die Gründer wollten regionale, bedrohte Besonderheiten bewahren, die Natur schützen, und nicht zuletzt die freiheitliche Tradition der Friesen und ihre Gleichheit.

„Der Friesenverein ist ein wichtiger Kulturträger“, stellte Bürgermeister Knut Jessen fest: Er übergab als Geschenk einen Kupferstich des Bredstedters Peter Froese, der das historische Preißler-Gebäude zeigt. „Hört nicht auf, Friesen zu sein“, so der Aufruf von Johanna Christiansen vom Friesenrat, der Dachorganisation der friesischen Vereine. Weitere Gäste waren Gudrun Fuchs vom Heimatverein sowie Vertreter aus Vereinen und Stadt-Politik.

Viel Beifall erhielten die Beiträge der Bredstedter Liedertafel, der jungen Nachwuchsmusiker Oke Ertzinger und Tade Friedrichsen, sowie die Auftritte der Trachtentanzgruppe. Bei einer Kaffeetafel war Gelegenheit zum Gedankenaustausch





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