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Spielfilme in Minderheitensprachen : Friesen-Klotz für den besten Regisseur

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am Donnerstag (20. November) wird das 5. Film-Festival der Minderheitensprachen in Husum eröffnet. Fünf Beiträge kleiner Völker stehen auf dem Programm. Auch ein Film-Award wird vergeben.

Zum fünften Mal findet von Donnerstag (20. November) bis zum Sonnabend (22. November) das European-Minority-Film-Festival in Husum statt – traditionell unter dem Motto „Große Filme kleiner Völker“, obwohl es sich laut Organisator Gary Funck bisweilen auch um „kleine Filme kleiner Völker“ handelt. Er ist Kulturkonsulent des „Friisk Foriining“ (www.friiske.de). Der friesische Verband präsentiert zusammen mit dem Kino-Center in Husum erneut fünf besondere Spielfilme: gedreht in den Sprachen von europäischen Völkern, die sich nicht auf ein kulturelles Mutterland beziehen können. Das Husumer Minderheiten-Filmfestival ist europaweit einzigartig.

Laut Gary Funck gibt es mittlerweile qualitativ kaum noch einen Unterschied zu den in Mehrheitssprachen gedrehten Filmen. „Minderheitenfilme sind schon lange keine B-Filme mehr“, erklärte der 43-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Er bringt das Konzept so auf den Punkt: „Erlesene Filme und ihre Macher zum Anfassen.“

Waren zuletzt Filme auf Westfriesisch, Romanes, Rätoromanisch und Südjütisch und sogar Samisch und Nenzisch zu sehen, so sind in diesem Jahr Walisisch, Aromunisch, Baskisch, Sorbisch und Gälisch die Originalsprachen der Beiträge, jeweils natürlich mit englischen oder deutschen Untertiteln versehen. Ziel des Festivals ist es, Filmemacher zu vernetzen und einen Markt für Minderheitenfilme zu gestalten.

Zur Eröffnung des Festivals am Donnerstag (20.), 18 Uhr, wird ein Foto-Film außer Konkurrenz gezeigt, den die junge Künstlerin Wiebke Mörig produziert hat: „Sölring – Gesichter des Sylter Urdialekts“. Es ist die einzige Dokumentation, die auf dem Programm steht. Danach startet um 19.30 Uhr mit der walisischen Produktion „Y Syrcas“ (The Circus) von Regisseur Kevin AIIan der erste Beitrag, in dem die Pastorentochter Sara dem magischen Zauber eines Wanderzirkus erliegt. Sowohl vom Inhalt – „eine berührende Identitätssuche“ (Funck) – als auch von der filmischen Umsetzung hatte „Der Zirkus“ beim Vorentscheid die Jury überzeugen können. Zu diesem Film erwarten Gary Funck und Manfred Nissen, Geschäftsführer der Friisk Foriining, die Hauptdarsteller aus Wales. Im Anschluss folgt der erste in Aromunisch gedrehte Film überhaupt: „I’m not famous, but I’m Aromanian“. Toni Caramusat, ein berühmter Filmregisseur, begibt sich auf die Suche nach der grundlegenden Wahrheit über die Aromunen.

Aus dem Baskenland stammt „80 Egunean“ (80 Stunden). Der Film wird am zweiten Tag (21.), 19 Uhr, gezeigt. Axun und Maite lernen sich während der repressiven Ära auf dem Gymnasium kennen. Später führten ihre Wege sie auseinander. Fünfzig Jahre später treffen sie sich zufällig beim Patienten-Besuch in einem Krankenhaus wieder. Es ist eine einfühlsame Geschichte über eine Annäherung nach Jahrzehnten der Trennung. Im Anschluss bittet in dem sorbischen Film „Matej a kuztarski klobuk“ der kleine Gnom Koblik den Jungen Matej um Hilfe, um die Welt vor Verschmutzung und Vernichtung zu bewahren. Regisseur Toni Bruk steht dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Erstmals wird es am Freitag im Rahmen des Festivals zudem einen „Deutschen Abend“ geben, an dem nur ins Deutsche übersetzte Filme laufen. Und in dem auf Gälisch gedrehten Film „Bannan“ begibt sich am Abschlusstag des Festivals (22.), 18 Uhr, die junge Mairi in einer spannenden Familiensaga auf die Suche nach ihrer Vergangenheit und Gegenwart. Die Protagonistin ist anwesend.

Bei allen Filmen gibt es vor und nach den Vorführungen Gelegenheit, Fragen an Darsteller, Produzenten oder Regisseure zu stellen. Außerdem besteht nach jedem Filmbesuch für die Zuschauer die Möglichkeit, den Beitrag zu bewerten. Eine international besetzte Jury mit Onno Falkena (Niederlande), Elin Fredsted (Dänemark) und Miren Aperibay (Spanien) entscheidet, wer am Ende den European-Minority-Film-Award 2014 erhält. Der „Friesen-Klotz“ von dem aus Almdorf stammenden Künstler Arne Prohn ist mit sechs Kilogramm wohl der schwerste Filmpreis der Welt. Das Preisgeld beträgt 1000 Euro.

Das Festival geht am Sonnabend mit einer „Final Gala“ im Husumhus (Neustadt 95) zu Ende, bei der die Verleihung des Filmpreises im Mittelpunkt steht – auch der „Publikumsliebling“ wird dann ausgezeichnet. Der festliche Abschluss mit einem bunten Mix aus Filmausschnitten, Zauberei und Livemusik steht allen Interessierten offen und beginnt um 20.30 Uhr; der Eintritt ist frei. Auftreten werden der dänische Zauberkünstler Henning Nielsen, die Sängerin Elke Boysen aus Risum-Lindholm und ein Saxofon-Quartett der Kreismusikschule Nordfriesland.

Ob das Festival weiterhin in Husum präsentiert wird, ist offen. Denn nach den Worten Funcks hat sich bereits ein Berliner Kinobetreiber darum beworben.

Weitere Informationen zum Festival und Trailer zu den einzelnen Filmen sind unter minority-film.eu zu finden.

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