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Oldtimer ausgemustert : Friedrichstadt ohne Drehleiter

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für die Oldtimer-Drehleiter der Pflichtfeuerwehr Friedrichstadt aus dem Jahr 1974 gibt es keine Original-Ersatzteile mehr. Sie wird ausgemustert. Ersatz wird es nicht geben, da der Kreis das Gerät für überflüssig hält.

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erstellt am 01.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Sie hat sich über Jahrzehnte bewährt, zahllose Einsätze erst möglich gemacht – und gehört dennoch eigentlich ins Museum. Die Rede ist von der Drehleiter der Friedrichstädter Feuerwehr. Das Fahrzeug, Baujahr 1974, ist wegen seiner geringen Laufleistung immer noch in einem tadellosen Zustand und hat gerade erst im vergangenen Dezember die TÜV-Plakette erhalten. Doch die eigentliche Drehleiter, die auf dem Fahrzeug montiert ist, fiel bei der Prüfung durch. Und das bedeutet, dass die Pflichtfeuerwehr Friedrichstadt jetzt ohne eine Drehleiter dasteht. Nach Auffassung des Kreises aber kein großes Problem, denn die nächste ist in Husum stationiert. Sie kann bei Bedarf jederzeit angefordert werden. Allerdings benötigt sie unter Einsatzbedingungen und mit Blaulicht rund eine halbe Stunde, ehe sie aus der Wache am Marienhofweg beispielsweise in Friedrichstadt eingetroffen ist.

„Aber“, so unterstreicht der Friedrichstädter Bürgermeister Eggert Vogt: „Der Kreis hat uns gesagt, dass wir keine Drehleiter benötigen, bei Bedarf steht ja Husum bereit.“ Glücklich mit dieser Lösung ist das Stadt-Oberhaupt nicht, aber ihm sei versichert worden, dass erst ab einer Gebäudehöhe von 8,50 Meter eine Drehleiter nötig sei. Und die habe man im Holländerstädtchen nicht, „höchstens in illegal ausgebauten Dachgeschossen“, wie Vogt sagt.

Im Kreis sind jetzt – außer auf den Inseln – nur noch Drehleiter-Einsatzfahrzeuge in Husum, St. Peter-Ording, Bredstedt und Niebüll vorhanden. „Und da vergeht schon eine halbe Stunde ab Alarmierung“, rechnet Friedrichstadts Wehrführer Birger Thomsen mit sorgenvoller Miene vor, „man mag sich das im Sommer bei brechend voller B 5 gar nicht vorstellen, wie lang es dann dauert.“

Die Friedrichstädter Drehleiter wurde letztmalig bei einem Feuer im Sommer 2014 eingesetzt. Doch nicht nur bei Bränden, wenn Menschenleben in Gefahr sind, oder nur von oben an den Brandherd heranzukommen ist, ist das Gerät im Einsatz. Immer wieder müssen auch Notfallpatienten aus oberen Stockwerken mittels Drehleiter aus der Wohnung gerettet werden, weil ein Transport über die engen Treppenhäuser nicht möglich ist oder eine enorme Gefährdung für den Patienten oder die Rettungskräfte mit sich bringt. Warum kann nun aber die Drehleiter nicht einfach repariert erden? Die Drehleiter wird einmal im Jahr von der Herstellerfirma Metz überprüft – das ist der sogenannte Leiter-TÜV. Birger Thomsen berichtet, dass dort technische Mängel zwar behoben werden könnten, „doch mit solchen in Eigenarbeit vorgenommenen Arbeiten wird die überprüfende Firma uns den Leiter-TÜV-Stempel nicht geben.“ Es gibt einfach keine Ersatzteile mehr für den Oldtimer – und erst, wenn Original-Ersatzteile eingebaut sind, ist die Drehleiter wieder einsatzbereit. „Mit einer durch Eigenreparaturen vorgenommener Einsatzfähigkeit lasse ich da keinen in schwindelnde Höhen hinaufsteigen.“

Das Problem für die Feuerwehr: Vor einem Jahr wurden von der Bauaufsicht des Kreises die Höhen der Häuser und der oberen Wohnungen geprüft. Das Ergebnis: „Wir kommen mit unseren Schiebeleitern nicht überall hin. Eine dreiteilige Schiebeleiter hat eine Höhe von zwölf Metern – darf aber nur von Personen genutzt werden, die selbstständig die Leiter heruntergehen können. Das schließt die Rettung von Notfallpatienten, die liegend transportiert werden müssen, aus.“ Außerdem werden fünf Aktive benötigt, um solch Leiter in Stellung zu bringen. „Wir wissen schon, dass das eine Belastung für die Stadtkasse ist – wir halten dies aber trotzdem für dringendst erforderlich. Seitdem die Drehleiter stillgelegt ist, haben wir in der Feuerwehr ein sehr schlechtes Gefühl.“

„Da der Kreis eine Drehleiter für nicht notwendig hält, würden wir auch keinerlei Zuschüsse bekommen“, unterstreicht Bürgermeister Vogt. So ein Gerät schlägt mit 700  000 Euro zu Buche, für die Stadt nicht finanzierbar.

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