Westküstenleitung : Friedrichstadt lehnt Stromtrasse ab

Die   30 Meter hohen Masten  sollen durch 60-Meter-Gittertürme  ersetzt werden.
Die 30 Meter hohen Masten sollen durch 60-Meter-Gittertürme ersetzt werden.

Mit großer Mehrheit lehnen die Friedrichstädter Kommunalpolitiker die geplante 380-KV-Leitung im Osten der Stadt ab. Der Projektleiter für die Westküstentrasse vom Konzern Tennet versprach, eine vorgeschlagene Alternative zu überprüfen.

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09. März 2014, 11:00 Uhr

Gut gefüllt war der Sitzungssaal im Friedrichstädter Rathaus, denn der Ausschuss für Umweltschutz, Landschaftspflege, Energie und Technik hatte eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt neben den Regularien wie Einwohnerfragestunde und Anfragen, war der Punkt „Information hinsichtlich der Trassenführung der 380-kV-Leitung Heide-Husum“. Und neben vielen Einwohner hatten sich auch Vertreter des niederländischen Staatsunternehmens Tennet eingefunden, um die Friedrichstädter Kommunalpolitiker zu informieren. Mit dabei auch Dr. Bernd Brühöfner, Projektleiter des Unternehmens für die Westküstentrasse.

Gleich zu Beginn zeigten sich einige Ausschussmitglieder enttäuscht darüber, das die Höchstspannungstrasse östlich, in unmittelbarer Nähe der Stadt Friedrichstadt, verlaufen soll. Doch die Tennet-Vertreter erklärten dies damit, dass dort bereits eine 110-KV-Leitung verlaufe und somit dann kein gänzlich neuer Eingriff in die sensible Region getätigt werde. Zudem sehen die Pläne vor, dass die alte Leitung quasi mit auf die neuen Masten gehängt werde. Doch das reicht den Friedrichstädtern nicht.

Dr. Brühöfner erläuterte dann mit seinen Kollegen den Trassenverlauf. Während die jetzige 110-KV-Leitung nur knapp 60 Meter am Neubaugebiet vorbeiführe, sei die neue Trasse in 300 Meter Entfernung vorgesehen. Damit, so ein Vertreter der Neubaugebiet-Anlieger, könne man eigentlich gut leben. Dr. Brühöfner unterstrich, dass sein Unternehmen zu dieser weiter entfernten Trasse nicht verpflichtet sei, gesetzlich sogar die neue Leitung auch am Standort der alten gebaut werden könne. Man wolle aber möglichst weiter im Dialog mit den Bürgern bleiben und wenn machbar, auch deren Wünsche erfüllen.

Drei Probleme gebe es in diesem Bereich, einmal lebe die Stadt vom Tourismus, es sei ein sensibler Naturraum und in unmittelbarer Nachbarschaft liege ein Neubaugebiet. Durch die Verlagerung der Trasse und die Mitnahme der bestehenden Leitung auf die neuen zwischen 60 und 65 Meter hohen Masten (die jetzigen sind 30 Meter hoch), werde nicht nur der Abstand zum Wohngebiet wesentlich vergrößert, auch optisch seien sie nicht mehr so störend, da sie jeweils im Abstand von 400 Metern stehen würden. Auch die Höhe sei noch nicht entschieden, denn es gebe zwei Möglichkeiten. Modell A sieht zwei Traversen für die Höchstspannung und eine für die alte Leitung vor, Modell B kommt mit einer Traverse für die Höchstspannung und einer für die alte Leitung aus. Dann allerdings würden die Masten breiter werden. Der Vorteil, so erläuterte der Tennet-Vertreter, liege auch darin, dass dadurch nicht auf drei Ebenen Leitungen verlaufen, die die Vögel irritieren könnten.

Kooperativ zeigte sich Tennet. Einen Vorschlag der Anlieger versprach Dr. Brühöfner zu prüfen. Von der 110-KV–Leitung verläuft eine Verbindung zum Umspannwerk südöstlich des Neubaugebietes. Und diese Leitung ist unter anderem an einem Mast befestigt, der zwischen den Wohnhäusern und der Stromtrasse steht. Der Vorschlag sieht vor, die Querverbindung zum Umspannwerk entweder unterirdisch oder parallel zur B 202 zu verlegen. Dafür, erläuterte der Tennet-Vertreter, müsse aber mit der Eon verhandelt werden, die das Umspannwerk und die 110-Kv-Leitung betreibe.

Trotz dieses Prüfangebots stimmte der Ausschuss mit großer Mehrheit gegen die Trasse östlich der Stadt, da keines der drei Probleme gelöst werde, wie Bürgermeister Eggert Vogt unterstrich. Für Anfang April wurde ein neuer Termin mit der Tennet vereinbart, dennoch nimmt das Unternehmen Verhandlungen mit den Landeigentümern auf.

Heftige Kritik übte das Friedrichstädter Gremium an der Gemeinde Koldenbüttel, die ohne Rücksprache mit den anderen betroffenen Kommunen – Friedrichstadt, Seeth und Drage – bereits einen Vertrag mit der Tennet unterzeichnet habe, obwohl im Vorwege ein gemeinsames Vorgehen vereinbart worden war.

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