Das Ida-Ezi-Fest : Frieden ist ihr großer Wunsch

Werben für Toleranz: (v. l.) Cetin Gören, Pastor Andreas Schulz-Schönfeld (Zentrum für Mission und Ökumene) und Mushtak Kassim.
Werben für Toleranz: (v. l.) Cetin Gören, Pastor Andreas Schulz-Schönfeld (Zentrum für Mission und Ökumene) und Mushtak Kassim.

Yeziden aus ganz Schleswig-Holstein feiern am Freitag, 19. Dezember, in Rantrum ihr wichtigstes Glaubenfest und laden zum ersten Mal andere Gläubige hierzu ein.

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17. Dezember 2014, 17:45 Uhr

Es wird ein großes Ida-Ezi-Fest, das Yeziden aus ganz Schleswig-Holstein am Freitag (19.), von 16.30 bis 20 Uhr, in der Sport- und Kulturhalle in Rantrum (Bannony 3) feiern. Erwartet werden rund 600 Gäste. Die Besonderheit in diesem Jahr: Erstmalig lädt die Glaubensgemeinschaft auch die Öffentlichkeit ein. Ganz bewusst sei dieser Schritt gegangen worden, erklärt Mushtak Kassim, Sprecher der Yezidischen Gemeinschaft Husum. „Wir möchten, dass die Menschen mehr über uns erfahren und uns kennenlernen.“

Das Ida-Ezi-Fest zu Ehren Gottes bildet den Abschluss der vorangegangenen Fastentage: Gefeiert wird das Ende der kurzen Tage – es ist ein Fest zu Ehren Gottes. Vom 2. Dezember an ist das Fasten allem Erdlichen, vom 9. Dezember an den Heiligen und vom 16. Dezember an dem Göttlichen gewidmet. Gefastet wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die Bedeutung der Feier entspricht der des Weihnachtsfestes.

Es ist zugleich ein Tag der Besinnlichkeit und Dankbarkeit für das Leben im Hier und Jetzt. Die Gäste werden gemeinsam essen und trinken, und ein yezidischer Geistlicher wird etwas zur Bedeutung des Festes sagen. Außerdem gibt es Informationen zur Husumer Gemeinschaft sowie zur Situation der Glaubensgeschwister im Nordirak, die zum Teil auf der Flucht vor den Milizen des Islamischen Staates (IS) sind. Dazu gesellen sich Beiträge verschiedener Gruppen und Grußworte von Gästen, darunter Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, Husums Bürgermeister Uwe Schmitz und Bischof Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland sowie ein Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirche.

In diesem Jahr wird es wohl ein Fest der eher leisen Töne werden. Denn seit Monaten bestimmen Schreckensbilder aus dem Norden des Iraks die Nachrichten: IS-Terrormilizen gehen dort brutal gegen religiöse und ethnische Minderheiten vor. Die Yeziden trifft es dabei besonders grausam. Sie sind von der Volkszugehörigkeit Kurden und leben unter anderem in den nördlichen Gebieten des Iraks, im Nordosten Syriens und im Südosten der Türkei. Die meisten – rund 600.000 – Yeziden leben im Nordirak; in der Nähe der Großstadt Mossul liegt der Ort Lalish, das religiöse Zentrum der Yeziden. Es gibt bis jetzt keine offizielle Zählung der Yeziden: Schätzungen sprechen von insgesamt 800.000 Menschen. Als Yezide wird man geboren; es gibt keine Möglichkeit, zum Yezidentum zu konvertieren. Es ist eine monotheistische Religion, deren Wurzeln 2000 Jahre vor dem Christentum liegen.

Anfang August startete in der nordirakischen Stadt Sindschar eine groß angelegte Offensive von IS-Milizen. Hunderttausende Yeziden flüchteten vor dem Terror in die Berge. Über 9000 von ihnen harren derzeit im Shingal-Gebirge aus, darunter viele Frauen und Kinder: umzingelt von IS-Milizen. Ein yezidisches Nachrichtenportal berichtet täglich im Internet über ihre Lage.

Bei einem Gespräch im Jensen-Kolleg in Breklum gehen Mushtak Kassim und sein Glaubensbruder Cetin Gören auch auf Shingal ein. „Und die Welt schaut einfach zu“, sagt Cetin Gören. Er musste aufgrund seines Glaubens 1987 aus der Türkei flüchten. Da war er gerade 16 Jahre alt. Mushtak Kassim floh 1998 als 15-Jähriger aus dem Irak – auch er hatte Angst um sein Leben. Beide haben Angehörige, Freunde und Bekannte in ihrer alten Heimat. Voller Sorge verfolgen sie täglich die Nachrichten, haben mit Yeziden aus Dänemark Hilfstransporte organisiert und nehmen, wenn möglich, Kontakt zu Yeziden im Krisengebiet auf.

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