Gut für die Natur : Freiheit für die Ostenau

Wer Gummistiefel dabei hatte, konnte das neue Flussbett auch auf diesem Weg abschreiten.
Wer Gummistiefel dabei hatte, konnte das neue Flussbett auch auf diesem Weg abschreiten.

Auf rund 400 Meter Länge darf das Flüsschen bei Löwenstedt wieder ein richtiger Wasserlauf sein. Die Renaturierung hat rund 110.000 Euro gekostet, die Stadt Bredstedt und die Jäger stellten Land zur Verfügung

shz.de von
14. Mai 2015, 12:00 Uhr

Wo die Ostenau bisher schnurgerade zwischen Löwenstedt und Kolkerheide verlief, präsentiert sich der gut 22 Kilometer lange Flusslauf nun auf einem 400 Meter langen Abschnitt völlig anders: Das Wasser fließt nun über Kiesbetten und Sandhänge, mal schnell und mal langsam, durch enge Kurven und breitere Abschnitte, vorbei an alten Baumstümpfen und großen Steinen. Sehr natürlich sieht die Ostenau an dieser Stelle nach vierwöchiger Bauzeit wieder aus.

„Dafür brauchten wir Flächen, Gelder und Genehmigungen“, führte Gerd Albertsen vom Wasser- und Bodenverband Obere Ostenau bei der Bauabnahme aus. „Durch den Ausbau und die Begradigung in den 1960er Jahren konnte die Entwässerungsleistung der Auen erheblich verbessert werden. Das brachte für die Bewirtschaftung und für die Vermeidung von Überschwemmungen große Vorteile“, sagte er. Die begradigten Bachläufe hätten die ökologische Vielfalt der Böschungen und der Gewässersohlen sowie die Wandermöglichkeiten von Fischen und Kleinstlebewesen stark eingeschränkt. Diese Defizite zu beheben sei ein Ziel der seit 2000 geltenden EU-Wasserrahmenrichtlinie. Zur Umsetzung wurde das Flussbett daher an dieser Stelle in die angrenzenden Flächen verlagert. So verringert sich die Fließgeschwindigkeit mit der Folge, dass sich wieder eine Vielzahl von Lebensräumen entwickeln kann. Fische und wirbellose Tiere sollen davon profitieren. Zudem geht Werner Marxen vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz davon aus, dass sich an den Uferrändern Erlensamen festsetzen werden, so dass der Uferstreifen bald wieder so grün sein wird wie am alten Flussbett. „Jetzt ist die Natur am Zug“, sagte er.

Für die benötigten Flächen sorgten zwei Eigentümer, die Stadt Bredstedt und die Kreisjägerschaft Nordfriesland (KJS) – beide stellten jeweils rund zwei Hektar unentgeltlich zur Verfügung. „Ein ökologisch so wertvolles Projekt haben wir gerne unterstützt“, sagte KJS-Naturobmann Christoph Rabeler.

Für die Gelder in Höhe von rund 110.000 Euro sorgte das Land Schleswig-Holstein, an den Genehmigungen waren diverse Behörden beteiligt und für die Planung zeichnete das Flensburger Ingenieurbüro Holt und Nicolaisen in enger Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde und der Naturschutzabteilung des Kreises Nordfriesland verantwortlich.


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