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Ingo Appelts faible für „Göttinnen“ : Frauen sind immer noch zum Anbeten

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ingo Appelt ist der festen Ansicht: „Frauen sind Göttinnen – wir können nur noch beten!“ Seine Botschaft verbreitet er am Freitag, 21. Februar, im Nordsee-Congress-Centrum in Husum. Ein Gespräch mit dem Comedy-Star.

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erstellt am 17.Feb.2014 | 13:00 Uhr

Er ist wieder da – und kann es nicht lassen: Vor etwas mehr als zwei Jahren begeisterte Ingo Appelt mit seinem Programm „Frauen sind Göttinnen – wir können nur noch beten!“ das Publikum im Nordsee-Congress-Centrum. Der Comedy-Missionar hat die Predigt aktualisiert – und hält sie vor seinen Jüngern am Freitag, 21. Februar, ab 20 Uhr an gleicher Stelle. Wer sich das Evangelium des 46-Jährigen nicht entgehen lassen will: Karten gibt es unter anderem im Kunden-Center der Husumer Nachrichten, Markt 23. Zur Einstimmung schon mal ein Gespräch mit Appelt – eines über Göttinnen und seine Welt.

Herr Appelt, die jüngste Playboy-Umfrage hat es an den Tag gebracht: Traumfrau der Männer hierzulande ist Schlagerkönigin Helene Fischer – vor Barbara Schöneberger und Sylvie Meis, ehemals van der Vaart. Entspricht das Ergebnis Ihrer Göttinnen-Skala?

Das hat mit Göttinnen jetzt erstmal gar nichts zu tun. Das sind ja Frauen, die in der Öffentlichkeit auftreten – Superweiber. Göttin ist diejenige, die was zu sagen hat, der direkte Ansprechpartner. Für Helene Fischer kauf’ ich Karten, da gehe ich hin. Aber auf diejenige, auf die ich höre, also die ich anbeten muss, das ist die, die ich in der Regel zu Hause habe. Oder die Frau Kanzlerin, die Frau Merkel.

„Frauen sind Göttinnen – wir Männer können nur noch beten“ ist der leicht abgewandelte Titel Ihres aktuellen Programms. Ist dieses Credo nur Show oder haben Sie Ihrer besseren Hälfte zu Hause auch „in echt“ einen Altar gebaut?

Einen Altar habe ich nicht gebaut. Aber neben einer Frau sehen wir Männer einfach so doof aus, dass Frauen automatisch Göttinnen sind. Das sieht man ja auch in der Politik. Neben Merkel hat man das Gefühl, dass Männer immer irgendwie schlechter, korrupter, verlogener, moralisch debiler daherkommen. Das geht schon am Kabarettabend los. Wo geht es abends hin? Die Freizeitministerin entscheidet. Wumm! Wenn 80 Prozent aller Frauen sagen, „zum Appelt nicht“, hast du verloren. Dann merkst du: Scheiße, da stimmt was nicht!

Wie reagiert eigentlich Ihre Göttin auf die Huldigungen Ihres ganz persönlichen Matsch-Eis, also der unsäglichen Kombi aus Macho und Weichei?

Natürlich sehr positiv. Aber ich war ja schon immer jemand, der gerade im privaten Bereich versucht hat, Frauen zu gefallen. Auf der Bühne nicht so. Da hab’ ich so den Mann als Zielgruppe gehabt und einfach gar nicht auf meine Frau gehört, die immer gesagt hat: „Das kannst du nicht machen, das geht nicht.“ Ich habe ihr jetzt nicht gerade einen Altar gebaut, sondern es ist so, dass ich ihr mal zuhöre oder einfach erstmal frag’. Wenn eine Frau sagt, „ist in Ordnung“, dann ist es in Ordnung. Das habe ich gelernt.

Stefan Raab, für den Schamgrenzen ja ebenfalls nicht wirklich existieren, hat Sie als Scharfrichter der deutschen Comedy bezeichnet. Solche Attribute dürften Balsam auf Ihr Ego sein. Doch ist davon eigentlich überhaupt noch etwas übrig bei einem Wanderprediger, der die grenzenlose Überlegenheit der holden Weiblichkeit anerkennt?

Der Scharfrichter halt im Auftrag der Herrin! Ich hab’ mich gar nicht so verändert, einfach nur den Duktus. Ich gehe nicht mehr raus und behaupte, alle sind gleich. Früher war meine Idee: Du beleidigst auf der einen Seite den Mann und dann beleidigst du mal wieder eine Frau – und dann ist alles gut. Falsch! Wenn du einen Mann beleidigst, finden das alle gut. Wenn du die Frau beleidigst, findet das keiner gut. Du kannst ihr nicht ständig ins Wort fallen, wie Herr Lanz bei Sahra Wagenknecht. Es gibt Unterschiede in der Behandlung – und daran halte ich mich jetzt. Ich gehe raus und sage einfach, die Männer sind die Idioten. Bösartig darf ich ja sein. Nur eben nicht gegen Frauen schießen.

Großes Talent zur verbalen Boshaftigkeit zeichnet sich ja gemeinhin schon früher ab. Waren Sie in Ihrer Schulzeit der Klassenclown?

Kann man so sagen. Ich bin jemand, der ganz gerne auf Wahrhaftigkeit anspringt. Der Mensch ist nicht gerade das edelste und moralischste Lebewesen – und ehrlich ist er auch nicht. Das zu behaupten, wäre verlogen. Er spielt uns gerne etwas vor und ich reiß’ gerne die Masken runter. Ich war natürlich auch der Drecksack, der auf dem Schulhof andauernd Witze über den Lehrer gemacht hat. Und alle haben gelacht. Bis der Lehrer das gemerkt hat und irgendwann so von hinten kam: „Was ist denn eigentlich hier los?“ Und die ganzen Lacher brechen zusammen und sagen „Der Ingo war’s, der hat böse Witze gemacht . . .“. Erst machen sie alle mit, und ich führe sie ganz gern damit aufs Glatteis, und hinterher ist es ihnen peinlich. Das ist irgendwie bezeichnend.

Sie gelten nicht nur als Wortwitzbold, der die Gürtellinie zu Boden zwingt, sondern auch als grandioser Stimmen-Imitator. Ob Michael Mittermeier, Dieter Nuhr, Til Schweiger oder Herbert Grönemeyer – fühlte sich je ein Opfer Ihrer Parodien so sehr veralbert, dass es sich bei Ihnen beschwert hat?

Rudolf Scharping war damals nicht begeistert, hat immer gemeckert und war sehr beleidigt. Das Geile war: Immer wenn ich in der Nähe von Koblenz gespielt habe, kam seine ganze Familie (lacht) in die Vorstellung – die fanden das immer ganz großartig. Er selbst war auch mal dabei, aber nicht so begeistert. Die Töchter sagten mir dann hinterher: „Das machst du ganz toll, aber du musst noch langsamer sprechen.“ Die haben ihren eigenen Daddy verraten. Ich fand das sehr lustig. Gar nicht darauf angesprungen ist Peter Maffay.

Wie lange dauert es, um sich die Stimme von Ralf Schmitz oder Mario Barth einzuverleiben – und was tun Sie dafür?

Das ist eigentlich eine intuitive Geschichte. Ich kann mich da sehr gut hineinversetzen. Wenn ich die Stimme erstmal quasi auf meinem inneren Schallplattenspieler drauf habe, also im Kopf genau weiß, wie sie klingen muss, dann krieg’ ich sie auch hin. Das ist in der Regel nicht so schwer. Es gibt so ein paar Typen, da bastelt man ein bisschen – aber so Til Schweiger (imitiert ihn) . . . Es liegt mir einfach und ich glaube, das ist eine Sache, die man nicht wirklich lernen kann.

Gibt es auch jemanden, der Ingo Appelt täuschend echt nachmachen kann?

Eine richtige Parodie ist mir noch nicht untergekommen. Badesalz hat mich mal verarscht. Da hat ’ne Mutter behauptet: „Mein Sohn will Komiker werden, der kann Ingo Appelt nachmachen. Mach mal Ingo Appelt nach!“ Der stellt sich hin und sagt „Ficken“. Das war es dann schon. Fand’ ich auch wieder lustig.

Sie stehen jetzt seit 25 Jahren auf der Bühne. In dieser Zeit haben Sie jede Menge Komiker kommen und gehen gesehen. Was ist das Erfolgsrezept des Dauerbrenners Ingo Appelt?

Ich habe gar keins. Bei mir ist es wahrscheinlich die Alternativlosigkeit. Ich kann auch nichts anderes. Ich habe auch kein zweites Standbein – kein Wurstgeschäft oder irgendwelche Konten in der Schweiz, wie der Herr Hoeneß. Ich glaub’, ich muss weiterspielen . . . Da sind meine ganzen Kinder, die ich versorgen muss – und meine Ex-Frauen. Außerdem macht mir das einfach einen tierischen Spaß. Wahrscheinlich muss man mich mit 84 von der Bühne holen und anschließend beiße ich dann gleich ins Gras. Vielleicht sogar auf der Bühne.

Husum liegt in Nordfriesland, und da schnackt man auch schon mal ausgiebig Platt. Könnten Sie da als gebürtiger Essener mitreden?

Nee, gar nicht. Ich komme eher aus dem Sächsischen. Es gibt ja ganz viele Bereiche, in denen Plattdeutsch gesprochen wird. Das versteht man grundsätzlich nicht mehr, das ist eine Fremdsprache. Und gerade dieses nordische Platt. Da bin ich so was von raus, obwohl ich schon seit Jahren versuche, das irgendwie zu verstehen. Dieses Friesenplatt ist das Schwierigste, was es in Deutschland gibt.

 

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