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50 Jahre Design : Fragiles Geschenk für Schloss Gottorf

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der gebürtige Husumer Rolf Krüger vermacht dem Landesmuseum in Schleswig einen Teil seines Industriedesigns aus Glas und bereichert damit zugleich die ständige Ausstellung im Kreuzstall von Schloss Gottorf.

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erstellt am 29.Nov.2015 | 18:28 Uhr

Eigentlich sei er nach Schloss Gottorf gefahren, um sich die Sonderausstellung „form.frei Keramik Europas“ anzuschauen, sagt Rolf Krüger. Dabei interessierte den gebürtigen Husumer, der als Designer unter anderem für die Schott-Zwiesel Glashütte AG gearbeitet hat, vor allem eines: „Was gibt es dort an Glas zu sehen.“ Wie kein anderer begleitet dieser Werkstoff den 76-Jährigen durch das Berufsleben, hat ihn zu unzähligen Serien von Lampen, Leuchten, Schalen, Kannen und Vasen inspiriert.

„Klar weiß ich, dass es hier im Norden zwar wichtige Glaskünstler, aber nicht eine Hütte gibt“, berichtet Krüger, der heute im nordrhein-westfälischen Arnsberg lebt und nach wie vor einen Zweitwohnsitz in Husum hat. Dennoch fehlte ihm in der Schleswiger Sammlung eben jenes Material, dessen Möglichkeiten er über nahezu fünf Jahrzehnte ausgelotet hat: Industriedesign aus Glas. Krüger nahm Kontakt zum Landesmuseum auf und fand in Dr. Ulrich Schneider einen „ebenso offenen wie kompetenten Gesprächspartner“. Der Kunsthistoriker bat den Gast, bei seinem nächsten Besuch ein paar seiner Produktreihen mitzubringen.

„Da kommt ne Menge Glas zusammen“, dachte sich Krüger und nahm daher nur jene Arbeiten mit nach Schleswig, die Preise erhalten hatten. „Ich hab’ von Anfang an daran gedacht, sie dem Museum zu schenken“, erklärt Krüger, der sich in Husum unter anderem mit der „SitzArt“ für die Kunstmeile der Ede-Sörensen-Stiftung entlang der Husumer Bucht einen Namen gemacht hat. „Aber ich wollte natürlich auch, dass die Sachen gezeigt werden und nicht im Magazin verschwinden.“ Dieser Wunsch wird wohl noch vor Jahresfrist in Erfüllung gehen. Drei Produktreihen, die Anfang der 1990er-Jahre bei Schott-Zwiesel in Serie gingen, sollen Teil der Dauerausstellung im Kreuzstall von Schloss Gottorf werden.

„Modernes Industriedesign ist eine enorme Bereicherung für unsere Sammlung“, sagt Schneider. „Deshalb haben wir das Angebot von Herrn Krüger gern angenommen.“ Historische Gläser gebe es im Landesmuseum reichlich, „aber danach kommt lange Zeit nichts mehr“, sagt er. Selbstverständlich gebe es in Schleswig Arbeiten von Wilhelm Wagenfeld – und auch diverse Unikate von schleswig-holsteinischen Glaskünstlern, aber eben kein Industriedesign. Diese Lücke wird mit Krügers Produktreihen „Geometria“, „Charleston“ und „Una“ aus den Jahren 1990 bis 1992 jetzt geschlossen. Schneider geht es dabei auch um das Zusammenspiel von Form und Farbe.

„Glas zu machen, ist ein hohes Kulturgut“, nimmt Rolf Krüger den Faden auf, aber auch ein Handwerk, das großen Schwankungen unterliegt. So erinnert er sich an Schott-Zwiesel, die ihre eigenen Qualitätsanforderungen einst derart in die Höhe schraubten, dass Waren zur zweiten Wahl „verkamen, nur weil sie eine Blase aufwiesen oder die Bodenplatte einer Schale nicht ganz gerade war. Dabei ist doch gerade das ein signifikantes Merkmal für mundgeblasenes Glas.“ Heute helfen manchmal selbst Qualitätsansprüche nicht weiter. Viele traditionelle Hütten – zum Beispiel im schwedischen Glasrevier von Småland und Beringe – können der chinesischen Konkurrenz nicht mehr trotzen und stehen vor dem Aus.

Trotz dieses Verlustes an handwerklichem Können ist Krüger durchaus kein Gegner von „Automatenglas“. Auch das „hat seine Wertigkeit“, räumt er ein und ist selbst schon viel zu lange Designer, als dass er nicht wüsste, wie sehr gerade dieses Metier der Mode unterliegt. Schwingt da etwa ein Hauch von Selbstkritik mit? Klar stoße er in der Rückbetrachtung immer mal wieder auf Sachen, „die nicht schön sind, aber für die Entwicklung wichtig waren – und derer man sich nicht schämen muss. „Geometria“, „Charleston“ und „Una“ – die neuen Exponate von Schloss Gottorf – zählen freilich nicht dazu.

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