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Ostereiermarkt in Tönning : Fragile Objekte der Begierde

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Ostereier-Markt lockte am ersten April-Wochenende Tausende ins Tönninger Packhaus. 50 Aussteller zeigten ihr Können.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“: Diesen sattsam bekannten Spruch nehmen sich offenbar passionierte Sammler von Osterschmuck zu Herzen. Schon zur Eröffnung des Tönninger Ostereier-Marktes am Sonnabend (1. April) drängten sie ins Packhaus, um die Objekte ihrer Begierde in Augenschein zu nehmen und sich ihre persönlichen Lieblingsexemplare zu sichern. Die Auswahl an kunstvoll gestalteten Eiern war schier überwältigend: 50 Aussteller boten am ersten April-Wochenende ihre Kostbarkeiten an und lockten Tausende an Schau- und Kauflustigen in die Stadt an der Eider.

International besetzt mit den besten und kreativsten Kunsthandwerkern ihrer „Zunft“ genießt der Ostereier-Markt im Packhaus längst überregionalen Ruf. „Er zählt zu den größten in Schleswig-Holstein“, sagt Frauke Schulz, die seit 29 Jahren die Veranstaltung organisiert. Leidenschaftliche Sammler suchen jedes Jahr „ihren“ Aussteller auf, um ein neues Objekt zu erwerben. So wie Frauke Abramowski aus Treia, die am Stand von Brigitte Jensen ein weiteres „Häschen“-Ei erwarb, ihr sechstes. Sie mag die Motive, verbindet sie mit der Hasenschule doch Kindheitserinnerungen. Auch Beatrix-Potter-Motive hat Brigitte Jensen in ihrem Sortiment. „Die sind etwas für spezielle Kunden“, weiß sie. Eine neue Klientel ansprechen möchte Astrid Schmidt, die ausgefräste und bemalte Gänseeier mit konservierten Rosen schmückt. Sie ist seit 17 Jahren dabei und wollte in diesem Jahr etwas Neues bieten. Aus dem Rahmen fallen die fragilen Arrangements von Ingrid Olsson: Sie stöbert das ganze Jahr auf Flohmärkten nach Kännchen, Metalldosen und Porzellanschalen, die sie mit getrockneten Blumen aus ihren Garten füllt und mit Eiern und Federn schmückt.

Wer selbst kreativ werden wollte, konnte Rohlinge erwerben und erfuhr bei Daniela von Fircks-Böge eine ganze Menge über Geflügelzucht. Sie ist auf die Zucht von Cayuga-Enten spezialisiert: „Die haben kein Fett, aber sehr, sehr saftiges Fleisch“, erzählt sie, auch wenn ihre Enten nur in Ausnahmefällen im Kochtopf landen. Sie züchtet für Ausstellungen. Im Packhaus bot sie Eier in allen Größen an, vom winzigen Wachtel- bis zum Riesen-Nandu-Ei. Besonders begehrt sind Puten-Eier, weil sie besonders hartschalig und schön gesprenkelt sind. „Da habe ich heute auf einen Schlag 90 Eier an eine Malerin verkauft“, freut sich die Züchterin.

Für die meisten Aussteller ist immer Ostern, legen sie sich doch das ganze Jahr für ihre Kunstwerke ins Zeug. „Für manche Eier brauche ich drei Tage“, erzählt Birgit Völker-Bracker. Sie malt auf Vorrat: floristische Impressionen in Öl. Die Kunden wissen es zu schätzen: schauen, staunen, kaufen. So wie Margarete Kahle aus Friedrichstadt, die jedes Jahr nach Tönning kommt. „Das ist Pflicht“, sagt sie: „Früher habe ich selbst Eier mit Perlen verziert.“ Heute frischt sie im Packhaus Bekanntschaften auf. Im gut besuchten Café, für das sich die Tönninger Geschäftsleute wieder stark gemacht hatten, konnten Besucher bei Kaffee und Kuchen eine Pause einlegen oder mit anderen Sammlern fachsimpeln. „Die Einnahmen aus den gespendeten Torten kommen der Verschönerung Tönnings zugute“, sagt Frauke Schulz.

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