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Husumer Nachrichten

18. Oktober 2017 | 11:28 Uhr

Forschertage auf dem Bauernhof

vom

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Garding | "Die Kinder sind alle bei den Tieren drüben." Eine fröhliche Stimme ruft von irgendwo aus dem Obstgarten herüber. Es ist kaum zu glauben, dass sich in diesem Stall gleichzeitig kleine Lämmer, Kälber und Katzen und noch die Kinder der Gruppe Gelb des Gardinger Kindergartens zusammen aufhalten, und dennoch ist es mucksmäuschenstill. Auf ihren roten, gelben oder grünen Cappies stehen die Namen der Kinder, die sich hier auf diesem Bauernhof in Kirchspiel Garding versammelt haben, so können sich alle ansprechen und auch in ihren Gruppen wiederfinden. "Ernährungsforscher werden wir..!" lautet der Name des Projektes, initiiert wurde es von der Leiterin des evangelischen Kindergartens in Garding, Helga Conrad in Kooperation mit der Bauernhofpädagogin und AID-Ernährungsführerin Birgit Groth, auf deren Bauernhof sich die Kinder eingefunden haben.

Im Vordergrund stehen dabei eine gesunde Ernährung, Bewegung und der Bezug zum Ursprung von Lebensmitteln, besonders auch der regionale Bezug. Aber auch der Umgang mit Resourcen, beispielsweise dem Wasser, Beetpflege und artgerechte Tierhaltung, sollen erforscht und erlernt werden. Im ersten Block, der im September startete, lernten die Kinder alles zum Thema Äpfel, Kartoffeln und Mais. Für drei Tage pro Block waren die drei Gruppen vormittags mit jeweils maximal sechs Kindern zum Bauernhof gefahren. Mit dem Trecker raus auf das Feld zu fahren war ein echtes Erlebnis für viele. Beim zweiten Block im November ging es dann um Tierpflege und Getreide. Dafür bereiteten sich die Gruppen ein gesundes Frühstück vor, lernten zum Beispiel etwas über Tierhufe und schwangen sich dann mutig auf ein Pferd. Alle auf dem Hof besprochenen Themen wurden im Kindergarten mit den Erzieherinnen sorgfältig nachgearbeitet. Der Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt, es konnte gebastelt, gemalt, gekocht und experimentiert werden. So erlernten die Kleinen spielerisch Einzelheiten über die jeweiligen Produkte. Die Erzieherinnen hatten sich über viele Wochen intensiv auf das Projekt vorbereitet. Säen, ernten, Beet- und Tierpflege und das Verarbeiten tierischer Produkte bekamen bei den Kindern einen ganz neuen Stellenwert.

"Fühl mal, was ist in dieser Kiste?" Die Kinder können Haferflocken, Getreide, Heu, Stroh, Pferdehaare oder Mais ertasten. Auch hierbei ist es ganz still, alle sind aufmerksam bei der Sache. "Ja, das ist es, das konzentrierte, ruhige Arbeiten finde ich so faszinierend." Helga Conrad kommt gerade aus der Küche, dort wurden von den Kindern Äpfel geschnitten und Dörrobst hergestellt. Während die Äpfel trocknen, wird nebenan die Wolle der Schafe gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Und noch etwas ist ihr aufgefallen: "Auf dem Weg von der Küche zu den Schafen sind im ersten Block damals noch einige Kinder gestolpert, eine schiefe Ebene gibt es ja nicht überall." Jetzt laufen sie sicher umher und selbst mit der Schubkarre in den Händen gibt es keine Schieflage mehr. Außerdem kennen sie sich offensichtlich schon bestens aus auf dem Hof. Die Frühstückspause im liebevoll gestalteten Stall wird dankend angenommen. Die Kinder sind fröhlich und glücklich, keiner macht Streit oder möchte nicht mitmachen, für jeden scheint etwas dabei zu sein auf dieser kleinen Exkursion.

Für die Krippenkinder des Kindergartens wären die Vormittage insgesamt zu umfangreich geworden, deshalb nehmen sie an kleinen Aktionstagen zu den Themen teil. Die Vormittage auf dem Hof werden von einem Team ehrenamtlicher Helfer unterstützt, mit ihnen zusammen gelingt ein hohes Maß an Sicherheit bei der Betreuung der Kleinen. In diesem Projekt sind bewusst auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen willkommen. Und so schuf Helga Conrad die Grundlage für eine gemeinsame Aktivität mit dem benachbarten Marienstift in Garding, einem Wohnheim für behinderte Menschen.

Mit Ausstechförmchen werden jetzt verschiedene Käsesorten geprüft und probiert. Die Frage, ob von Kuh oder Schaf ist schnell beantwortet. "Ich mag sie beide", sagt ein Mädchen lächelnd. Das Lachen steckt an und die Stimmung ist prima, die Atmosphäre heimelig und warm. Die Kinder haben gelernt, Rücksicht aufeinander zu nehmen, sich gegenseitig zu helfen, sich zu koordinieren, neues zu erkennen, zu erleben, zu entdecken, zu probieren. Und sie kennen sich jetzt aus mit den Produkten aus der Region.

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