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Ferdinand-Tönnies-Symposium : Folk-Trio trifft auf Gypsy-Swing-Band

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Aus Anlass des 9. Internationalen Ferdinand-Tönnies-Symposiums geben die Husumer Folkband Dragseth und die Gypsy-Swing-Formation Roberto-Weiss-Trio im Nordsee-Congress-Centrum ein Doppelkonzert.

Am Freitag, 13. November, wird im Nordsee-Congress-Centrum Husum das 9. Internationale Ferdinand-Tönnies-Symposium eröffnet. Aus diesem Anlass steht am Abend, ab 19.30 Uhr, ein Doppelkonzert der Husumer Folkband Dragseth und des Roberto-Weiss-Trios, einer Gypsy-Swing-Formation aus Hamburg, auf dem Programm. Beide Bands wurden passend zum Oberthema des Symposiums ausgewählt, das sich in diesem Jahr mit „Nationalen Minderheiten in Europa“ beschäftigen und – wie üblich – über zwei Tage erstrecken wird. Der Mann, nach dem das Roberto-Weiss-Trio benannt ist, war familienintern so etwas wie ein Spätzünder. „Ich habe erst mit 14 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen“, sagt er. Seine Brüder Jeffrey (21) und Marcel (20) griffen schon fünf Jahre früher in die Saiten. Beide sind feste Ensemble-Mitglieder der Sinti- und Roma-Band Django Deluxe, die sich wie das Roberto-Weiss-Trio der Musik von Django Reinhardt verschrieben hat. Besonders gern spielen Roberto und seine Brüder bei Familienfeiern. Ab und zu treten sie aber auch öffentlich in Erscheinung. Im Interview spricht Roberto Weiss über sein Verhältnis zur Musik, über die Traditionen von Sinti und Roma, aber auch über Probleme, mit denen sich seine Volksgruppe in Deutschland bis heute konfrontiert sieht.

 

Es heißt, Musik sei für Sinti und Roma ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebens. Woher kommt das?

Musik verbindet uns von jeher – allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz. Schon unsere Vorfahren pflegten dieses Erbe, besonders jene Generation, die den Holocaust erlebt hat. Diese Menschen spielten um ihr Leben. Sie hatten keine Wahl, also legten sie ihr ganzes Herz in die Musik. Diese Geschichte prägt uns bis heute und verbindet das Leben von Generationen durch die Musik.

 

Wieso haben Sie sich ausgerechnet der Musik von Django Reinhardt verschrieben?

Für uns gab es von Anfang an nur Django Reinhardt. Er war es ja, der diese ganze Musikrichtung geprägt, den typischen Django-Stil und Gypsy-Swing entwickelt hat. Und das alles mit zwei Fingern. 1928 hatte sich Reinhardt beim Brand seines Wohnwagens schwere Verletzungen zugezogen. Sein rechtes Bein war gelähmt, die linke Hand stark verbrannt. In den Jahren seiner Rehabilitation entwickelte er dann eine neue Spieltechnik, bei der er für die Melodie nur den Zeige- und Mittelfinger einsetzte. Für die Akkorde benutzte er den Daumen. Dieser Mann als Sinti zwischen den Weltstars: Das ist uns natürlich ein Ansporn.

 

Fühlen Sie sich als Mitglieder einer nationalen Minderheit in Deutschland voll integriert?

Nein, leider nicht. Es ist traurig, das sagen zu müssen, wenn man schon sein ganzes Leben in Deutschland verbracht hat. Aber es gibt Situationen, in denen wir merken, dass wir nicht gewollt sind – zum Beispiel am Arbeitsplatz, aber auch in der Freizeit. Leider bekommen wir immer wieder deutlich zu spüren, dass wir als Sinti und Roma nicht erwünscht sind. Es gibt Ausnahmen, aber wir würden uns schon freuen, wenn diese Ausnahmen zur Regel würden.


>Karten für diese Veranstaltung gibt es im sh:z-Kundencenter, Husum, Markt 23, ✆ 04841/89650, in den Husumer Buchhandlungen Liesegang, Krämerstraße 12, und Schlossbuchhandlung, Schlossgang 10, in der Tourist-Information Husum (Altes Rathaus) sowie im Nordfriisk Instituut Bredstedt, Süderstraße 30, 25821 Bredstedt, ✆ 04671/2081.

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erstellt am 06.Nov.2015 | 15:00 Uhr

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