Ein Erfolgsrezept : Folk auf Friesisch

Ihr Bandname stammt aus dem Altfriesischen und steht für Mumm, Kraft und Energie: „Kalüün“ mit Gastmusikern, mit denen das Debütalbum „Spöören“ produziert worden ist.
Ihr Bandname stammt aus dem Altfriesischen und steht für Mumm, Kraft und Energie: „Kalüün“ mit Gastmusikern, mit denen das Debütalbum „Spöören“ produziert worden ist.

Die Gruppe „Kalüün“ setzt die nordfriesische Musiktradition der Inseln fort – neu arrangiert mit internationalen und modernen Liedelementen. Für das Debütalbum gab es den Preis der deutschen Schallplattenkritik.

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23. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Sie wandeln auf den Spuren ihrer Vorfahren. Aber sie klingen kein bisschen verstaubt. Im Gegenteil: Die Musiker der nordfriesischen Gruppe „Kalüün“ bestechen mit frischem, unverbrauchtem Folk. Mit ihrem Album „Spöören“ (Spuren) haben sie sich in der Folkszene binnen kurzer Zeit einen Namen gemacht, und das nicht nur in Deutschland.

Die Föhrer Keike (Violine und Gesang) und Jan Faltings (Mandoline, Bouzouki und Gesang) und der Stedesander Dennis Werner (Gitarren und Gesang) schreiben eine besondere Erfolgsgeschichte. Gemeinsam mit den drei befreundeten Gastmusikern Ole Carstensen, Michael Lempelius und Dirk Werner haben sie das bemerkenswerte Debütalbum hingelegt.

„Unsere Musik ist eine Mischung aus alten und neu arrangierten traditionellen Föhrer Tanzstücken sowie eigenen Liedern und Intrumentalstücken“, beschreibt der Sprecher der Band, Dennis Werner, den ungewöhnlichen Ansatz. Und: „Das Spezielle an dem Ganzen ist wohl die Tatsache, dass alle Songs auf Föhringer Friesisch gesungen sind.“ „Kalüün“ hatte sich im Herbst 2012 formiert als Nachfolgeband der irisch orientierten Folkgruppe „Ballynacally“ und geht seitdem ihren eigenen Weg.

„Es hat allen Beteiligten Mut abverlangt, solch ein Projekt anzugehen und auch durchzuziehen“, sagt Dennis Werner. Und „Mut“ sei auch das Stichwort gewesen, dass sich die Band gleich in ihren Namen einverleibte. Denn Kalüün steht im Altfriesischen für Kraft, Energie und Mumm.

Der große Elan der jungen Band hat sich zweifellos gelohnt. Ihr hörenswertes, im März 2014 veröffentlichtes Debütalbum „Spöören“ wurde gleich in diesem Sommer mit der begehrtesten Auszeichnung der deutschen Folkszene, dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, belohnt. Diesen vergeben vierteljährlich unabhängige Musikkritiker und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Kalüün“ lag in ihrer Gunst in der Kategorie Lieder & Songs klar vorn.

„Es ist tatsächlich so, dass erstmalig eine schleswig-holsteinische Folkband diese Auszeichnung bekommen hat“, weiß Werner um die Bedeutung dieses Preises. „Eigentlich wollten wir nur mal etwas Neues machen. Wir haben anscheinend den passenden Zeitpunkt für unser Album erwischt“, nehmen Keike und Jan Faltings sowie Dennis Werner den Erfolg bescheiden und dankbar an. Werner ist von Haus aus Energielektroniker, Keike Faltings studiert und ihr Bruder Jan ist nautischer Wachoffizier.

Die elf Titel des Albums, darunter vier Instrumentalstücke, waren im Frühjahr und Sommer 2013 im Hookwerk-Studio in Wyk auf Föhr eingespielt worden. Die Aufnahmeleitung und das spätere Mastering der Titel lag in Händen des renommierten Hamburger Tonmeisters Manfred Faust (A-ha, Tokio Hotel, Lindenberg, Stanfour).

„Kalüün“ setzt eine Musiktradition der nordfriesischen Inseln mit modernem Anstrich fort. Diese zeigt neben regionalen Besonderheiten der schleswigschen und jütischen „Spillemandsmusik“ deutliche Einflüsse internationaler Seemannslieder, Shanties und Tanzmelodien, wie sie mit den friesischen Seefahrern aus den europäischen Hafenkneipen auf die Inseln und Halligen gelangt waren, heißt es bei der Ferring-Stiftung in Alkersum – die Stiftung ist Initiatorin und Förderin des Projektes. Ihr Leiter, Prof. Dr. Volkert Faltings, der Vater von Keike und Jan, hat überdies zeitgemäße und moderne Liedtexte aus seiner Feder beigesteuert. Die Veröffentlichung des Albums konnte dann dank Spenden des Friesenrats – gefördert aus öffentlichen Mitteln des Landes Schleswig-Holstein – sowie von Föhrer Einrichtungen und Firmen ermöglicht werden.

Dass dem Folk-Trio der Stoff für neue Balladen ausgeht, ist nicht zu befürchten. „Diese besondere Musikkultur kam im Zuge des nationalen Umbruchs nach 1864 schnell zum Erliegen und war schon um 1900 nur noch in Relikten vorhanden“, beschreibt zwar die Ferring-Stiftung. Aber die Musiktradition lebt auch auf der dänischen Insel Fanö weiter, wo „Kalüün“ beim Folkfestival mit hochkarätigen Musikern aus dem Königreich sowie aus Irland und Kanada spielen durfte. Und in einem alten Notenbuch aus dem Jahr 1820 gibt es noch einen großen Fundus an Werken, verrät Dennis Werner: „Wir arbeiten bereits an neuen Stücken.“

Wer Kalüün live erleben möchte, hat beispielsweise am 11. April 2015 im Andersen-Haus in Risum-Lindholm (Klockries) dazu Gelegenheit. Auftritte bei Folk-Events stehen im nächsten Jahr voraussichtlich ebenfalls an.

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