Behrendorf : Fohlenauktion vor dem Aus

Die Veranstaltung in Behrendorf geriet gegenüber der in Elmshorn immer mehr ins Hintertreffen.
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Die Veranstaltung in Behrendorf geriet gegenüber der in Elmshorn immer mehr ins Hintertreffen.

Nach 35 Jahren droht der Behrendorfer Traditions-Veranstaltung zumindest das vorläufige Ende. Die meisten Züchter favorisieren Elmshorn.

shz.de von
26. Januar 2018, 15:18 Uhr

Lange hat man erfolglos versucht, zu ergründen, warum die Fohlenauktion in Behrendorf zuletzt immer weniger Käufer anzog, während die gleiche Veranstaltung tags darauf in Elmshorn deutlich besser lief. Nun kapitulieren die nordfriesischen Züchter vor dieser Negativ-Entwicklung: Bei der Körbezirksversammlung des Holsteiner Verbandes in Immenstedt gab es ein klares Votum für den Verzicht auf die Veranstaltung in Behrendorf. Dafür soll die Auktion in Elmshorn auf breitere und attraktivere Füße gestellt werden. Ob die Züchter und Käufer schon dieses Jahr im September ausschließlich dort aufeinander treffen werden, steht aber noch nicht fest.

2017 endete die Holsteiner Auktion in Elmshorn mit einem guten Durchschnittspreis von 10 444 Euro je Fohlen, während am Vortrag in Behrendorf nur durchschnittlich 7583 Euro erzielt worden waren. Der Vorsitzende des Körbezirks Nordfriesland war dennoch relativ zufrieden, auch weil einige echte Spitzenfohlen verkauft werden konnten. „An der Qualität unserer Tiere liegt es nicht“, betonte Dieter Feddersen. Die Probleme sieht der Verband vielmehr darin, dass die Käufer ausbleiben, weil ihnen die Fahrt zu weit ist, da sie in Behrendorf maximal das Feld sondieren und erst am zweiten Auktionstag in Elmshorn zuschlagen. Aber auch, weil es lange schwierig war, die gerade bei solchen Auktionen häufig über das Telefon teilnehmende Kundschaft mit einer zuverlässigen technischen Lösung bei der Stange zu halten. Jetzt steht die Leitung – aber es will einfach keine Stimmung mehr aufkommen: „Wenn ich einem Käufer am Telefon zu erzählen versuche, was da gerade für ein tolles Fohlen angeboten wird, und er bekommt mit, dass es im Hintergrund still bleibt, dass keiner auf dieses Tier bietet, dann wird er misstrauisch und verzichtet lieber auf den Kauf“, brachte es einer der Anwesenden auf den Punkt.

Hatte sich bei einer vorherigen, schriftlichen Befragung der Betroffenen durch den Verband schon eine gewisse Tendenz abgezeichnet, das Geschehen auf einen der beiden Standorte zu konzentrieren, so fiel das Votum an diesem Abend noch viel deutlicher aus: Nur eine Handvoll der 84 stimmberechtigten Mitglieder sprach sich für den Verbleib der Fohlenauktion in Behrendorf aus. Die große Mehrheit scheint bereit zu sein, zu diesem Zweck künftig nach Elmshorn zu fahren. Allerdings nicht ohne Gegenleistungen. So wurde unter anderem die Forderung laut, der Verband möge mit einem passenden Konzept dafür sorgen, dass man dort tatsächlich eine angemessene Anzahl von Fohlen anbieten könne und dass diese Auktion insgesamt für die Käufer interessanter wird.

Die rege Diskussion bilanzierte Dieter Feddersen am Ende so: „Nach Befragung der Kunden und der Beschicker der Auktionen der vergangenen fünf Jahre sowie mit Blick auf das Meinungsbild hier ist es Wunsch der Züchter, künftig am zentralen Standort Elmshorn eine gemeinsame Auktion durchzuführen. Die Auswahl der Fohlen, Video- und Tierarzt-Termin werden weiterhin hier bei uns verbleiben. Außerdem müsste die neue, größere Auktion in ein Event eingebettet werden, um neue Käufer zu generieren.“

Im weiteren Verlauf der mehr als vierstündigen Versammlung informierten der Verbandsvorsitzende Thies Beuck und die Geschäftsführer der Bereiche Zucht (Dr. Thomas Nissen), Hengsthaltung (Norbert Boley) und Vermarktung (Dr. Jörgen Köhlbrandt) sowie die Jungzüchter-Vorsitzende Gesa Christiansen ausführlich über ihre Arbeit. Bei den Wahlen wurden alle Amtsinhaber wiedergewählt: Dieter Feddersen (Joldelund) als Körbezirksvorsitzender, Christian Thoroe (Haselund) als Stellvertreter, Schriftführerin Birgit Hansen (Riesbriek), Kassenwartin Elke Mahrt (Drelsdorf). Alle Vorstandsmitglieder wurden zusätzlich als Delegierte für die Versammlungen in Neumünster gewählt, zusätzlich Jörg Carstensen (Sollwitt), Gerd Eggers (Stadum), Holger Leschke (Tönning), Hark Martensen (Oldsum/Föhr) und Hauke Paulsen (Immenstedt).

Für Behrendorfs Bürgermeister Jens Andreas Carstensen ist der Wegfall der Fohlenauktion übrigens kein Drama: Sein Dorf hat auch ohne die traditionelle Fohlenauktion genügend Veranstaltungen rund um das Thema Pferd, die jedes Jahr mehrfach viele Menschen dorthin ziehen. Er kann der Entwicklung sogar etwas Positives abgewinnen: „Das schafft in der Reithalle letztendlich auch wieder Platz für das Training der freien Reiter, die hier manchmal ein wenig zu kurz kommen.“

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