„Eine Stimme für Nordfriesland“ : Föhrer Jakob Tholund feiert 90. Geburtstag

„Ausgezeichneter“ Friese: Jakob Tholund.
„Ausgezeichneter“ Friese: Jakob Tholund.

Er setzte sich vehement für die friesische Sache ein, wurde dafür mehrfach ausgezeichnet: Heute wird Jakob Tholund 90.

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29. August 2018, 06:00 Uhr

„Wi fresken skul üsens spriik nooch bewaare – wan’t jil wiar. Man at as jo bluat gul!“ („Wir Friesen würden unsere Sprache sicher bewahren – wenn sie Geld wäre. Aber sie ist ja nur Gold!“) – ein typischer Ausspruch von Jakob Tholund, der gerne Nachdenkliches friesisch verpackt auf den Punkt bringt.

In seinen Reden und Aufsätzen arbeitet er mit analytischem Blick fürs Ganze und präzise gewählten Worten seine Ansichten heraus, nicht ohne eine gehörige Portion Humor und pointierter Kritik an sich und seinen Landsleuten.

So kennt man Jakob Tholund, der am 29. August 1928 in Goting geboren wurde und heute 90 Jahre alt wird. Aufgewachsen in Oevenum, wo er im Zweiten Weltkrieg als patenter Helfer in der Landwirtschaft genauso auffiel wie als wortgewandter Schüler, studierte er in Kiel und Freiburg (Philosophie, Religion, Literaturwissenschaft und Geschichte) und kam nach kurzem Gastspiel an Schulen in Flensburg und St. Peter-Ording wieder an das Gymnasium in Wyk zurück. Frederik Paulsen, der spätere Begründer der Ferring Stiftung, soll den damals 37-Jährigen dazu bewogen haben. Von 1965 bis 1990 war Tholund dann Direktor des Föhrer Gymnasiums. An seinem Dienstzimmer klebte ein Aufkleber mit der Aufschrift: „Heer könst dü fering snaake.“ Wohl nur ein kleiner Trost, wenn man als Schüler zum „Direx“ musste.

Tholund setzte sich in zahlreichen Ehrenämtern für die friesische Sache ein, schaffte es, die Standpunkte zu bündeln und wurde für sein völkerverbindendes Engagement von der niederländischen Königin Beatrix 1990 zum Offizier des Ordens Oranien-Nassau ernannt. 1991 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und 1996 den Hans-Momsen-Preis des Kreises Nordfriesland. Im Vorstand der Ferring Stiftung gestaltete er über viele Jahre mit Frederik Paulsen und Brar Roeloffs die Förderung des Friesischen. Darüber hinaus war und ist er ein geschätzter Ratgeber in Sachen Friesisch. Er ist „Eine Stimme für Nordfriesland“, wie das Nordfriisk Instituut eine Sammlung seiner Reden und Aufsätze betitelt, die weit über die Grenzen Nordfrieslands gehört wird. Heute möge er die Föhrer und Amrumer hören, die ihm alles Gute zum 90. Geburtstag wünschen. Auch wenn Tholund aus gesundheitlichen Gründen jetzt in der Nähe seiner Kinder bei Kiel lebt, so ist sein Herz ganz sicher noch auf „seiner“ Insel Föhr und bei seinen friesischen Mitstreitern, die zum großen Teil über ihn ihre friesische Ader gefunden haben.

Wie sagt er selbst in seiner Reihe „Ged för’t hood“ (Kopfdünger): „Fresken feit’am ei wreeken mä en süüsen. Jo brük en kreeftigen knuf of – beeder noch – en treed uun a ees.“ („Friesen kann man nicht mit einem Kuss wecken. Sie benötigen einen kräftigen Stoß oder – besser noch – einen Tritt in den Hintern“).

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