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Asylbewerber in Bredstedt : Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo kämpft gegen ihre Abschiebung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor einem Jahr kamen die Mustafas nach Bredstedt – und integrierten sich gut. Es reicht wohl nicht, um hier bleiben zu dürfen.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 13:00 Uhr

Sie haben sich als Asylbewerber in Bredstedt gut integriert, doch jetzt soll die Familie aus dem Kosovo wieder abgeschoben werden. Vor gut einem Jahr kamen Musa Mustafa und seine Frau Rifadije mit den gemeinsamen Kindern Albert und Ajlinda nach Bredstedt. Seitdem haben die Eltern verschiedene Praktika gemacht, sich um Arbeit und um das Lernen der deutschen Sprache bemüht. Vater und Sohn sind zudem in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten, Albert ist fester Bestandteil seiner E-Jugend-Mannschaft in der Fußballsparte des Bredstedter TSV und Ajlinda spielt im Spielmannszug die Querflöte.

Seit dem vergangenen Herbst gilt der Kosovo als „sicheres Herkunftsland“. Geflüchtete Menschen von dort werden somit als nicht schutzbedürftig angesehen und können schnell abgeschoben werden - ungeachtet dessen, wie sie sich in Deutschland integriert haben.

„Integrierter kann man kaum sein“, sagt Dieter Paulsen von der Bredstedter Tafel, bei der Musa Mustafa gemeinnützig arbeitet. Er ist einer von vielen Menschen aus dem Umfeld der Familie, der sie unterstützt und ihr hilft.

Ende April waren Musa und Rifadije Mustafa zu einer Anhörung beim Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster. Musa Mustafas Feuerwehrkamerad Eckart Jaß hat sie dahin begleitet. „Um neun Uhr hatten sie ihren Termin“, erzählt er. „Trotzdem haben sie sieben Stunden in der Behörde verbracht“ – um dann zu erfahren, dass das Asylverfahren der Familie so gut wie keine Aussicht auf Erfolg hat. „Sie waren beide total kaputt und niedergeschlagen, als sie aus den Gesprächen kamen“, sagt Jaß.

Kennengelernt hat er die Familie über die Freiwillige Feuerwehr, in die Musa Mustafa und sein elfjähriger Sohn Albert im vergangenen Herbst eingetreten sind. „Wenn wir einen Einsatz haben, ist Musa der erste, der da ist“, erzählt Jaß. Sobald sein Piper geht, setzt er sich auf sein Fahrrad und rast zum Feuerwehrgerätehaus. Jeder, der mit der Familie zu tun hat, berichtet von ihrem Fleiß, der Hilfsbereitschaft und ihrer Freundlichkeit.

Nach der Anhörung in Neumünster haben Musa und Rifadije Mustafa im vergangenen Monat außerdem eine Anfrage auf Kirchenasyl in Bredstedt gestellt. Wenn eine Abschiebung in eine für Leib und Leben gefährliche Situationen droht, kann eine Pfarrei oder eine Kirchengemeinde in Einzelfällen vorübergehend Flüchtlinge aufnehmen. Doch auch davon wurde mit Verweis auf die voraussichtlich bevorstehende Entscheidung des Landesamtes in Neumünster abgeraten. „Ein Kirchenasyl ist nur dann sinnvoll, wenn das Verfahren ein Ziel hat, wenn Chancen auf ein Bleiberecht bestehen“, sagt Pastorin Wiltraud Schuchardt. Dies wäre beispielsweise bei formalen Fehlern der Fall. Nach Rücksprache mit dem Kirchenkreis Nordfriesland sei man in der Gemeinde aber zu dem Entschluss gekommen, dass sich ein Kirchenasyl sogar kontraproduktiv auf die Zukunft der Familie auswirken könnte.

Das bestätigt auch David Kater. Der Flensburger Rechtsanwalt hat seinen Schwerpunkt im Asyl- und Aufenthaltsrecht und ist mit dem Fall der Familie Mustafa vertraut: Wenn sie den Asylantrag freiwillig zurücknehmen, bevor der Negativbescheid vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten kommt, gäbe es in Absprache mit dem Bundesamt die Möglichkeit, die Einreisesperre zu reduzieren, sagt er. Wenn der Bescheid aber erst rechtskräftig ist, kann er nicht mehr zurückgenommen werden – und somit auch nicht die Einreisesperre. Kater erklärt aber, dass die Mustafas auch andere Möglichkeiten hätten, in Deutschland bleiben zu können. Finden die Eltern beispielsweise eine Arbeitsstelle, die es ihnen ermöglicht, ohne weitere finanzielle Unterstützung auszukommen, könnten sie auch so eine weitergehende Aufenthaltserlaubnis bekommen.

Eine Abschiebung zurück in den Kosovo möchte die Familie Mustafa unbedingt vermeiden. Hier, wo sie so viel Unterstützung erhalten und sich ein besseres Leben für ihre Kinder und sich selbst erhoffen, wollen sie bleiben. Immer wieder betont Musa Mustafa, wie freundlich sie in Bredstedt empfangen wurden, immer wieder sagt er, wie dankbar sie dafür sind.

Die Kinder, die beide die Bredstedter Grundschule besuchen, sprechen inzwischen sehr gut deutsch. Albert hat eine Empfehlung für die Realschule und kann seinen Eltern bei Behördengängen helfen und in einigen Situationen dolmetschen. „Ich möchte arbeiten“, sagt Musa Mustafa immer wieder. Neben seiner Tätigkeit bei der Tafel hat er Praktika beim städtischen Bauhof und einer Erdbaufirma gemacht, seine Frau Rifadije Mustafa als Altenpflegerin. Zusätzlich helfen sie regelmäßig in der Kleiderkammer des Amtes Mittleres Nordfriesland aus. „Das hier ist ihre Lebenswelt“, sagt Dieter Paulsen.

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