zur Navigation springen

GARding : Flüchtlinge ziehen bei Senioren ein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Hardehuus in Garding sollen um die 30 Asylbewerber einquartiert werden. In dem Appartmentblock wohnen zwölf Senioren. Die Stadt kritisiert das Vorgehen des Amtsdirektors in dieser Sache.

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Garding entwickelt sich zu einem Politikum. Amtsdirektor Herbert Lorenzen hat mit der Eigentümergemeinschaft des Hardehuuses einen Mietvertrag auf fünf Jahre abgeschlossen. In der großzügigen Anlage am Stadtrand übernimmt das Amt vom 1. November an zwölf der 22 Wohnungen, um dort um die 30 Personen, vorzugsweise Familien, einzuquartieren. In den übrigen Wohnungen leben zurzeit zwölf ältere Männer und Frauen. Die ersten Flüchtlinge werden voraussichtlich in der nächsten oder übernächsten Woche dort einziehen.

„Wir brauchen unbedingt Wohnraum“, erklärt Lorenzen diesen Schritt. Der sei schon jetzt knapp. Er geht davon aus, dass Eiderstedt bis zum Jahresende noch bis zu 90 Flüchtlinge und im kommenden Jahr bis zu 400 zugeteilt werden. Als Amtsdirektor sei er gesetzlich verpflichtet, ihnen ein Dach über dem Kopf verschaffen. „Ich muss drohende Gefahren abwehren, dazu zählt auch die Obdachlosigkeit.“ Er ist daher froh, dass er mit der Eigentümergemeinschaft des Hardehuus diesen Vertrag abschließen konnte – zu einem normalen Mietpreis, wie er betont.

Die 22 Eigentümer ihrerseits sind froh, auf diese Weise für eine Auslastung des Objekts zu sorgen. Ursprünglich als Seniorenwohnanlage mit Betreutem Wohnen konzipiert, geriet es in wirtschaftliche Schieflage. „Da die Eigentümerschaft über ganz Deutschland verteilt ist, war es uns kaum möglich, das Anwesen organisatorisch und finanziell dauerhaft adäquat zu verwalten“, wie es in einer Pressemitteilung der Gemeinschaft heißt. Auch Gespräche mit Betreibern von Pflegeheimen blieben leider erfolglos. Mit der Vermietung an das Amt wollen die Eigentümer nun Asylbewerbern helfen. Sie sehen in ihnen auch künftige Arbeitskräfte, heißt es sinngemäß weiter. Insofern ist die Gemeinschaft auch an dem Bau des geplanten Pflegeheims interessiert. Es soll gleich nebenan entstehen.

Lorenzen sieht darüber hinaus, in dem Projekt großartige Chancen für die Integration von Asylbewerbern. „Wir haben hier einen Gemeinschaftstrakt mit Küche, der sich hervorragend für gemeinsame Aktivitäten und auch Deutschunterricht eignet.“ Und er beruhigt: Es sollen die Flüchtlinge dort nicht einfach untergebracht, sondern es werde auch für ihre Betreuung und Integration gesorgt werden.

Die Bewohner stehen der Sache skeptisch gegenüber. Zwar hatte es am Donnerstag ein Gespräch mit dem Amtsdirektor, Ordnungsamtleiter Jochen Guhlke, der Migrationsbeauftragten Rebecca Mansel und einem Asylbewerber, der bei der Betreuung von Flüchtlingen hilft, gegeben. Doch steckt den zehn Männern und Frauen im Alter zwischen 60 und 91 Jahren noch der Schock der Kündigung des Mietvertrags einen Monat zuvor in den Knochen. Nach Protesten hatten die Eigentümer diesen Schritt zurückgenommen. „Wir haben nichts gegen Asylbewerber“, sagte eine Bewohnerin, „aber wir sind skeptisch, ob das hier funktionieren wird.“

Entsetzt ist Gardings Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt. „Es ist im Vorfeld nicht mit uns gesprochen worden, wir sind vom Amtsdirektor vor vollendete Tatsachen gestellt worden.“ So gehe man nicht miteinander um. Ihr tun die alten und pflegebedürftigen Menschen leid. Zudem fürchtet sie erheblichen wirtschaftlichen Schaden für die Region. Denn der Investor für das Pflegeheim auf dem Nachbargrundstück wolle nicht mehr bauen, wenn der ursprüngliche Zweck des Hardehuus , also Wohnen für Senioren, entfremdet würde. „Damit gehen der Stadt 60 Arbeitsplätze verloren.“ Lorenzen hätte mit der Stadt sprechen müssen, „wir hätten uns um eine andere Lösung bemüht. Denn wir brauchen das Pflegeheim auch für den Kooperationsraum Garding.“ Lorenzen habe die Planungshoheit der Stadt missachtet. „Und dabei ist er Vorsitzender des Kooperationsraums.“ Sie betonte, dass Asylbewerber willkommen seien. „Es leben jetzt 30 hier, die voll integriert sind.“ Die Stadt müsse sich ernsthaft überlegen, ob der Amtsdirektor der richtige Mann für die Fortentwicklung von Stadt und Kooperationsraum sei, so Kummerscheidt. Die Stadt behalte sich rechtliche Schritte gegen sein Handeln vor.

Der Amtsdirektor betont, dass die Entscheidung keineswegs eine gegen die geplanten Entwicklungen in Garding sei. Außerdem bittet er darum, weitere Wohnungen beim Amt zu melden und bedankt sich bei allen, die bisher Wohnraum zur Verfügung gestellt haben.

zur Startseite

von
erstellt am 01.Nov.2015 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert