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Runder Tisch in Husum : Flüchtlinge: Private Vermieter sind gefragt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei der Unterbringung von Flüchtlingen ist der „Runde Tisch – Vielfalt leben“ auf die Mithilfe von privaten Vermietern angewiesen.

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erstellt am 21.Nov.2014 | 13:30 Uhr

Die Botschaft ist so alt wie die Menschheit – jedenfalls, seit diese Waren mit Barem vergilt: „Geld allein reicht nicht aus, um der Flüchtlingsproblematik Herr zu werden“, sagte Bürgermeister Uwe Schmitz bei einem Pressegespräch im Rathaus. „Was wir brauchen, sind Menschen, die sich dieser Frauen, Männer und Kinder annehmen!“ Auch die Wohnsituation der Hilfe-Suchenden sei dabei nur ein Aspekt unter vielen. Gleichwohl steht sie an erster Stelle eines Fünf-Punkte-Programms, das der „Runde Tisch Husum – Vielfalt leben“ bis April nächsten Jahres abarbeiten will, wie deren Moderatorin Urte Andresen erläuterte.

Schon in seiner Einführung ließ Schmitz keinen Zweifel daran, „dass wir versuchen wollen, sämtliche Flüchtlinge, die bis Jahresende und darüber hinaus zu uns kommen, inner- und außerhalb Husums adäquat unterzubringen“. Container und Zelte seien jedenfalls keine Option, so Schmitz. Dessen ungeachtet wissen er, Andresen und die anderen haupt- und ehrenamtlichen Mitstreiter natürlich, dass „wir dabei auf die Unterstützung privater Vermieter angewiesen sind“.

Um deutlich zu machen, „womit wir es zu tun haben“, ließ Andresen Zahlen sprechen. Jeder fünfte Einwohner des nördlichsten Bundeslandes habe mittlerweile einen Migrationshintergrund. Zahlen, die sich im Wesentlichen auf Kreise und Kommunen übertragen ließen. Allein in Husum lebten – stand Oktober diesen Jahres – 1066 Menschen mit einem direktem Migrationshintergrund. Hinzu kämen EU-Bürger und Kinder, deren Eltern zwar Flüchtlinge, die aber selbst bereits in Deutschland geboren seien. Allein bis zum Jahresende kämen weitere 15 bis 20 Menschen hinzu. „Und es könnten noch mehr werden“, sagte der Bürgermeister unter Hinweis auf aktuelle Zahlen des Kreises.

Überhaupt: Weil das Thema eine eigene Dynamik hat, hob Andresen noch einmal die besondere Bedeutung des Runden Tisches hervor. Er sei das Netzwerk, in dem die Fäden zusammenliefen, eine Art Koordinationsstelle, die dazu diene, dass Initiativen nicht ins Leere liefen, sondern sinnvoll miteinander vernetzt würden. Dem Runden Tisch gehören neben haupt- und ehrenamtlichen Vertretern unter anderem zwei Mitglieder des Sozialausschusses sowie die Gleichstellungsbeauftragte an. Andresen sprach von einem guten Miteinander. Für den „Tisch“ steht derzeit die Bestandsaufnahme im Zentrum: „Was gibt es? Was fehlt? Was weiß wer vom anderen?“

Bis April – so lange läuft das Projekt – sollen vier weitere Schwerpunkte abgearbeitet werden: Sprache, Gesundheit, Arbeit und Leben im Alltag. „Wie ich schon sagte: Ein Dach über dem Kopf ist das eine, aber die wirkliche Integration beginnt mit dem, was danach kommt“, griff Schmitz seine Eingangsbemerkung wieder auf. Das reiche vom Behördengang über die „mittlerweile Gott sei dank erleichterte Integration“ von Asylbewerbern ins Arbeitsleben bis hin zur Bereitstellung von Therapieplätzen für traumatisierte Flüchtlinge.

Und da diese Herkules-Aufgabe ehrenamtlich gar nicht zu leisten ist, soll im kommenden Jahr beim Diakonischen Werk eine hauptamtliche Stelle eingerichtet werden, die diese und andere Themen im Auge behält. Wichtig seien aber auch Initiativen wie die „Familienlotsen“ des Kinderschutzbundes, die Betroffenen bei vielen Problemen des Alltags mit Rat und Tat zur Seite stünden, sagte Schmitz.

Es sind übrigens schon lange nicht mehr nur Großfamilien, für die Unterkünfte gesucht würden. „Tatsächlich werden viele Familien auf der Flucht getrennt“, berichtete Andresen. „Der Vater stirbt, die Kinder bleiben in der Türkei zurück und die Mutter findet sich auf Sylt wieder.“ Diesen Menschen gelte es zu helfen, sagte der Bürgermeister und machte deutlich, dass ihm die Beseitigung von Notsituationen dabei wichtiger sei als Rechtsvorschriften. Wenn private Vermieter das genauso sehen, dürfte er in den nächsten Tagen eine Menge Anrufe bekommen.

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