Landgewinn – ein Projekt der Awo SH : Flüchtlinge erhalten Einblick in Politik

Die Zertifikate bescheinigen den Migranten, Grundwissen über die politischen Strukturen im ländlichen Raum erlangt zu haben.
Die Zertifikate bescheinigen den Migranten, Grundwissen über die politischen Strukturen im ländlichen Raum erlangt zu haben.

Wie funktioniert unsere Demokratie: Mentoren aus Nordfrieslands Kommunen vermitteln Migranten Praxis und Theorie.

shz.de von
02. August 2018, 16:00 Uhr

Was macht der Bundesrat? Welche Rechte habe ich in einer Demokratie? Und wie kann ich mich selbst aktiv in meiner Gemeinde einbringen? Mit diesen und vielen weiteren Fragen rund um das Thema Politik und Demokratie beschäftigten sich 13 Migrantinnen und Migranten während der vergangenen Monate im Kreis Nordfriesland. Im Rahmen des Projektes Landgewinn erlangten die politisch interessierten Teilnehmer durch den praktischen Austausch mit engagierten Kommunalpolitikern als Mentoren einen Einblick in den politischen Alltag. Das von der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein (AWO) getragene Projekt Landgewinn konzentriert sich auf die ländlichen Räume. Während in urbaner Umgebung viele Modellprojekte bezüglich der Stärkung von Migranten im Rahmen der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe existieren, ist das Thema in ländlichen Räumen kaum behandelt worden. Die AWO will das durch dieses Projekt ändern. Unter der Schirmherrschaft des Innenministers Hans-Joachim Grote stellt das Mentoring-Programm eine zentrale Methodik dar, in deren Rahmen Migranten zivilgesellschaftliche Strukturen in ihrem Umfeld kennenlernen, einen Überblick über die Arbeit von Vereinen, Organisationen und politischen Parteien in ihrer Region erhalten und in Kontakt mit den Akteuren dieser Institutionen kommen. So begleiteten sie ihre Mentoren beispielsweise zu Gemeindevertreter- und Fraktionssitzungen, erlebten hautnah den Kommunalwahlkampf und knüpften wertvolle Kontakte.

Filimon Brhane ist seit zweieinhalb Jahren in Deutschland und sagt dazu: „Durch das Projekt Landgewinn habe ich die Jungen Grünen in Husum kennengelernt und freue mich auch nach dem Ende dieses Projektes weiterhin aktiv mitzuarbeiten und mitzugestalten.“

Auch der Eritreer Osama Ibrahim aus Leck hat bei Landgewinn mitgemacht. „Durch das Projekt habe ich das Grundwissen erworben, mit dem ich einen eigenen Verein gründen kann“, erzählt der 25-Jährige.

Neben den individuellen Treffen zwischen Teilnehmern und Mentoren besuchten die politisch interessierten Migranten zudem die Begleitseminare zur politischen Bildung, die vom Projektteam angeboten wurden. Sie boten Möglichkeiten zur Diskussion und vermittelten Grundlagenwissen zum politischen System in der Republik.

Auf Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten für den Kreis Nordfriesland, Astrid Damerow, fuhren die Teilnehmenden darüber hinaus für drei Tage auf eine Bildungsreise nach Berlin.

„Ein rundum gelungenes Programm, von dem auch ich als Politiker sehr profitiert habe“, sagte Andreas Brzoska von den Grünen auf der gemeinsamen Abschlussveranstaltung in Leck, bei der die Beteiligten Zertifikate erhielten. Nach der Abschlussveranstaltung in Nordfriesland ist das Mentoring-Programm weitergezogen in den Kreis Schleswig-Flensburg, wo jetzt mit dem gleichen Ziel gestartet wird. Wer Fragen zum Projekt hat oder interessiert ist, sich im Kreis Schleswig-Flensburg einzubringen, wende sich an das Projektteam unter landgewinn@awo-sh.de.

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