Northern Helicopter in St. Peter-Ording : Fliegende Intensivstation: Wie funktioniert Offshore-Rettung?

In der Not kommt NHC 01 angeflogen: Den Heli besichtigte Katja Just, begleitet von Sönke Dorn und Herbert Janssen (v. l.) am Firmenstandort auf dem Flugplatz in St. Peter-Ording.
In der Not kommt NHC 01 angeflogen: Den Heli besichtigte Katja Just, begleitet von Sönke Dorn und Herbert Janssen (v. l.) am Firmenstandort auf dem Flugplatz in St. Peter-Ording.

Northern Helicopter hat sich auf den Rettungs-Einsatz auf hoher See spezialisiert.

shz.de von
03. September 2018, 17:10 Uhr

St. Peter-Ording | Katja Just ist Halligretterin. Die heutige Bürgermeisterin der Gemeinde Hooge hatte sich vor rund zehn Jahren dazu ausbilden lassen, als das vom Kreis Nordfriesland angeboten worden war. „Ein großartiges Projekt“, lautet auch heute noch ihr Urteil darüber. Halligretter verfügen über mehr Kenntnisse als Ersthelfer, sie überbrücken die auf den Eilanden oft längere Wartezeit bis zum Eintreffen von Notärzten und Sanitätern und werden unterstützend zu Hilfe gerufen, wenn die Kräfte der Hilfsorganisationen an ihre Grenzen stoßen.

Inzwischen hat Katja Just zwei Großübungen erlebt, in denen es unter anderem um einen medizinischen Notfall eines Tagestouristen und die Evakuierung der Halligbewohner aufgrund von Sturm und Springflut gegangen war. Zum Einsatz gekommen war dabei der Rettungshubschrauber der Firma Northern Helicopter (NHC) von der seit 2014 in St. Peter-Ording betriebenen Offshore-Rettungsstation.

Retten über See und Höhenrettung in Windkraftanlagen

Der dort stationierte Hubschrauber verfügt als einziger an der Westküste über eine Rettungswinde – eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz in Windparks. 365 Tage im Jahr in 24-stündiger Bereitschaft gehören die Aufgaben Retten über See, Höhenrettung in Windkraftanlagen sowie Versorgung von Patienten über große Entfernungen zum Auftrag des Luftfahrtunternehmens.

Hooge zählt aktuell rund hundert Bewohner, dazu kommen zahlreiche Übernachtungsgäste und jährlich rund 90.000 Tagestouristen. In der notfallmedizinischen
Versorgung sind sowohl Einwohner als auch Touristen auf die Schnelligkeit der Hubschrauber – auch bei schlechtem Wetter – und die geschulten Rettungskräfte der Hallig angewiesen.

Northern springt ein, wenn die DRF nicht kann

In der Sommerzeit gaben sich Politiker bei NHC die Klinke in die Hand. Außer Katja Just ließen sich auch Vertreter der FDP-Landtagsfraktion und der CDU-Kreistagsfraktion das Rettungsmittel vorstellen.

Stationsleiter Sönke Dorn: „Sollten Hubschrauber, beispielsweise in Niebüll oder Rendsburg, auf Grund des Wetters, aus technischen Gründen oder weil sie bereits im Einsatz sind, nicht fliegen können, startet unserer.“

Zur Übung: Claus-Carsten Andresen (CDU) ließ sich beim Besuch der Fraktion aufwinschen.
HN

Zur Übung: Claus-Carsten Andresen (CDU) ließ sich beim Besuch der Fraktion aufwinschen.

 

Northern Helicopter beschäftige rund 70 Mitarbeiter und operiere mit vier Hubschraubern. Das Unternehmen habe 25 Jahre Erfahrung im Bereich der Luftrettung und biete neben Offshore-Rettung Ambulanzflugdienste und Personentransporte an. NHC ist in das Projekt Windea-Care, ein ganzheitliches akut- und notfallmedizinisches Versorgungskonzept für Offshore Windparks eingebunden.

Notfallversorgung an der Küste profitiert

Manfred Uekerman (CDU-Kreistagsfraktion) sieht in der Stationierung des Unternehmens in St. Peter ein wichtiges Projekt für die Notfallversorgung auf Eiderstedt und für ganz Nordfriesland: „Nachdem wir erfolgreich NHC in der Rettungskette auf Platz drei hinzugefügt haben, kann die Rettungsleitstelle im Notfall auch auf die Helikopter des privaten Dienstleisters zugreifen – das sichert unsere Rettungslogistik im Kreis nochmals ab.“

Betriebsleiter Herbert Janssen ergänzt: „Die Verwirklichung des neuen gemeinsamen Standorts von Rettungswache des Kreises Nordfriesland und Luftrettung NHC ist für uns das nächste große Projekt vor Ort, bei dem wir auch für die Unterstützung der Politik dankbar sind.“

Oliver Kumbartzky, (FDP-Landtagsfraktion) betonte anlässlich seines Besuches, dass „die Stationierung in Sankt Peter-Ording die regional verteilte und individuelle Versorgung der Patienten der Region stärkt.“

Bürgermeisterin Katja Just fuhr zufrieden heim, freut sie sich doch schon auf die nächste Großübung, die NHC für das Frühjahr 2019 auf der Hallig Hooge vornehmen will – inklusive Einsatz der Winde.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen