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Nacktbaden in St. Peter-Ording : FKK: „Die jungen Leute werden prüder“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In St. Peter-Ording gibt es immer weniger Nacktbader – obwohl sie gern gesehene Gäste sind.

St. Peter-Ording | Das Gefühl von Freiheit, keine nassen Klamotten am Körper und nicht das ständige An- und Ausziehen – Nacktbaden hat für Anhänger der Freikörperkultur (FKK) viele Gründe. So auch für Birgit (60) und Roland (63) aus dem Harz, die seit 2001 jedes Jahr nach St. Peter-Ording in den Urlaub fahren. Hier genießen sie unter anderem das Baden am FKK-Strand.

Beim FKK-Baden wird das Tabu der öffentlichen Nacktheit gebrochen. Hinzu kommen immer weitere Sportmöglichkeiten für „Nacktivisten“ wie Nackt-Wanderwege oder Nackt-Radtouren.

Sie hatte anfangs noch Hemmungen. „Als Kind lernt man, mit Badesachen schwimmen zu gehen. Da war es doch eine Umstellung, aber man gewöhnt sich dran, und man fühlt sich viel freier“, sagt die 60-Jährige. „Das An- und Ausziehen der nassen Sachen ist eine Qual“, sagt ihr Mann.

„Entweder man hat fünf Bade-Outfits mit oder man läuft den ganzen Tag in nassen Sachen rum und wird krank“, bestätigt Jürgen (61) aus Neubrandenburg. Er fährt mit seiner Frau Heide (61) seit 15 Jahren jedes Jahr nach St. Peter-Ording. „Zum Wochenende wird es meistens ein bisschen voller“, hat das Paar am FKK-Strand beobachtet.

„Aber es ist niemals zu überlaufen – und das in der Hauptsaison“, versichern Dieter (73) und Erni (60) aus Hessen. Die Weite und der fast menschenleere Strand beim morgendlichen Spaziergang fasziniert die Beiden besonders. Auch das Paar aus Hessen bevorzugt das Gefühl der Luft am nackten Körper. Zudem genießt es die Ruhe am FKK-Strand. „Hier ist jeder für sich, man liegt nicht Handtuch an Handtuch“, sagt Dieter (73).

Auch Sabine und Markus (beide 47) bevorzugen den FKK-Strand. „Hier ist es leerer und leiser, weil weniger Kinder da sind“, erzählt das Paar aus Essen. Vor etwa sechs Jahren hat er das FKK-Baden in Ostdeutschland ausprobiert. Seitdem sucht er explizit nach Urlaubsorten mit Nackt-Badestelle.

„Gefühlt sind die Menschen am FKK-Strand toleranter“, schätzt Heinz-Dieter Hecke, Angestellter an der Badestelle Ording und FKK-Strand. Die Badegäste seien entspannter, und es liege lange nicht so viel Müll herum, wie am restlichen Strand. „Alle teilen das gleiche Lebensgefühl. Hier sind alle gleich. Ohne Klamotten sieht man den Leuten nicht an, was sie sonst machen“, so Hecke. Es gebe viele Stammgäste, auch aus Kiel oder Husum, weiß sein Kollege Jan Lorenzen.

In den 80er- und 90er-Jahren wurde der FKK-Strand auch „Nackt-Hörn“ genannt. „Die Badegäste lagen vom Toilettenhaus bis zum Ende der Sandbank“, erzählt Hecke. „Damals wurden bekleidete Menschen noch mit Sachen beworfen, wenn sie über den Strandabschnitt liefen.“ Heute wird die Freikörperkultur nicht mehr so stark ausgelebt und verteidigt. „Wenn ein Pärchen zusammen baden geht, er ohne und sie mit Kleidung, kann man ihnen ja nicht verbieten, sich zusammen an den FKK-Strand zu legen“, gibt Lorenzen zu bedenken. Da drückt die Aufsicht der Badestelle ein Auge zu. „Wenn jemand bei 24 Grad mit Schal und Pudelmütze am FKK-Strand liegt oder sich über andere Badegäste lustig macht, greifen wir natürlich ein“, sagt Lorenzen. Aber die Badeaufsicht habe ihre Augen nicht überall und sei auf Hinweise angewiesen.

Schilder weisen daraufhin, dass Textilkleidung am FKK-Strand nicht erwünscht ist. Hunde sind anzuleinen. „Leider gibt es viele, die sich nicht daran halten“, haben Dieter und Erni beobachtet und bemängeln: „Oft legen sich komplett angezogene Leute hierher.“

An der Nordseeküste gibt es insgesamt 15 FKK-Strände, weiß Malte Keller von der Nordseetourismus. Wie die einzelnen Strände besucht werden, sei schwierig zu erfassen, da es keine eigene Kurabgabe für FKK-Strände gibt. Laut der Badestellenleiter in St. Peter-Ording ist der Trend zum Nacktbaden eher rückläufig. Die Badegäste seien größtenteils ältere Leute. „Die Menschen sind zwar immer aufgeklärter. Aber der Trend geht dazu über, sich wieder anzuziehen“, so Lorenzen. „Die jungen Leute werden prüder.“ Dennoch liegen die FKK-Badegäste an guten Tagen noch drei Kilometer weiter Richtung Sandbankende.

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