Friedrichstadt : Fit für den Straßenverkehr

Andreas Todt erklärt seinen Schützlingen, worauf sie beim Überqueren der Straße achten müssen.
Andreas Todt erklärt seinen Schützlingen, worauf sie beim Überqueren der Straße achten müssen.

Die Friedrichstädter Polizei startet ein Projekt der besonderen Art: Kindergartenkinder machen einen Fußgänger-Führerschein.

shz.de von
21. Juni 2018, 07:00 Uhr

In einer Stadt wie Friedrichstadt gibt es viele verwinkelte Straßen, und von Jahr zu Jahr nimmt der Verkehr zu. Da fällt es schon einem Erwachsenen schwer, den Überblick zu behalten. Für kleine Kinder ist das um ein Vielfaches komplizierter. 2016 etwa sind in Schleswig-Holstein dem Statistischen Landesamt zufolge 286 Kinder unter sechs Jahren im Straßenverkehr verunglückt. In Friedrichstadt sollen Kindergartenkinder mithilfe eines ganz besonderen Projektes nun auf den Verkehrsalltag vorbereitet werden: dem Fußgängerführerschein für Minis.

Die Idee dazu hatte Friedrichstadts Polizei-Staionsleiter Andreas Todt, denn das Thema treibt ihn schon länger um. „Warum sollen wir mit den Lütten nicht mal eine größere Runde durch Friedrichstadt laufen und ihnen dabei erklären, wie man die Straßen sicher überqueren kann?“, sagte er sich.

Gesagt, getan: Morgens um 9 Uhr steht der Polizeihauptkommissar mit seinem Stellvertreter Gerrit Zumac und den Kollegen Jasper Seydlitz und Kjeld Nahlig vor der Tür des dänischen Kindergartens, dessen Erzieherinnen von der Idee sofort begeistert waren. In zwei Gruppen eingeteilt zog die Mannschaft dann los, ausgestattet mit leuchtend grünen Schutzwesten.

„Worauf muss man achten, wenn man über die Straße geht?“, fragt Jasper Seydlitz. „Wenn ich vorher nicht gucke und laufe einfach los und ein Auto kommt“, sagt ein kleiner Junge, „dann bin ich tot.“ Seydlitz nickt. „Wir erklären ihnen immer ‚venstre, hoejre, venstre‘“, erklärt Erzieherin Jonna. „Prima“, sagt Andreas Todt. „Also erst nach links schauen, dann nach rechts und dann wieder nach links – und dann die Straße auf geradem Wege überqueren.“ Die erste Möglichkeit dazu bietet sich bereits an der ersten Straßeneinmündung an: Einzeln gehen die Jungen und Mädchen von einem Fußweg zum anderen – natürlich blicken sie sich vorher um. Auf jedem Bürgersteig wartet ein Polizist. „Was ist noch wichtig, wenn ihr rausgeht?“, erkundigt sich der Stationsleiter – und gibt die Antwort gleich hinterher: „Ihr müsst nicht nur aufmerksam gucken, sondern auch aufmerksam hören. Friedrichstadt hat viele Kopfsteinpflasterstraßen – da hört ihr die Autos schon in einiger Entfernung heranrumpeln.“

Weiter geht es in Richtung Innenstadt – aber nicht auf geradem Weg, sondern rechts und links durch die Nebenstraßen zum Marktplatz. „Das ist ja klasse. So etwas hatten wir damals nicht – da mussten die Eltern oder Oma und Opa ran und uns das beibringen“, sagt Einwohner Jörg Hansen anerkennend, den die Truppe unterwegs trifft. Am Ende der Tour spendiert der Einkaufsmarkt zur Belohnung Kakao, Saft und Kuchen für alle. Dazu händigt Andreas Todt dann die von ihm entworfenen Fußgänger-Führerscheine aus. „Der Inhaber dieses Fußgängerführerscheines kennt alle Verkehrsregeln für Fußgänger und weiß, wie man sich im Straßenverkehr kleidet, um von allen gesehen zu werden“, ist darin vermerkt. Und weiter: „Der Inhaber kennt die Notrufnummern von der Polizei und der Feuerwehr und seinen Namen und seine Anschrift.“ Auf der gegenüberliegenden Seite darf jedes Kind später sein eigenes Foto einkleben. Auf die Nachfrage von Andreas Todt, ob es den Kindern denn gefallen habe, kommt ein vielstimmiges lautes „Ja“. Die Friedrichstädter Polizei will das Projekt nun weiter ausbauen.

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