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Herzsport in Garding : Fit bleiben nach dem Herzinfarkt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Garding gibt es seit fast 30 Jahren eine Herzsportgruppe. Beim Training ist immer ein Arzt dabei. Übungsleiter ist Achim Bruns, der weiß, wovon er redet: Er hat einen angeborenen Herzfehler.

Muntere Stimmen und ein herzhaftes Lachen erklingen aus dem Vorraum der Turnhalle Garding, wo sich die Herzsportgruppe des Gardinger TSV mit einem Klönschnack aufs Training einstimmt. Dann herrscht für einen kurzen Moment Ruhe, denn auf ein Zeichen hin fassen sich die rund 20 Männer und Frauen gleichzeitig ans Handgelenk, um den Puls zu ertasten. Der Ruhepuls sollte bei ihnen zwischen 60 und 80 liegen – wunderbar, fast alle liegen im unteren Normbereich. Sobald der Doktor da ist, überprüft er die Werte und trägt sie in eine Liste ein. Erst danach geht es ab in die Turnhalle. So will es die Vorschrift der Krankenkassen, die diese vom Arzt verordnete Reha-Maßnahme finanziell unterstützen.

Dr. Babett Seidler ist eine von drei ehrenamtlich tätigen Gardinger Medizinern, die abwechselnd jede Woche in die Turnhalle kommen, um für den Fall der Fälle sofort vor Ort zu sein. Pünktlich steht sie in der Tür. „Echte Notfälle gab es hier bisher zum Glück noch nicht“, sagt sie, wohl wissend, dass ihre Anwesenheit und der bereitstehende (noch nie benötigte) Defibrillator auf die Teilnehmer beruhigend wirken.

Denn bei diesen Sportlern handelt es sich um Herzpatienten, die kurz nach einem Infarkt, einer Bypass-Operation oder neu gesetzten Stents „schnell wieder reinkommen“ sollen – nicht etwa in den alten Trott, sondern in ein angstfreies Leben. Denn ohne Frage war die Erkrankung für die meisten von ihnen ein großer Schock. Für die Betroffenen ist „danach“ nichts mehr wie vorher. Vor allem, wenn das einschneidende Erlebnis noch nicht lange her ist, fühlen sich viele anfangs wie gelähmt, trauen sich keine Belastungen mehr zu und schonen sich vorsichtshalber mehr als nötig. Dass sie erkennen, was sie sich alles zutrauen können, ist eines der Ziele im Koronarsport. Durch die gemeinsame sportliche Betätigung mit Gleichgesinnten sollen die Patienten schneller zurück in den Alltag finden – und zur Freude am Leben.

Bei Martje Rabeler aus Kating ist es zwar schon zehn Jahre her, dass ihr ein Arzt erstmals diese Sporttherapie verordnete, doch die 80-Jährige kommt weiterhin gerne zu „ihrer“ Gruppe. „Es hilft wirklich“, sagt sie, dankbar dafür, dass sie nach dem Training wieder „mit einem guten Gefühl und warmen Füßen“ nach Hause gehen kann.

Zuständig für diese positiven Effekte ist seit 1993 Achim Bruns, der gelegentlich von Rebekka Fortmann vertreten wird. Der Gardinger hat selbst erst sehr spät von seinem angeborenen Herzfehler erfahren, lange nachdem er die Übungsleitung bei der Herzsportgruppe übernommen hatte. Umso besser kann er sich nun aber in die Köpfe der anderen Teilnehmer hineindenken. Er bringt die Gruppe mit ein paar Runden Gehen und Laufen auf Trab und bietet dann spezielle Übungen an. Jeder macht nach seinen Möglichkeiten mit. Zur Entspannung gibt es zwischendurch immer mal wieder kurze Ruhepausen. Sichtlich viel Spaß haben alle an den spielerischen Passagen, in denen Bälle oder Ringe geworfen und gefangen werden.

So aufgewärmt folgt am Ende ein 3-Minuten-Lauf, nach dem wieder der Puls gemessen wird. Unter Belastung darf er bei diesen durch Medikamente bereits pulsreduzierten Herzpatienten 20 bis 30 Schläge zulegen, soll danach in der Ruhephase aber wieder zum Ausgangswert kommen. Diese Werte werden ebenfalls protokolliert und hier und da von der Ärztin humorvoll kommentiert: „Wer drei Minuten laufen kann, kann auch den Geschirrspüler ausräumen“, sagt sie schmunzelnd – sehr zur Freude der Damen in dieser überwiegend männlichen Gruppe.

Der Herzsport hat sich seit Mitte der 1970er in den Sportvereinen etabliert. Im Gardinger TSV war es der Allgemeinmediziner Dr. Hanspeter Bange, der 1987 die Initiative ergriff und die Koronarsport-Sparte ins Leben rief. Heute ist er immer noch als betreuender Arzt dabei, im Wechsel mit seinen Berufskollegen Dr. Babett Seidler und Dr. Michael Otto. Sie alle haben sich unentgeltlich dazu bereit erklärt, selbst nach einem langen Praxistag noch die Treffen der Herzsportgruppe zu überwachen – dienstags von 19.45 bis 21.15 Uhr in der Turnhalle des Dänischen Kindergartens. „Die Gruppe ist froh darüber, dass die drei Ärzte sich gegenseitig abstimmen, so dass bisher noch nie eine Übungsstunde ausgefallen ist“, sagt Achim Bruns, der Fragen zur Gruppe unter Telefon 04862/8344 beantwortet. Auskünfte gibt es auch bei Spartenleiter Eggert Boye unter Telefon 04862/201862.

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