zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

23. Oktober 2017 | 10:35 Uhr

Husum : Filme nur noch digital zu sehen

vom

Kino-Center stellt komplett auf neue Vorführtechnik um / Betreiber-Ehepaar investierte in drei Jahren knapp eine Million Euro

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 08:09 Uhr

Husum | Als Emil und Max Skladanowsky am 1. November 1895 in Berlin Bilder erstmals öffentlich zum Laufen brachten, nahm die Kinogeschichte ihren Anfang - und war nicht mehr aufzuhalten. Schon damals nutzten die Brüder das Grundprinzip der analogen Filmprojektion. Mehr als 100 Jahre hielt sich die Technik, einen Filmstreifen durch einen Projektor laufen zu lassen, der das Bild auf eine Leinwand wirft. Doch das ist vorbei. Das digitale Zeitalter hat Einzug gehalten.

Auch in Husum. Im Kino-Center auf der Neustadt wird am kommenden Montag der letzte analoge Vorführ-Apparat abgebaut. Der Projektor mit seinen drei horizontal übereinander gelagerten Aluminiumscheiben, den sogenannten Tellern, die einen Durchmesser von rund anderthalb Metern haben, steht seit 1988 im Valentino. So heißt einer der acht Kinosäle, die im einzigen Lichtspielhaus der Stadt insgesamt 1150 Cineasten Platz bieten. Bis vor 27 Jahren tat das gute Stück noch im Gloria in der Wilhelmstraße seine Dienste - in jenem Rödemisser Kino, in dem am 15. Mai 1996 der letzte Abspann über die Leinwand flimmerte.

17 Jahre später wird im Kino-Center endgültig eine Zeitenwende eingeläutet. Künftig muss niemand mehr eine in mehreren kleineren "Portionen" angelieferte Kopie eines Zelluloidstreifens zusammenkleben, sie in Gänze von einem der vier Vorführräume in den anderen schleppen und komplett auf die Rolle nehmen - ein 120-Minuten-Band wiegt immerhin rund 30 Kilogramm. "Unsere Branche rechnet damit, dass die Verleiher bis Ende des Jahres die Lieferung von 35-Millimeter-Filmen einstellen", erklären Stephan Hartung (47) und seine Frau Sylvia Marksteiner-Hartung (45), die das Kino gemeinsam führen. "Wer bis dahin nicht umgerüstet hat, kann zumachen."

Im Hause Neustadt 114 stellt man sich seit etwa drei Jahren auf den technischen Fortschritt ein. In dieser Zeit wurden in den Übergang zum neuen Projektionsformat, der - aus Sicht der Verleiher ein geschickter Schachzug - an die nur digital zu projizierenden dreidimensionalen Blockbuster "Ice Age" und "Avatar" gekoppelt war, knapp eine Million Euro investiert. Von dieser Summe konnten fast 25 Prozent über Töpfe des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) und der Filmförderungsanstalt (FFA) abgedeckt werden - Zuwendungen, die in Orten mit weniger als 50 000 Einwohnern ein Kino-Sterben verhindern sollen. "Ohne diese Förderung hätten wir das alles nicht so schnell wuppen können", sagt Marksteiner-Hartung.

Während die Anschaffung der ausgedienten Teller-Projektoren, von denen die Betreiber noch drei Exemplare haben, ohne Dolby-Tonanlage einst mit jeweils 50 000 Mark zu Buche schlugen, kosten die acht digitalen Nachfolger pro Stück annähernd 80 000 Euro. Von nächster Woche an kommen die bewegten Bilder von der 150-Gigabyte-Festplatte - gesteuert von einem Zentralcomputer, mit dem alle Kinosäle vernetzt sind. Dieser Server schaltet sich automatisch ab, wenn die Temperatur im Projektor einen Wert von 36 Grad Celsius übersteigt. Wie Hartung weiter erklärt, darf es deshalb drum herum nicht wärmer als 27 Grad sein. Dafür sorgt eine Klimaanlage. Damit die erzeugte Kaltluft nicht aus den Vorführräumen entfleucht, mussten neue Wände gezogen werden.

Die vier als Allround-Kräfte tätigen Vorführer, darunter eine Frau, konnten sich bei einer zweitägigen Schulung schon mal mit ihrem neuen Arbeitsplatz vertraut machen. Und auch für die Kino-Besucher wird alles anders: Während bis dato Bild und Ton mit jeder Vorstellung mehr gelitten haben, gibt es bei der digitalisierten Filmkopie keinen Qualitätsverlust.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen