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Dreharbeiten in Nordfriesland : „Film ab“ für Krimi von Adler-Olsen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine dänische Produktionsfirma nutzt in Nordfriesland mehrere Drehorte: In „Erlösung“ haben auch Komparsen aus der Region ihren Auftritt.

In der Bahnhofshalle sitzt eine ältere Dame und blättert gemütlich in einer dänischen Tageszeitung. Über der gläsernen Schiebetür hinter ihr steht in großen Lettern „Udgang“. Einige Meter weiter bedienen zwei dunkel gekleidete Personen immer wieder einen Ticket-Automaten mit der Aufschrift „Biletter“. Ganz klar: eine Szene aus dem dänischen Bahnhof Husum bei Kopenhagen. Oder doch nicht? Der Blick schweift weiter und fällt auf die Anzeigetafel mit den abfahrenden Zügen: St. Peter-Ording, Niebüll und Hamburg heißen die Zielorte. Also doch Husum in Nordfriesland.

Manch ein Reisender mag sich in den vergangenen Tagen über die eindeutigen Bezüge zum nördlichen Nachbarland im Bahnhof der Kreisstadt gewundert haben. So wie eine ältere Dame, die von einem Mitarbeiter der dänischen Produktionsfirma Zentropa ebenso aufklärerisch wie freundlich gebeten wird, zu warten, „bis wir mit den Dreharbeiten fertig sind“. Was das denn hier werden soll, will sie wissen. „Ein Kinofilm“, fällt die Antwort kurz und knapp aus. Und dann heißt es auch schon wie zur Bestätigung: „Background and Action ...“.

Eine genauere Nachfrage bei Produzentin Maria Kopf ergibt, dass in Husum ein Beitrag zur „Erlösung“ geleistet wird. Die mehr als 40-köpfige Filmcrew setzt Teile des dritten Romans aus Jussi Adler-Oldsens erfolgreicher Thriller-Reihe um Carl Mørck und seinen Assistenten Assad in Szene. „Wir drehen dafür seit Anfang Mai an verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein und Hamburg“, so Kopf. Das war schon bei den Vorgänger-Streifen „Erbarmen“ und „Schändung“ der Fall.

Und warum ausgerechnet in Nordfrieslands Kreisstadt? „Das Bild des Husumer Bahnhofs stimmt mit dem Drehbuch überein“, erklärt Kopf. Deshalb habe sich der norwegische Regisseur Hans Petter Moland für diese Location entschieden. Das Problem sei allerdings, dass man bei laufendem Bahnhofsbetrieb drehen müsse, so Kopf. Eine Szene, in der die beiden Hauptdarsteller – der Norweger Jakob Oftebro und der Däne Jacob Lohmann – zum Einsatz kommen, muss denn auch sieben Mal gestellt werden, bis der Regisseur zufrieden ist.

Die hiesige Region scheint der Produktionsfirma generell zuzusagen. So fiel die Klappe unter anderem auch schon im Bahnhof von St. Peter-Ording, in der Gardinger Kirche, am Dagebüller Hafen und auf dem Flugplatz Husum-Schwesing. Außerdem wurden für den Film, der von Juli kommenden Jahres an zu sehen sein soll, auch Action-Szenen vom Helikopter aus abgedreht – auf der Marschbahn-Zugstrecke zwischen Husum und Niebüll.

Produktionsleiterin Ingrid Holzapfel organisiert die Dreharbeiten und ist für das Budget verantwortlich. „Außerdem kümmere ich mich um die Komparsen“, sagt sie. Die sind zahlreich und spielen bei den Dreharbeiten keine unwesentliche Rolle. Wie Paul Clausen aus Mildstedt. Der pensionierte Briefbote ging vor der Kamera mehrmals mit seinem blauen Koffer durch die Eingangshalle. Clausen hatte sich als Komparse beworben und bekam per E-Mail den „Marschbefehl“ – mit entsprechendem Hinweis auf den Drehort. „Das war mein erster Auftritt und ich war ganz schön nervös“, verrät er. Der Koffer war übrigens – von wegen der Realitätsnähe – keine leere Requisite. „Ich musste drei Garnituren mitbringen, die farblich nicht auffällig sein durften.“

Auch der Schleswiger Swen Höpner und Sabine Rahn aus Neumünster bekamen von der Produktionsfirma die Nachricht, als schmückendes Beiwerk dienen zu dürfen. Für die 52-Jährige war es ebenfalls der erste Auftritt. „Es sind zwar nur wenige Schritte, aber trotzdem bin ich sehr nervös“, gesteht sie schmunzelnd und schaut dabei zu ihrem Lebenspartner. „Aber ich bin doch bei dir, da kann wirklich nichts passieren“, gibt der cool zurück. Höpner kann sich diese Antwort leisten: „Zum 15. Mal stehe ich als Komparse vor der Kamera!“ So habe er mehrmals beim „Landarzt“ mitgewirkt. „Seit geraumer Zeit bin ich auch bei Dreharbeiten für den Kieler ,Tatort‘ dabei.“ Doch zur Gewohnheit ist es für ihn noch nicht geworden. „Ich finde es faszinierend, was im Hintergrund alles vor sich geht“, schwärmt der 52-Jährige. Und wenn er sich im Fernsehen wiedersehe, werde ihm manchmal schon ganz schön mulmig.

Den Komparsen wird immer wieder Spontaneität abverlangt. „Haben Sie einen Führerschein?“ Paul Clausen kann die Frage positiv beantworten und wird kurzerhand als Taxifahrer eingesetzt. Und wenn es nach ihm geht, dürfte dies nicht sein letzter Auftritt vor der Kamera gewesen sein.

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