Internet-Trend : Feuerwehren gehen baden

Einmal bitte die Nordsee voll machen: Die Feuerwehr St.  Peter-Ording hat sich eine witzige Geschichte für ihre Challenge  ausgedacht
Einmal bitte die Nordsee voll machen: Die Feuerwehr St. Peter-Ording hat sich eine witzige Geschichte für ihre Challenge ausgedacht

Etwas Witziges mit kaltem Wasser machen und das Ganze filmen. Im Internet verbreiten sich derzeit zahllose Videos von Feuerwehren, die die sogenannte Cold Water Challenge meistern. Auch in Nordfriesland.

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06. Juni 2014, 08:00 Uhr

Nordfriesland | Zwei Männer sitzen auf Liegestühlen am Strand. Erschrocken stellt plötzlich einer fest: „Du, guck mal, die Nordsee ist weg.“ Die Badewilligen rufen unverzüglich die Feuerwehr, mit folgender Anfrage: „Könnt ihr den Bach mal wieder voll machen?“ Sofort rückt die Truppe aus. Mit Blaulicht geht es zum Strand, Schläuche werden ausgerollt, dann heißt es „Wasser marsch“. Diese Szenen sind Teil eines Internet-Videos der Freiwilligen Feuerwehr St. Peter-Ording. Der Grund für das amüsante Filmchen: Sie wurde von einer anderen Feuerwehr für die sogenannte Cold Water Challenge 2014 nominiert – und auch andere Wehren und Rettungsdienste in Nordfriesland wagen sich in diesen Tagen auf lustige und skurrile Art und Weise ins kalte Nass.

Nach der Bier-Nominierung – bei der man einen halben Liter Bier auf ex trinken musste – ist dieser virtuelle Kettenbrief der neueste Internet-Hype. Das Video-Portal Youtube ist mittlerweile überflutet von Filmen aus ganz Deutschland. Nun ist der Trend auch in Norddeutschland angekommen. Das Prinzip: Es gilt irgendetwas Witziges mit kaltem Wasser anzustellen und die Aktion per Video festzuhalten. Dann ist die Cold Water Challenge bestanden und es können drei andere Wehren nominiert werden. Innerhalb von 48 Stunden müssen diese wiederum die Challenge meistern – gelingt das nicht, muss der Herausforderer zum Grillen eingeladen werden.

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Und so kommen täglich neue kreative Videos hinzu. Die Freiwillige Feuerwehr Tating erzählt in ihrem Clip etwa die Geschichte von vier jungen Feuerwehrmännern, die einen Übungsabend in Knotenkunde schwänzen und lieber Stockbrot am Deich essen. Die Sache fliegt auf, weil ihre Kameraden aufgrund „starker Rauchentwicklung am Deich“ ausrücken müssen. Die Schwänzer geraten frontal ins Löschwasser.

Auch andere Hilfsorganisationen machen den Spaß mit. Mit einer Polonaise zieht etwa das Technisches Hilfswerk (THW) Niebüll über einen hölzernen Steg – in voller Montur spring ein Mitglied nach dem anderem in den See. Der Herausforderung stellten sich unter anderen auch die Ladelunder Feuerwehr sowie die Sylter Wehren aus Westerland, Rantum, Hörnum und Tinnum. Die Westerländer stürzten sich dabei unerschrocken in die Fluten der Nordsee. Einen kleineren Pool hätten sie nicht gefunden, heißt es im Video.

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Quietscheentchen, ein Gummi-Delfin, Schwimmringe und – aus unerfindlichen Gründen – ein Scheich. Die Bredstedter Kameraden haben sich extra kreativ kostümiert, bevor sie das kalte Wasser aus einem ihrer Feuerwehr–Schläuche geduldig über sich niederregnen lassen. Sie nominierten unter anderen die Wehren aus Struckum und Bordelum.

Während die Struckumer direkt mit einer Einladung zum Grillen reagierten, akzeptierten die Bordelumer die Challenge. „Es ist eine witzige Sache und zudem eine gute Möglichkeit, Werbung für die Feuerwehr zu machen“, sagt Gemeindewehrführer Dirk Paulsen. Wichtig sei nur, dass niemand zu Schaden komme.

Und dann deckte unsere Zeitung noch einen Skandal auf: In einem Nebensatz offenbarte der Wehrführer, dass das Schwimmbad, in das er und seine Kameraden sich haben fallen lassen, beheizt sei. Ob die Bredstedter Herausforderer Paulsens Definition von kalt – „kälter als Körpertemperatur“ – durchgehen lassen?

Unterdessen hat sich der Landesfeuerwehrverband mit den Kreis- und Stadtwehrführern und den Leitern der Berufsfeuerwehren am Mittwoch deutlich gegen die Aktionen ausgesprochen. „Wenn Feuerwehrangehörige zu Spaßaktionen mit Sonderrechten ausrücken und sich mit Strahlrohren gegenseitig bespritzen, werden unzulässige Gefährdungen für Feuerwehrangehörige und Außenstehende erzeugt“, heißt es in einer Stellungnahme. Zudem handele es sich um eine Zweckentfremdung von kommunalem Einsatzgerät und Schutzkleidung. Ein Versicherungsschutz bestehe nicht.

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