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Biikebrennen : Feuer und Flamme für eine Tradition

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kulturpflege zwischen geselliger Runde und Volksfest: Entlang der nordfriesischen Küste brennen wieder bis zu 60 Biiken.

Bodenständigkeit und Toleranz, kulturelle und sprachliche Vielfalt – diese Werte verbindet Schleswig-Holsteins Minister Torsten Albig mit Nordfriesland. Und als Verfechter eines gesellschaftlichen Miteinanders, bei dem sich Mehr- und Minderheiten auf Augenhöhe begegnen, kommt er immer wieder gern an die Westküste. Und in einem Super-Wahljahr wie 2017 sicherlich sogar noch ein bisschen lieber als sonst. Am Dienstag (21. Februar) wird der 53-jährige Regierungschef die traditionelle Biikerede in Husum halten.

Torsten Albig spricht auf Einladung der örtlichen Feuerwehr, die das Biikebrennen am Dockkoog ab 18 Uhr veranstaltet – mit Park-and-ride-Service vom Binnenhafen. Eines seiner Themen wird das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen in Nordfriesland und in der Grenzregion sein, das beispielgebend in Europa ist und für das die Biike als „immaterielles Kulturerbe“ der deutschen Unesco-Kommission sinnbildlich steht.

Das Biikebrennen, der älteste nordfriesische Brauch, wird sich auch in diesem Jahr wieder in seiner ganzen Vielfalt präsentieren. Zwischen 50 und 60 Feuerzeichen werden voraussichtlich in entlang der nordfriesischen Küste entzündet. Umfeld und Ambiente reichen dabei wiederum von massentauglich bis beschaulich: Menschenmassen auf Sylt, Volksfeste auf Föhr oder Amrum und gesellige Runden auf den Halligen und in kleinen Dörfern. Selbst bei schlechtem Wetter kommen erfahrungsgemäß Tausende Menschen von nah und fern zusammen, wenn die traditionellen friesischen Feuerzeichen entzündet werden. Dann harren allerdings nur Hartgesottene lange bei Wind und Wetter oder wärmendem Grog aus, während viele andere zum traditionellen Grünkohlessen in zahllosen Gastwirtschaften einkehren.

In ihrer modernen Form mit festem Termin am 21. Februar hat sich die Biike seit dem 19. Jahrhundert zunächst von Sylt aus über die anderen Inseln und Halligen und in den vergangenen Jahrzehnten auch auf dem nordfriesischen Festland verbreitet. Der Feuer-Brauch geht nach Angaben des Nordfriisk Instituut in Bredstedt ursprünglich auf einen Fackeltanz zurück, der zur Fastnacht getanzt wurde. Dementsprechend wanderte der Tag des Festes durch den Kalender.

Heute ist zuweilen auch vom „friesischen Nationalfest“ die Rede. Und natürlich hat die Biike für engagierte Friesen nach wie vor eine besondere Bedeutung. Dabei ist das Biikebrennen in Nordfriesland Jahr für Jahr Anlass zu Geselligkeit, zum Innehalten sowie zu kritischen Anmerkungen zu gesellschaftlichen und politischen (Fehl)Entwicklungen. Das zeichnet alle Feuer-Reden aus, gleich ob bei eher dörflichen Feiern oder dem ersten touristischen Höhepunkt im Jahresverlauf auf Sylt.

Während die Touristiker der Nachbarinsel Föhr mit 14 Biikefeuern – „so viele wie auf keiner anderen nordfriesischen Nordseeinsel“ – werben, läutet St. Peter-Ording am Vorabend des Petritages ab 18.30 Uhr auf der Erlebnis-Promenade „des Winters flackerndes Finale“ ein.

Und das Multimar Wattforum in Tönning lädt zur „Langen Nacht der Biike“ mit Grünkohl ein. Die Türen des Nationalpark-Zentrums stehen dann ab 17 Uhr für den kostenfreien Besuch der großen Ausstellung über „Wale, Watt und Weltnaturerbe“ offen. Um 17.30 Uhr geht es im Fackelzug zum 500 Meter entfernt liegenden Biikeplatz am Hafen.

Auf Tradition und Theater setzen dagegen die örtlichen Risum-Lindholmer Vereine: In der Friesisch-Hochburg wird um 19 Uhr in Lindholm am Üülje Browäi das Biikefeuer von einer Delegation von Frisia Historica entfacht, bevor Florian Lorenzen, Vorsitzender des Kreis-Finanz- und Bauausschusses, die Biikerede hält. Im Anschluss präsentiert der Rökefloose in der Gaststätte Fraschlönj mit „E wäär wjard amt teelelönj“ friesisches Märchentheater. Schon am Vormittag feiern Schul- und Kindergartenkinder aus der Region von 9 bis 12 Uhr ihre „Bjarnebiike“.

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