Husumer Hafentage : Feucht, fröhlich und friedlich

Es war ein Fest für  Groß und Klein.
Es war ein Fest für Groß und Klein.

Die 30. Husumer Hafentage sind Geschichte – und sie werden als eines der verregnetsten Volksfeste in die Annalen der nordfriesischen Kreisstadt eingehen.

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16. August 2011, 09:34 Uhr

Husum | Wer gehörte in diesem Jahr zu den treuesten Besuchern der Hafentage? Die Regentrude. Theodor Storms Märchenfigur drückte mit ihrem Stehvermögen der 30. Auflage des größten Volksfestes an der schleswig-holsteinischen Westküste ihren nassen Stempel auf. Immerhin nahm sich die Dame am Freitag und Sonnabend weitgehend eine Verschnaufpause. Zum Glück focht das Publikum die Umtriebigkeit der Expertin für penetrante Niederschläge nicht wirklich an. "Ein großes Lob an die Fan-Gemeinde", gaben die drei von der Hafen Event GmbH - Peter Cohrs, Karl-Heinz Häuber und Wilfried Bossen - denn auch beim gestrigen Bilanz-Pressegespräch an das feiernde Volk weiter. "Es war toll zu sehen, wie trotz des schlechten Wetters vor den Bühnen getanzt wurde", freute sich Cohrs. Die Stimmung sei einfach klasse gewesen. Besonders am Freitagabend und am Sonnabend, "als man das Gefühl hatte, dass ganz Schleswig-Holstein in der Stadt war".
Ein weiteres Indiz für den Wohlfühl-Faktor, der zu den Hafentagen gehörte: Bis Redaktionsschluss verzeichnete die Polizei nicht eine einzige Schlägerei, ging die Bunte Meile als Randale-freie Zone durch. Lediglich ein minderjähriges Mädchen hatte eine Ausnüchterung nötig. "Kaum Beschwerden" - so lautete auch das Fazit, das Bossen in seiner Eigenschaft als Lärmschutzbeauftragter zog. Teilweise freute er sich sogar über das Gegenteil: "Im gelben Haus vor der Repower-Bühne wurde während eines Konzertes komplett die oberste Fensterreihe aufgemacht." Dafür bedankte sich Bossen bei den Bewohnern spontan mit einem Schnaps. "Wir haben tolle Husumer - die verstehen unser Fest und machen es zu dem, was es ist", sagte Cohrs und sprach speziell den Anliegern ein dickes Lob aus: "Die haben hervorragend mitgemacht." In den Harmonie-Rundumschlag bezogen die Organisatoren auch das Ordnungsamt, das Hafenamt und die Interessengemeinschaft Husumer Hafen ein: "Mit allen hat sich eine verständnisvolle, gute Zusammenarbeit entwickelt", so Häuber.

Trotz Sintflut kamen viele Besucher zum größten Volksfest an der Westküste
Das gestern zu Ende gegangene maritime Spektakel war reich an Höhepunkten. Angefangen von dem eindrucksvollen Familien-Ereignis im Rahmen der "Puzzle-Championship Städte-Tour", bei dem sich Husum auf den zweiten Platz puzzelte (wir berichteten), über den C.-J.-Schmidt-Hafentagelauf, der mit weit mehr als 500 Teilnehmern einen neuen Rekord verzeichnete, bis hin zum Musik-Programm. Als absolute Abräumer entpuppten sich dabei erwartungsgemäß Illegal 2001 und United Four (wir berichteten) sowie Pink Trouble. "Ich habe noch nie so viele junge Leute vor der Bühne gesehen", staunte Cohrs über die Resonanz auf letztgenanntes Konzert. Und dann war da noch der viel umjubelte Auftritt der Münchener Zwietracht, die es fast viereinhalb Stunden lang verstand, die Stimmung am Siedepunkt zu halten - auch per interaktivem Dialog. "Super Publikum", bedankte sich Band-Mitglied Wolfgang Köbele per SMS später bei Meilen-Manager Bossen.
Die Gute-Laune-Liste ließe sich beliebig fortsetzen. "Beim Nospa-Kinderland auf dem Marktplatz kam uns das Wetter, das nicht gerade an den Strand einlud, sogar entgegen", bemerkte Cohrs. "Der Ansturm der Familien war so groß, dass die Bastel-Utensilien, die eigentlich für drei Tage reichen sollten, bereits am ersten Abend aufgebraucht waren." Die Einbindung von Vereinen und Organisationen aus der Stadt und dem Umland in das "Fest von Nordfriesen für Nordfriesen und Gäste" entwickele sich immer besser: "Wir hatten so viele Anfragen wie nie - und niemand musste abgewiesen werden." Sehr zu begrüßen sei auch, dass wieder sechs Kutter zum Korso ausgelaufen seien.
Apropos Außenhafen: Das Tauziehen (siehe Bericht auf dieser Seite) war einmal mehr ein echter Hingucker, lockte rund 2000 Schaulustige an. Dem einen oder anderen von ihnen blieb da nicht verborgen, dass eines der sieben Teams das mit dem "Breit-aufgestellt-sein" wohl nicht ganz richtig verstanden hatte. Um Promille-Pullern künftig das in diesem Zustand nicht ganz ungefährliche Bad in der Menge und im Hafenbecken zu ersparen, wird für 2012 die Einführung von Alkohol-Kontrollen erwogen. Wie das Tauziehen, so soll auch das "Open Ship" (siehe Seite 10) traditioneller Bestandteil der fünf tollen Tage werden - um die wirtschaftliche Bedeutung des Husumer Hafens mit seinen mehr als 600 Arbeitsplätzen zu unterstreichen. Der Start ist allerdings ausbaufähig: Leider konnten gestern nur die "Ilka" und die "Norderhever" besichtigt werden. Das war höhere Gewalt: Die "Sylt" der Wasserschutzpolizei musste wegen eines defekten Tanks in die Werft und das Vermessungsschiff "Capella" zu einem kurzfristigen Einsatz auslaufen.
(lap, shz)

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