Blues-, Rock- und Country-Musik : Festival auf dem platten Land

Der amerikanische Gitarrist Billy Walton (rechts) in Aktion.
Der amerikanische Gitarrist Billy Walton (rechts) in Aktion.

Ein Bäckermeister aus Joldelund holte Gitarren-Virtuosen aus Australien und Amerika in seine Heimatgemeinde. Auf der Bühne der Dorfkneipe rissen die Musiker, die sonst auf großen Bühnen der Welt stehen, das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

shz.de von
19. November 2013, 07:00 Uhr

Für ihn spielen die weltbesten Musiker in seinem Heimatdorf Joldelund: Zum zweiten Mal holte der Rock- und Blues-begeisterte Bäckermeister Gerd Lorenzen das „Guitar Heroes Festival“ in den Dörpskrog. Als eines der wenigen Lokalitäten in der Region verfügt es noch über eine Bühne. Dort, wo sonst eher plattdeutsches Theater zuhause ist und die Musicals der Grundschule starten, gaben sich Gitarren-Legenden und -Meister in Sachen Musik die Klinke in die Hand.

Keine geringeren als die Ausnahme-Gitarristen Gwyn Ashton aus Australien und der Amerikaner Billy Walton rockten mit ihren Bands den Saal. Beide standen schon mit großen Stars auf der Bühne oder im Studio. Die Gäste – Jung und Alt – kamen voll auf ihre Kosten. Schon zu Beginn heizte die relativ junge Formation „The Baltic Blues Connection“, bestehend aus versierten Musikern mit bis zu drei Jahrzehnten Bühnenerfahrung, die Stimmung an. Ihre Jump-Blues im Stil der späten 1950-er Jahre oder Interpretationen von Ray-Charles-Titeln ließen aufhorchen. Unterlegt mit einem satten Bläsersound berührten sie. Die sympathische Sängerin Irene Obermöller glänzte mit ihrer ungewöhnlichen Stimme und ihren zu Herzen gehenden Soli.

Was danach kam, kommentierten viele Gäste mit den Worten „der Wahnsinn“. Billy Walton zog mit seiner Truppe – dabei einmal mehr Bläser – alle Register. Deutlich war zu spüren, dass er schon mit Southside Johnny oder Little Steven, jenen großen Musikern aus New Jersey, gespielt hatte. Bruce Springsteen und Jon Bon Jovi ließen grüßen. Nicht selten werden sie in Zusammenhang mit ihm gebracht. Mitreißend war der Auftritt des australischen Gitarristen Gwyn Ashton, oft bezeichnet als australische „Blues-Explosion“. Er zeigte seine Country-, Blues- und Rockseite und die außergewöhnlichen Fähigkeiten an der Slide-Gitarre. Beeindruckende Interpretationen rissen das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Mit seiner Band zelebrierte er rauen Streetblues mit swingenden Groove – und das erinnerte ein wenig an Rory Gallagher. Mittendrin im Geschehen war der Organisator. Er strahlte und mischte mit den Tanzwütigen mit. Die drückten meditativ oder explosiv ihre Lebensfreude aus. „Wenn ich in die Gesichter der Menschen sehe, die einfach Spaß haben und sich mit mir freuen, bin ich dankbar. Dann hat sich auch der Aufwand gelohnt“, so Gerd Lorenzen. Wer dachte, dass es eine weitere Steigerung nicht mehr geben könnte, der hatte geirrt. Richtig zur Sache ging es noch einmal am Ende, als die Musiker sich zu einer spontanen Session zusammenfanden. In geballter Form gaben sie mit sichtlich viel Spaß alles. „Das ist der Hammer, was die Gitarristen da noch rausholen, genial“, kommentierte Derryl Gwyhter, selbst Bassmann in zwei Bands. „Das ist total verrückt, dass solche Weltstars nach Joldelund kommen“, meinte die Flensburgerin Jutta Friedrich. „Das hat mir Spaß gemacht auf der kleinen Bühne zu spielen. Das Publikum war toll und der Kontakt sehr eng“, so empfand es Gwyn Ashton.

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