zur Navigation springen

Große Klosterrechnung : Feste Rituale einer honorigen Runde

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Große Klosterrechnung im Husumer Gasthaus zum Ritter St. Jürgen: Pastor i. R. Kurt Puls wurde zum neuen Vorsteher gewählt und Speisemeister Rainer Maaß berichtet von seiner Arbeit.

Das  nennt man Tradition: Ein Spalier bildhübscher „Hexen“ bei seiner Amtseinführung durchschreitend, bekam der neue Klostervorsteher, Pastor i.R. Kurt Puls, Kamm und Spiegel entgegengehalten, seine Frau jedoch nicht. Er richtete sein Haar und stellte sich dann der honorigen Runde der Gasthausversammlung. Zuvor war er  zusammen mit seiner Ehefrau Dorothea feierlich von Zuhause abgeholt worden.  Puls ist nun einer der vier Klostervorsteher, die  jeweils für acht Jahre gewählt werden. Ein Brief des Bürgermeisters – überbracht durch Boten – hatte ihn zuvor  über den Wahlentscheid informiert.

Die Wahl des neuen Klostervorsteher-Ehepaares war nur einer der Punkte, um die es am Montag (16. Februar) bei der alle zwei Jahre stattfindenden Großen  Klosterrechnung des Gasthauses Ritter St. Jürgen – im Volksmund  „Kloster“ genannt – ging. Zu diesem Anlass hatten sich Klostervorstand, Speisemeister und Mitglieder der „Weiteren Gasthausversammlung“, der auch Bürgermeister und Bürgervorsteher angehören, in großer Runde getroffen. In dem Gremium sind außerdem unter anderem der  Propst und Klosterpastor sowie zwei Klosterinspektoren und vier Klostervorsteher  nebst Klosterarchivar und die Senatoren – die Mitglieder des Hauptausschusses – vertreten. Danach kam der Klostervorstand seiner Aufgabe nach,  Rechenschaft über das abgelaufene Kalenderjahr abzulegen und einen Ausblick auf den Haushalt des kommenden Jahres zu geben.

Ein kurzer Blick in die Historie zeigt, dass das Gasthaus im 15. Jahrhundert ursprünglich als Armen- und Siechenhaus gegründet wurde und  in seiner Ordnung aus dem Jahre 1527 vorschrieb, „dass nur jemand aufgenommen werden kann, der entweder in Husum geboren wurde oder zumindest 15 Jahre in der Stadt gelebt hat“, so der derzeitige Speisemeister, Ex-Bürgermeister Rainer Maaß. Das Traditions-Haus sei eine Stiftung des Öffentlichen Rechts und  ein zeitgemäß und  modern geleitetes Seniorenwohnheim für 38 Bewohner, auch Präbendare genannt, davon 33 Seniorinnen und fünf Senioren. Für deren Wohl sind die vier ehrenamtlich tätigen  Klostervorsteher-Ehepaare verantwortlich,  von denen  jeweils ein Paar die Aufgabe als Speisemeister-Ehepaar für den Zeitraum von zwei Jahren übernimmt.

 Nach dem Motto „Altes  bewahren und Neuem zugewandt sein“ kümmert sich seit Jahresbeginn das Speisemeister-Ehepaar Rainer und Eva Maaß um die Belange der Einrichtung. Dabei wird  ihnen ein hohes Maß an Engagement und vor allem  Zeitaufwand abverlangt. „Wir wussten, was auf uns zukommt, denn wir konnten in den Lehrjahren unseren Vorgängern Peter und Frauke Eggers immer über die Schulter schauen und dabei wertvolle Tipps für die Bewirtschaftung des Hauses  erhalten“, so Eva Maaß. „Ein wichtiger Tätigkeitsbereich ist dabei die Verwaltung des nicht unbeträchtlichen Grundvermögens des Klosters mit Pachteinnahmen der Ländereien auf  Eiderstedt, Einnahmen aus Erbpacht und so weiter“, ergänzt Rainer Maaß.

Als Oase der Ruhe und Beschaulichkeit an verkehrsreicher Straße gelegen, wirkt der  trutzige Backsteinbau wie ein großer Schutzraum. „Das ist für ältere Menschen wichtig und bietet ihnen die Möglichkeit des Rückzugs. Sie haben es verdient,  sich nach all den Jahren der Pflichterfüllung in  Beruf und Familie  beschützt und geborgen zu fühlen“, so Maaß weiter. „Meine Frau und ich wollen alles dafür tun, dass sich unsere Präbendare wohlfühlen und im Haus eine herzliche und entspannte Atmosphäre herrscht.“  Außerdem würden sie  es als ihre Pflicht ansehen, für die Bewohner da zu sein und stets ein offenes Ohr für deren Sorgen und Nöte zu haben.   „Die Ärzte in Husum staunen immer wieder, wie gesund unsere  Bewohner sind“,  ergänzt Alt-Speisemeister Peter Eggers. Und bekennt:  „Die vergangenen beiden Jahre waren eine große Bereicherung für meine Frau und mich.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen