Kein Geld für Leitungsnetz : Fernheizung vor dem Aus

Bürgermeister Rainer Rahn, Robert Sievers, Bernd Boysen und der neue Vize-Gemeinde-Chef Harry Dirks (v. l.).
Bürgermeister Rainer Rahn, Robert Sievers, Bernd Boysen und der neue Vize-Gemeinde-Chef Harry Dirks (v. l.).

Das Vorhaben, in Norderstapel eine Nahwärmeversorgung aufzubauen, ist gescheitert. Zu wenig Bürger wollen bislang mitmachen. Die Gemeinde sollte einspringen, doch die hat kein Geld für den Bau eines Leitungsnetzes.

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12. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Drei Themen beherrschten die Diskussion der Gemeindevertreter von Norderstapel in Sievers Gasthof: Abwasser, Nahwärme und der Haushalt für das Jahr 2015. Der stellt sich zumindest in der Planung als so ausgeglichen dar, dass die Hoffnung besteht, Geld in die Rücklage für die Sanierung der Abwasseranlage stecken zu können, denn in einem ersten Schritt müssen rund 300.000 Euro investiert werden. Bis 2020 prognostizierte Bürgermeister Rainer Rahn rund 1,7 Millionen Euro für weitere Ausbau- und Sanierungsarbeiten in diesem Bereich. Damit bei diesen Aufgaben auch künftig die Gemeinde noch handlungsfähig bleibt, werden die Grundsteuern A und B auf 320 Prozent und die Gewerbesteuer auf 350 Prozent angehoben. Rahn gab sich optimistisch, dass der Abwasserpreis von 2,06 Euro je Kubikmeter vorläufig gehalten werden kann.

Weniger optimistisch in die Zukunft kann die Genossenschaft in Gründung für die Nahwärmeversorgung sehen. Bei den ersten Planungen hätten 30 Anschlüsse gereicht, doch nach den Änderungen der Energieeinspeise-Verordnung mussten es schon 40 sein. Diese Zahl wurde in den vergangenen drei Jahren nicht erreicht. 17 sollten im Bereich des alten Dorfkerns in einem ersten Bauabschnitt ans Netz gehen. Nur das Geld zum Ausbau war nicht kostengünstig zu beschaffen und so verfiel man seitens der Genossenschaft auf die Idee, dass die Gemeinde einspringen soll, die Genossenschaft selbst dann als Pächter auftritt. Der erste Bauabschnitt würde rund eine Million Euro kosten. Um die notwendigen Zuschüsse erhalten zu können, fordert das zuständige Ministerium aber eine Machbarkeitsstudie, die rund 100.000 Euro kostet. Zwar gibt es dafür 90 Prozent Zuschuss, aber 10.000 Euro hätte die Gemeinde tragen müssen. Die Gemeindevertreter begrüßen das Vorhaben, sahen sich aber angesichts des Haushalts nicht in der Lage, einer Kostenübernahme zu zu stimmen. „Wir haben mit dem Abwasseranlagen-Problem genug zu kämpfen in den nächsten Jahren und können uns einen weiteren Schauplatz nicht leisten“, so Rahn.

Genossenschaftsvorstands-Mitglied Hinrich Kracht sieht jetzt keine Chance mehr, die Genossenschaft in Gründung weiter fort zu führen. „Kurz vor oder nach Weihnachten wird es zur Auflösung kommen“, so Kracht auf Nachfrage.

Zwei Nachfolger für ausgeschiedene Gremiums-Mitglieder verpflichtete Rahn: Bernd Boysen und Robert Sievers von der Allgemeinen Wähler Gemeinschaft Norderstapel folgen Stefan Schimmer und Gerhard Bahr nach, die aus persönlichen Gründen ausgeschieden sind. Dadurch kam es auch bei der Besetzung von Ausschüssen zur Neuverteilung von Posten und Harry Dirks wurde neuer Vize-Bürgermeister.

Ausführlich referierte Dirks zur Erlaubnis an eine kanadische Firma zu Untersuchungen im Bereich des Ostroher Moors. Dort sollen die Möglichkeiten zum Fracking ausgelotet werden. Zu dem Bereich gehört auch Stapelholm mit Ausnahme von Wohlde. Rahn ließ sich das Mandat zur Interessenvertretung der Gemeinde in der Solidargemeinschaft Ostroher Moor erteilen. Das Gremium war von der vom Bergbauamt Clausthal-Zellerfeld erteilten Genehmigung nicht erfreut, musste aber zur Kenntnis nehmen, dass das Grundnahrungsmittel Wasser nicht durch das Bergrecht als Bodenschatz geschützt wird.

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