Betrug an Senioren : Fast um 5000 Euro geprellt

Die Betrüger verlangen Überweisungen über hohe Summen, bevor der angebliche Gewinn ausgezahlt wird.
Die Betrüger verlangen Überweisungen über hohe Summen, bevor der angebliche Gewinn ausgezahlt wird.

Hohe „Bearbeitungsgebühr“ für angebliche Gewinne: Betrüger nehmen verstärkt ältere Husumer ins Visier.

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05. Juli 2018, 15:26 Uhr

Der Mitarbeiter der Nord-Ostsee-Sparkasse passte gut auf: „Diese Überweisung wollen sie bestimmt nicht tätigen“, sagte er der 86-jährigen Kundin, die 2990 Euro von ihrem Konto transferieren wollte – als Bearbeitungsgebühr für einen angeblichen 150.000-Euro-Gewinn, über den sie per Anruf informiert worden war. „Ein Rechtsanwaltsbüro – und das muss doch stimmen, die waren so nett am Telefon!“

Enttäuscht und ärgerlich verließ die Seniorin die Filiale unverrichteter Dinge – Glauben hatte sie dem Hinweis des Bankers, nämlich dass sie gerade einer Betrugsmasche auf den Leim ging, wohl nicht geschenkt. Denn schon zwei Tage später stand sie wieder am Schalter. Jetzt sollten es sogar 4970 Euro sein, die sie bar abheben wollte, um sie per Western Union nach Kirgistan zu schicken. Wieder war der Nospa-Mitarbeiter auf Draht. Er informierte einen Verwandten der Seniorin, und der brachte sie schnurstracks zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.

„Das ist eine Masche, die wir derzeit ständig haben“, sagt Sven Knies, der Leiter der Kriminalpolizei in Husum. „Die meisten allerdings erkennen den Betrugsversuch und rufen gar nicht erst bei uns an. Wir gehen da von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.“ Zum Glück käme es auch relativ selten zu Schädigungen. Wie jenen im eingangs geschilderten Fall und einem weiteren, der jüngst angezeigt wurde: Denn die Betrogenen wurden jeweils aufgefordert, zwei Amazon-Gutscheinkarten zu je 100 Euro zu kaufen und deren Seriennummern freizurubbeln, um diese als „Gewinnzahlen“ zu übermitteln. Das Freirubbeln macht die Karten jedoch wertlos. „Glücklicherweise ist auch im zweiten Fall die Bank aufmerksam geworden und hat auf die Betrugsmasche hingewiesen, sonst wäre der Schaden viel größer gewesen. Auch hier sollte eine hohe Summe als Gebühr für die Gewinnauszahlung ins Ausland transferiert werden. Die Dame ist daraufhin zu uns gekommen und hat Anzeige erstattet.“ Dieselbe Masche sei noch in drei weiteren Fällen bekannt geworden. „Hier ist der Betrug aber im Versuchsstadium erkannt und angezeigt worden, ohne dass es zu Schädigungen kam.“

Der Kripo-Chef bittet die Bürger um gesundes Misstrauen – und darum, bei Verdachtsfällen rechtzeitig die Polizei einzuschalten. Auch die Banken sind alarmiert: „Das häuft sich – und wir machen uns Sorgen um unsere Kundschaft“, sagt Jan Otzen, Regionaldirektor der Nospa in Husum.

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