18. Meisterkurs der Liedgestaltung in Husum : Farbenreiche Liedvorträge im Schloss vor Husum

In Begleitung von Hedayet Djeddikar singt Feride Büyükdenktas.Sie sind die Vorjahressieger.
In Begleitung von Hedayet Djeddikar singt Feride Büyükdenktas.Sie sind die Vorjahressieger.

Beeindruckendes Konzert zur Eröffnung des 18. Meisterkurses in Husum mit den Preisträgern aus dem Vorjahr.

shz.de von
25. Juli 2018, 10:00 Uhr

Husum | Das Kunstlied gehört eher zu den Orchideen im Musikbetrieb. Der in Husum aufgewachsene Bassbariton Ulf Bästlein und der britische Pianist Charles Spencer haben es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, diese seltene Pflanze zu hegen und zu pflegen.

Bereits zum 18. Mal unterrichten die renommierten Künstler in dem von ihnen initiierten Meisterkurs für Liedgestaltung junge Sänger und Pianisten aus Europa, Amerika und Asien im Schloss vor Husum in der Interpretation des „Deutschen Liedes“. Viele Absolventen konnten sich mittlerweile international einen Namen machen und haben so den Husumer Liedkurs weithin bekannt gemacht, so der stolze Spiritus rector Ulf Bästlein, der für sein langjähriges Engagement im Oktober den Hans-Momsen-Preis 2018 erhält – die höchste Auszeichnung, die der Kreis Nordfriesland zu vergeben hat.

Im traditionellen Eröffnungskonzert im Rittersaal des Schlosses entführten die Künstler das Publikum in die Gefühlswelten romantischer Liedvertonungen von Brahms und Bruckner sowie unbekannter Komponisten wie Martin Plüddemann und Gustav Jenner. Liebe und Glück, ironische Sentimentalität, tiefe Empfindung und Wehmut sind in den vertonten Gedichten bunt gemischt. Samt und sonders musikalische Kleinode, in denen sich innig-romantischer Herzschmerz mit dem gigantischen Intellekt der Komponisten vermischt.

Im Mittelpunkt des Konzerts stand aber eine Rarität aus der umfangreichen Schatzkiste Bästleins: in Vergessenheit geratene Werke des einzigen Brahms-Schülers Gustav Jenner nach Gedichten von Klaus Groth. Der Dithmarscher Heimatdichter hatte sich schon früh für den jungen, 1865 in Keitum auf Sylt geborenen, hochbegabten Musiker eingesetzt, erläuterte die Autorin Susanne Bienwald mit eigens zu diesem Abend verfassten Texten. Auch Theodor Storm hatte sich bereits 1884 beeindruckt über den jungen Musiker geäußert, der ein gern gesehener Gast in seinem Hanerauer Alterswohnsitz wurde. Groth arrangierte geschickt ein Treffen zwischen Jenner und Johannes Brahms und sammelte Geld, um dem jungen Komponisten das Studium bei seinem Freund in Wien zu ermöglichen. Später wurde Jenner auf Empfehlung von Brahms und Groth zum Universitätsmusikdirektor in Marburg ernannt, wo bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1920 zahlreiche Kompositionen entstanden, darunter über 150 Lieder, diverse Chorwerke sowie Instrumentalwerke für verschiedene Besetzungen.

Mit seinem Opus 2, acht Vertonungen von Gedichten Klaus Groths, gewährten Ulf Bästlein und Charles Spencer einen Einblick in das kompositorische Werk Jenners. Die Lieder zeichnen sich durch einen ungewöhnlich melodischen wie harmonischen Reichtum aus. Zwar lassen sie den Brahmsschen Einfluss erkennen, beeindrucken aber durch eine eigenständige musikalische Sprache. Schnell wurde deutlich, zu welch’ wunderbaren Kompositionen Klaus Groths Lyrik Jenner inspiriert haben. Um dessen Schaffen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, versprach Bästlein, sich anlässlich des 200. Geburtstages Klaus Groths im nächsten Jahr und zum 100. Todestag von Gustav Jenner im Jahr 2020 mit weiteren Projekten dem Werk des Sylter Komponisten verstärkt zu widmen.

Unterstützt von den letztjährigen Gewinnern des Nordfriesischen Liedpreises, der türkischen Mezzosopranistin Feride Büyükdenktas und ihrem Klavierpartner Hedayet Djeddikar, spannte das Duo Bästlein/Spencer im zweiten Teil noch einmal den musikalischen Bogen über alle menschlichen Gefühlsbereiche. Die in den interpretierten Liedern gespiegelten sehnsuchtsvollen Stimmungsbilder von unerfüllter Liebe und träumerischer Gedanken brachten die vier Künstler ausdrucksstark, farbenreich und leidenschaftlich zur Entfaltung.

Der aktuelle Jahrgang wird öffentlich unterrichtet – bis Freitag, jeweils ab 10 Uhr. Tageskarten für Besucher gibt es an der Museumskasse und im Büro der Kreismusikschule.

Das Abschlusskonzert der Kursteilnehmer mit der Verleihung mehrerer Preise, auch des Publikums, findet am Sonnabend, 1. August, ab 18 Uhr im Rittersaal. des Schlosses statt. Karten gibt es im Vorverkauf in der Schlossbuchhandlung, Telefon 04841-89214, sowie an der Abendkasse.

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