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Nationalpark-Symposium in Tönning : Familientreffen der Naturschützer

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Zukunft des Nationalparks Wattenmeer stand im Mittelpunkt eines Symposiums mit rund 200 Teilnehmern im Multimar Wattforum in Tönning.

Der gestrige Tag war ein besonderer: Das Multimar Wattforum in Tönning blieb für den Publikumsverkehr geschlossen. Normalerweise ist dies nur am Heiligen Abend der Fall. Gestern war das Infozentrum jedoch Veranstaltungsort eines Nationalpark-Symposiums – und zugleich für die Abschiedsparty von Bernd Scherer, dem früheren Leiter des Nationalparkamtes.

Wie soll sich der Nationalpark entwickeln? Robert Habeck hatte zusammen mit der Nationalparkverwaltung zu diesem Thema hochrangige Experten ins Multimar Wattforum eingeladen. Die Organisation der Veranstaltung legte der Umweltminister in die Hände von Bernd Scherer, der 2002 nach seiner Tätigkeit als Leiter des Nationalparkamtes ins Kieler Umweltministerium wechselte und gestern in den Ruhestand verabschiedet wurde. Rund 200 Teilnehmer und Gäste, darunter die ehemaligen Umweltminister Edda Möller, Rainder Steenblock und Berndt Heydemann, hieß der jetzige Amts-Chef Detlef Hansen willkommen.

Minister Habeck ließ in seiner Einführung eine ganze Schar Lyriker und Philosophen aufleben, als es darum ging , den Nationalpark sowie das Weltnaturerbe in Einklang mit dem Begriff Heimat zu bringen. Er rief blickte auf die Anfänge der Nationalpark-Diskussionen mit brennenden Strohpuppen und negativer Stimmung an der Westküste Schleswig-Holsteins zurück und zeigte sich mehr als erfreut, dass die Stimmung seit der Gründung des Nationalparks 1985 mittlerweile in überbordernde Zustimmung umgeschlagen sei.

Als „Familientreffen“ bezeichnete Jochen Flasbarth das Symposium, das mit einem Gottesdienst unter Federführung von Pastorin Gisela Mester-Römmer und Beteiligung von Bischof Gothard Magaard begann. Flasbath, mittlerweile Staatssekretär im Bundesumweltministerium, leistete als junger Mann seinen Zivildienst als Vogelwärter auf Scharhörn und hat deshalb ein besonderes Verhältnis zum Weltnaturerbe Wattenmeer. Flasbarth wies auf das im Bundesnaturschutzgesetz verankerte Ziel hin, in Nationalparks überwiegend eine ungestörte Dynamik zuzulassen. Er machte den Akteuren Hoffnung, Gelder für eine Ökosystemforschung einwerben zu wollen – für aktuelle Bestandsaufnahmen mit Blick auf den Klimawandel und die Energiewende.

Dr. Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto-Group sowie Gründer und Vorsitzender der nach ihm benannten Umweltschutzstiftung, erläuterte seine Erfahrungen aus Projekten, in denen öffentliche und private Einrichtungen kooperieren. Dies könne man zwar nicht eins zu eins auf das Wattenmeer übertragen, es ließe sich Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein aber kreativ weiterdenken. Dazu bot er der Nationalparkverwaltung an, eine Dialogveranstaltung zu organisieren. „Die Nationalparkverwaltung steht vor großen Herausforderungen. Eine Lösung gibt es nicht umsonst. Wenngleich Naturschutz Staatsaufgabe ist und bleibt, können kreative Beiträge der Wirtschaft die Verpflichtungen des Staates zum Erhalt unseres Naturerbes flankieren“, so Norddeutschlands größter Textilhändler.

Eberhard Brandes, Vorstand der Geschäftsleitung des WWF Deutschland, bekräftigte, dass sich der Nationalpark in seinen fast 30 Jahren gut entwickelte. „Aber ein Nationalpark nach internationalen Kriterien ist es noch nicht: Dazu muss die Ölförderung in ihm beendet werden, dazu muss auch das Bergrecht geändert werden. Auch die Fischerei muss nationalparkverträglich gestaltet werden.“

Geisteswissenschaftler Oliver Stengel von der Hochschule Bochum stellte neue Ansätze der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit vor, mit denen die Kluft vom Wissen zum Handeln in Bezug auf den Naturschutz verringert werden kann.

Jörn Klimant, Landrat und Vorsitzender des Dithmarscher Nationalparkkuratoriums, erläuterte das gewandelte Selbstverständnis: „Gestartet sind die Kuratorien als Informationssammelstellen und Beratungsgremien. Mittlerweile sind sie Konfliktmanagementstellen, die Interessensgegensätze speziell zwischen ökonomischen und ökologischen Belangen aufgreifen und Lösungen einleiten.“

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erstellt am 03.Mai.2014 | 17:00 Uhr

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