Süderoog sucht Babysitter : Familienleben auf den Halligen: „Hier bist Du 24 Stunden Mutter“

Familie Kruse genießt mit ihren drei kleinsten Kindern das Winterwetter auf Nordstrandischmoor.
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Familie Kruse genießt mit ihren drei kleinsten Kindern das Winterwetter auf Nordstrandischmoor.

Auf der Hallig Süderoog wird ein Kindermädchen gesucht, da die arbeitsreiche Saison bevorsteht. Und von Herausforderungen als Hallig-Mutter kann Stefanie Kruse auf Nordstrandischmoor erzählen.

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03. März 2018, 17:00 Uhr

Baby-Schwimmen, Still-Gruppe oder Mütter-Treff: Wer sein Baby auf einer Hallig groß zieht, kennt diese Angebote oft nur vom Hörensagen. Drei Kinder, die jünger als ein Jahr sind, leben momentan auf den nordfriesischen Mini-Eilanden: eines auf Hooge, eines auf Süderoog und eines auf Nordstrandischmoor. Nun mögen Festlands-Eltern gelegentlich davon träumen, ihr Kind vermeintlich so ruhig und sicher aufzuziehen, wie es die Hallig-Leute können. Doch das Familienleben im Wattenmeer stellt Eltern auch vor Herausforderungen.

So suchen Nele Wree und Holger Spreer gerade dringend ein Kindermädchen, das ihnen während der Saison dabei hilft, auf ihre drei Monate alte Tochter Fenja aufzupassen. Ihr Aufruf, den das junge Hallig-Paar Anfang dieser Woche auf der Süderoog-Seite auf Facebook veröffentlicht hat, wurde bisher zwar schon mehr als 700 Mal geteilt – doch ernsthafte Bewerbungen fürs Babysitting im Wattenmeer haben die beiden bisher noch nicht erreicht.

Warum es für die allein auf der kleinen Hallig lebende junge Familie so wichtig wäre, Unterstützung zu bekommen, kann Vater Holger Spreer schnell erklären: Sobald die Saison im Frühjahr startet, ist ihr Leben gar nicht mehr so einsam. Wattwanderer, die Gäste vom Ausflugsschiff, aber auch Hochzeitsgesellschaften wollen auf der Warft versorgt, unterhalten und informiert werden. Da müssen beide Elternteile bereitstehen. „Und Fenja wollen wir dann ja nicht einfach dem alle zwei Wochen wechselnden Praktikanten in den Arm drücken“, sagt der stolze Vater. „Es ist schon wichtig, dass sie eine weitere Bezugsperson hat.“ Das Sommer-Kindermädchen würde neben freier Kost und Logis ein Taschengeld erhalten. „Mehr geht leider nicht, wir zwei teilen uns hier ja eine Stelle.“

Und wenn das Kindermädchen den Insel-Koller kriegt, kann es nach Absprache natürlich auch immer mal wieder aufs Festland fahren. Weitere Bewerbungsvoraussetzungen: eine gewisse Affinität zur Natur und die Bereitschaft, Stoffwindeln zu wechseln. Letztere Anforderung sorgt zumindest auf Facebook für Nachfragen. Spreer kann beruhigen: „Da gibt es neue, praktische Modelle, bei denen ist das gar nicht schlimm.“

Und wie ist das Familienleben auf der Hallig längerfristig geplant, wenn Fenja in den Kindergarten und in die Schule kommt? „Der Plan ist – es gibt keinen Plan“, sagt Spreer, „wir hatten spontan beschlossen, nach Süderoog zu gehen und mit dem Baby haben wir nicht gerechnet. Wir freuen uns sehr, dass es da ist – ich möchte damit nur sagen, dass wir einfach auf uns zukommen lassen, wie es weitergeht.“

Wenn es um die Schulpflicht geht, wird es Stefanie Kruse auf Nordstrandischmoor mit ihrem vier Wochen alten Sohn Bosse einfacher haben: Bis zur neunten Klasse wird er genau wie seine drei Geschwister die Halligschule besuchen können. Und zumindest zwei potenzielle, heute zwei Jahre alte Spielkameraden leben in der Nachbarschaft.

So viele Unterschiede zwischen dem Leben von Müttern auf dem Festland und ihrem fallen Stefanie Kruse auf Anhieb gar nicht ein. Außer natürlich: „Hier bist Du 24 Stunden am Tag Mutter.“ Krippe, Kindergarten, Tagesmutter – all das gibt es auf Nordstrandischmoor mit seinen ungefähr 25 Einwohnern nicht. Der 28-Jährigen hilft die Großfamilie, den Alltag zu bewältigen.

Sorgen darüber, wie es mit Kindern laufen könnte, hat sich die gebürtige Nordstranderin nicht gemacht, als sie der Liebe wegen vor sieben Jahren auf die Hallig zog. Im Gegenteil: „Die Kinder können hier so frei aufwachsen – das ist doch Wahnsinn.“ Und durch den Loren-Damm sei sie im Falle eines Falles auch immer schnell auf dem Festland.

Obwohl – bevor sie sich mit den Kindern auf den Weg mache, überlege sie schon: „Wegen jedes Wehwechens fahren wir nicht zum Kinderarzt nach Bredstedt. Das ist vielleicht anders, wenn man kürzere Wege hat.“ Und auch die Baby-Kurse, die sie mit ihrer Ältesten noch auf dem Festland besucht hat, hat sie bei den jüngeren Geschwistern bleiben lassen. Es zeigt sich: Mit vier Kindern ist nicht mehr für alles Zeit – auch nicht auf der vermeintlich entschleunigten Hallig.

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