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Jahresempfang des Bauernverbandes : Familienbetriebe haben es schwer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Tierhaltung in immer größeren Anlagen, steigende Landpreise und die wachsende Zahl von Naturschutz-Auflagen waren bestimmende Themen beim Jahresempfang des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt.

„Der Kampf um Flächen ist entbrannt.“ Und das bereitet dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt, Hans Friedrichsen, große Sorgen. Beim Jahresempfang mit 50 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Behörden und Verwaltung im Husumer Osterkrug betonte er, die Kauf- und Pachtpreise seien teilweise fernab jeder Realität und die Milchviehbetriebe immer häufiger zweiter Sieger beim „Poker um die Fläche“.

Auch wenn 2013 in punkto Witterung und Märkte ein gutes und zufrieden stellendes Jahr gewesen sei, müssen sich die Landwirte mit einer Reihe von Problemen herumschlagen. „Immer wieder wird der Knick zur Spielwiese von Fantasten und Ideologen“, beklagte Friedrichsen. Ein halber Meter Randstreifen am Knick nur auf dem Ackerland bedeute in Schleswig-Holstein einen Verlust an Nutzfläche von 6000 bis 7000 Hektar. Den Bauern fehlten sieben Millionen Euro an Einnahmen und der Landes-Wertschöpfung würden – nur auf Brot umgerechnet – 100 Millionen Euro verloren gehen. Hinzu kämen die an Wegelagereien grenzenden Millionenbeträge beim Ausgleich für den Naturschutz.

Ein weiterer Vorwurf des Bauernverbands-Chefs: „Die Politik redet mit gespaltener Zunge.“ In Lippenbekenntnissen werde der Familienbetrieb favorisiert, aber mit Auflagen, Verordnungen und Erlassen gerade diesen Betrieben das Leben schwer gemacht. Dazu führte er ein Beispiel an: die Sauen-Gruppenhaltung. Betriebe mit wenigen Hundert Tieren müssten aufgeben, weil sich die Investition in dieser Bestandsgröße nicht rechne. Wer aber investieren und den Bestand aufstocken wolle, um die Auflagen zu erfüllen, dem schlage der Widerstand der Bürokratie, der Tierschützer, der Nachbarn und anderer voll ins Gesicht. Dabei ging Hans Friedrichsen auf einen aktuellen Fall in der Gemeinde Simonsberg ein, wo eine Bürgerinitiative mobil macht gegen einen Mastbetrieb, der auf rund 3000 Schweine erweitern möchte und alle Voraussetzungen dafür auch erfüllt – „keine Riesenanlage“, so Hans Friedrichsen. „Wenn man dies verhindert, ist der Betrieb weg“, mahnte er. Und wenn die Entwicklung dann so weitergehe, „dann kriegen wir wirklich Agrarfabriken“ – mit bis zu 20 000 Tieren.

Dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch den nicht enden wollenden Reigen der Wortbeiträge beim Jahresempfang. Auch der SSW-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Lars Harms, sprach von einem Betrieb mittlerer Größenordnung, der durchaus den politischen Zielen entspreche, kleine und mittlere Betriebe zu fördern. Harms wünschte sich eine Lösung, die die Zukunft des Betriebes sichert und den Sorgen der Anwohner Rechnung trägt. Für den CDU-Abgeordneten Klaus Jensen ist das Finkhaus-Projekt ein „relativ normaler Vorgang aus landwirtschaftlicher Sicht“. Sein Appell: „Lasst uns sachlich darüber diskutieren.“

Dafür warb auch Dr. Peter-Nahne Jens, er vertritt den Zusammenschluss praktizierender Tierärzte auf Kreisebene: „Tierwohl hat nichts mit der Stückzahl zu tun, sondern hängt am Know-how des Betriebsleiters“, machte er deutlich. Kreisveterinär Dr. Dieter Schulze nannte aufkommende Emotionen beim Thema Tierhaltung zwar nachvollziehbar. Aber wenn ein einzelner Betrieb den vorgegebenen rechtlichen Rahmen einhalte, dann sei dieser nicht der richtige Adressat für Kritik. Wer den Rahmen ändern wolle, müsse „ran an die Politik“. Den Landwirten legte er nahe, auch an ihrem Image zu arbeiten, denn sie seien Lebensmittelproduzenten und Verbraucherschützer.

„Die Tierwohl-Diskussion nehmen wir Landwirte sehr ernst“, versicherte Hans Friedrichsen. Aber das Augenmaß dürfe nicht auf der Strecke bleiben. Und: Jeder neue Stall fördere das Tierwohl, denn dabei würden stets die neuesten Erkennisse in punkto Gestaltung der Tierplätze mit umgesetzt.

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erstellt am 13.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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