zur Navigation springen

24 Stunden Husum: 15 bis 16 Uhr : Familien-Idylle auf dem Fußballplatz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Als Platzwart im Friesenstadion, in dem die Fußballer der Husumer Sportvereinigung auflaufen, gibt es immer etwas zu tun: Christian Braun und seine Familie stehen heute im Mittelpunkt unserer Serie „24 Stunden Husum“.

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedene Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 11: Wer kümmert sich eigentlich ums Friesenstadion?

 

Vögel zwitschern. Ein leichter Wind weht, bringt die Blätter in den Baumkronen unmerklich zum Rauschen. Aus dem Dickicht hüpft ein Eichhörnchen auf die Straße und verschwindet flugs in den gegenüberliegenden Mausebergen. Die grüne Idylle durchbrechen zwei weiße Kassenhäuschen, deren Mauersteine aussehen, als hätte sie gestern jemand in ein Becken voller Farbe getaucht. Dazwischen ein großes eisernes Gittertor. Jetzt, um 15 Uhr mitten in der Woche, ist es geschlossen. An Sonnabenden oder Sonntagen, wenn die Husumer Sportvereinigung (HSV) ihre Heimspiele – neuerdings wieder in der Schleswig-Holstein-Liga – austrägt, gehen hier scharenweise Fußball-Fans durch. 17 weitläufig versetzte Stufen steigen sie hinab, dann stehen sie im Friesenstadion.

Heute parkt auf der lang gezogenen Treppe ein Kinderwagen. Darin sitzt Klein-Kevin und zieht ein wenig quengelig an seiner Mütze, die ihm über ein Auge gerutscht ist. Dass Kathleen Braun (28) gerade – mit Schaufel und Besen bewaffnet – damit beschäftigt ist, die Steinplatten zu fegen, scheint den Einjährigen nicht weiter zu interessieren. Auch nicht das Treiben seiner Schwester Jasmin (4), die sich nicht wirklich entscheiden kann, ob sie ihrer Mutter helfen oder lieber schon mal die Eckfahnen auf dem A-Platz mopsen soll, damit Papa es gleich beim Kreiden der Seitenlinien leichter hat.

Was für den Nachwuchs wie ein herrlich großer Spielplatz mit massenhaft Auslauf anmutet, ist für Christian Braun und seine Frau zunächst mal ein ganz normaler Arbeitsplatz. Freilich einer, der sich wohltuend abhebt vom gängigen Bürojob, bei dem man sich schon eher mal der Gefahr aussetzt, wegen mangelnder Bewegung Speck anzusetzen. Apropos: Zur Familie des Platzwarts im Friesenstadion gehören auch die Mäusefänger Mara und Garfield. Auch für die beiden Katzen ist das weitläufige Gelände ein Paradies. Von den bevorzugten Nagetieren auf ihrer Speisekarte gibt es am Hasselberg nämlich reichlich. Und zu 95 Prozent, so erzählt Braun, der von allen nur Charly gerufen wird, bleiben die Samtpfoten mit ihrer Beute auch vor der Tür. Dort steht übrigens ein familienfreundlicher Kombi mit einem Heck-Aufkleber vom 1. FC Köln.

Ein Parkplatz direkt vor der Wohnung mit Blick auf den Bolzplatz – und das Vereinsheim vis-à-vis. Klingt in den Ohren von Fußball-Fans nach einer Traumkonstellation. Eine, die dem 29-Jährigen allerdings nicht geschenkt wird. „Das Gute ist, die Kinder können hier nach Lust und Laune herumtoben, ohne dass wir Angst vor fahrenden Autos haben müssen.“ Auf der anderen Seite sei die Fülle der Aufgaben nur mit Hilfe seiner Frau zu schaffen. Während seine bessere Hälfte die frisch gewaschenen Trikots der ersten Mannschaft draußen zum Trocknen aufhängt, zieht er mit dem Kreidewagen die weißen Linien auf dem Rasen nach. Die Markierfarbe, die Braun – mit Wasser verdünnt – in den 25-Liter-Tank gießt, liefert eine Spezialfirma aus der Nähe von München. Eine Füllung reicht für ein Fußballfeld. Die HSV hat vier Spielflächen.

Seit Mai 2010 ist Charly Braun Platzwart bei dem Verein, der traditionell Husums höchstklassige Fußballmannschaft stellt. Im Gegenzug darf er mit seiner Familie die rund 90 Quadratmeter große Wohnung im Friesenstadion nutzen. Die gehört der Stadt, die nach Absprache auch mit dem großen Rasenmäher-Trecker anrückt. „Sonst wäre das nicht zu schaffen“, sagt der gebürtige US-Amerikaner und bedankt sich bei dieser Gelegenheit bei den Verantwortlichen im Rathaus für die „tolle Zusammenarbeit“.

Braun erblickte in Fairfax County im Bundesstaat Virginia das Licht der Welt und wurde als zweijähriger Spross einer Soldatenfamilie mit seinen Eltern nach Sylt verschlagen. 2006 kam er nach Husum, war zunächst Zeitsoldat und ließ sich dann zum Erzieher umschulen. Von nachmittags bis in den späten Abend hinein arbeitet er nun im Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk (TSBW), der großen Ausbildungsstätte für Behinderte in der Stadt. Nebenbei ist er Elternvertreter im Wilhelm-Gehlsen-Kindergarten. Und Jugendobmann sowie Betreuer der „Ersten“ bei der HSV.

Als Platzwart hält er das Vereinsgelände in Schuss, sorgt im Stadion für Sauberkeit. Die meiste Zeit geht fürs Reinigen der acht Umkleidekabinen drauf, die auf zwei Trakte verteilt sind. Braun pumpt Fußbälle auf, zählt Hütchen und betreibt Materialpflege. Er legt fest, welches Team wo trainiert, und macht telefonisch Spieltermine ab. Eine kaputte Werbebande hier, ein tropfender Wasserhahn dort – ein Fall für Braun. Und bei alledem findet er sogar noch Zeit, selbst fußballerisch aktiv zu sein. Mit der Integrationsmannschaft tritt er in der dritten Kreisklasse C Süd an. Das Team setzt sich aus unterschiedlichen Nationalitäten und Spielern vom TSBW zusammen, auch der eine oder andere Gehörlose ist dabei. „Die alle unter einen Hut zu kriegen, ist eine Herausforderung“, räumt Braun ein. Die Kommunikation sei sehr schwierig, funktioniere am Ende aber meistens doch – mit Händen und Füßen. Spricht’s, schmeißt seinen Roller an und macht sich schnell auf den Weg zum TSBW . . .

 

Teil 12 morgen: Wo Ladendiebe mit hochmoderner Technik geschnappt werden.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Sep.2013 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen