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Chaotische Szenen beim Einkaufen : Falschparker sorgen für reichlich Ärger

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Dreimühlen in Husum ignorieren Autofahrer immer wieder Halteverbotsschilder. Viele Kunden sind genervt.

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erstellt am 13.Mär.2015 | 13:00 Uhr

Es regnet leicht. Der rote Golf mit dem genervt dreinschauenden Mittdreißiger am Steuer rollt in Höhe Aldi unaufhaltsam Richtung SB-Filiale der Sparkasse. Durch die Ladentür des Drogeriemarktes kommt derweil ein graumelierter Mann mit vollem Einkaufswagen. Er will seine Besorgungen zu seinem ordnungsgemäß abgestellten Auto bringen. Am Übergang zur Fahrbahn, dessen Bordsteine an dieser Stelle eigens zu diesem Zweck abgesenkt worden sind, kommt es zur Begegnung. Der Golf-Fahrer ist drauf und dran, die Durchfahrt für den Einkaufswagen zu blockieren. „Noch ein paar Zentimeter weiter und es gibt Ärger“, warnt der bedröppelte Fußgänger. So laut, dass sich vor ihm ein anderer umdreht und seine verbale Zustimmung gibt: „Genau!“ Auch dieser Mann ist längst genervt von jenen Autofahrern, die meinen, die Halteverbotsschilder in der Ostenfelder Straße 68-70 wurden einfach so zum Spaß aufgestellt.

Jeden Tag das gleiche Bild: Mal sind es mehr, mal weniger motorisierte Kunden des Einkaufszentrums Dreimühlen, für die es mittlerweile ein Gewohnheitsrecht zu sein scheint, die unmittelbar vor den beiden Ladenzeilen aufgestellten Verkehrszeichen zu ignorieren. Ob vor Rossmann, dem ehemaligen Tierfutter-Geschäft Fressnapf, das jetzt leer steht, oder der Schlachterei Kinsky: Ganz nah ran an die Bouletten, heißt die Devise – obwohl auf dem 30.200 Quadratmeter großen Grundstück 274 Parkplätze zur Verfügung stehen. Eine stattliche Anzahl, die selbst den absoluten Stoßzeiten standhält.

Bequemlichkeit und Ignoranz der wilden Parker haben ihren Preis. Die so künstlich geschaffene Enge führt im zu- und abfließenden Verkehr immer wieder zu teilweise chaotischen Szenen. Zum Beispiel wenn sich, was natürlich laufend vorkommt, Autofahrer mit ihren Wagen begegnen und nicht gegenseitig ausweichen können. Einer von beiden muss dann notgedrungen zurücksetzen, wodurch sich dahinter auch schon mal ein kleiner Stau bildet. Oder wenn jemand in einer der beiden rund 40 und – an der Edeka-Seite – 30 Meter langen Halteverbotszonen umständlich ein- und ausparkt und dabei ebenfalls den fließenden Verkehr behindert. Darüber ärgert sich auch eine Pendlerin aus Schwabstedt, die regelmäßig zum Einkaufen in die Ostenfelder Straße fährt: „Parkt das erste Auto in der Reihe rückwärts aus, kommt es schnell zu Komplikationen, wenn just in dem Augenblick jemand auf den Parkplatz will“, hat die 60-Jährige beobachtet. „Die dort abgestellten Fahrzeuge verengen die Straße dermaßen, dass dieser Kunde scharf einfädeln muss. Neulich ist mir einer dabei fast in die Seite geknallt – und sah mich auch noch böse und vorwurfsvoll an!“

Eine Mildstedter Hausfrau (54), die in der Regel sonnabends um die Mittagszeit ihre Vorräte auffüllt, erlebt es immer wieder: „Die Autos parken bis in den Bereich der abgeschrägten Bordsteinkanten. Wenn ich mit voll beladenem Einkaufswagen vorbei will, muss ich sehr genau steuern, um die Fahrzeuge nicht zu streifen. Manchmal sitzt sogar ein Fahrer im Wagen. Entweder blickt er starr geradeaus, oder er sieht aus wie ein Mensch, der noch nie etwas von der Existenz einer Frau mit Einkaufswagen gehört hat.“

Die Situation nervt nicht nur Fußgänger, die ihre Lebensmittel vor sich herschieben. Auch Radfahrer und Benutzer von Rollatoren, die an der vom Reisebüro bis zu den Fleischwaren reichenden Ladenzeile ungern das Gefälle überwinden und deshalb auf die Fahrbahn ausweichen, leben gefährlich. Mal eben genau vor der Tür halten – das sind die Fahrer der Geldtransporter, die mehrmals in der Woche bei Aldi die Einnahmen einsammeln, aus Sicherheitsgründen eigentlich gewohnt. In Dreimühlen müssen die Mitarbeiter der Lübecker Ziemann-Gruppe auf diese Arbeits-Erleichterung schon mal verzichten – und ihren Tresor auf vier Rädern in der zweiten Reihe, vor dem Unterstand mit den Einkaufswagen von Edeka oder gar den beiden Behinderten-Parkplätzen abstellen.

Autofahrer, die meinen, für sie gelte die Straßenverkehrsordnung nicht – wie kann man ihnen Einhalt gebieten? „Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz“, erklärt dazu Karl-Friedrich Bumb vom städtischen Ordnungsamt gegenüber unserer Zeitung: „Die Besitzer haben die Halteverbote ohne Mitwirkung unserer Verkehrsbehörde eingerichtet. Es hat auch keine Anfrage gegeben.“ Daher handele es sich nun nicht um verkehrsrechtlich angeordnete Halteverbote, die von der Verkehrsüberwachung kontrolliert werden könnten, so Bumb weiter. „Allerdings gibt es auch privatrechtlich eine Möglichkeit, sich mit eigenen schriftlichen Hinweisen an die Falschparker zu richten. Diese Vorgehensweise wird im Stadtgebiet auch bereits mit Erfolg praktiziert.“

Der Polizei sind ebenfalls die Hände gebunden, wie der Leiter des Husumer Reviers, Erich Bretthauer, auf Anfrage erläuterte: „Die Verkehrszeichen wurden nicht von der Verkehrsbehörde angeordnet und sind somit in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren unwirksam. Ohne offizielle Anordnung können wir diese Vergehen nicht ahnden.“ Anders sehe die Sache im Strafrecht aus, zum Beispiel bei einer Unfallflucht: Hier sei es maßgeblich, ob es sich um einen „tatsächlich öffentlichen Verkehrsraum“ handele. Bretthauer: „Tatsächlich öffentlich ist der Parkplatz, wenn eine ungehinderte Zufahrt für jedermann möglich ist.“ In diesem Fall könne die Polizei bei Straftaten tätig werden.

Ob der Eigentümer des Geländes – ein Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden – überhaupt um die Zustände im fernen Husum weiß, darf bezweifelt werden. Die Husumer Nachrichten haben den Verwalter des Grundstücks, die in Hamburg ansässige Völkel Company Asset Management GmbH & Co.KG, mit der Sachlage konfrontiert und um eine entsprechende Stellungnahme gebeten. Die blieb allerdings trotz mehrfacher Nachfrage auch nach drei Wochen aus.

 

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