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Grosse Politik verärgert kommunale Ebene : Falsche Signale aus Berlin

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen blickte beim Neujahrsempfang in Bredstedt kritisch in die Zukunft. So gefährdet nach seiner Ansicht die Windkraft-Politik des Bundesenergieministers einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region. Und der Breitbandausbau geht Paulsen zu langsam voran.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2014 | 07:00 Uhr

Wenn Gemeinden im ländlichen Raum bereit sind, über den eigenen Tellerrand zu blicken und im Verbund mit Nachbarn etwas Neues auf den Weg zu bringen, ist das ein guter Schritt in Richtung Zukunft, auch mit Blick auf den demografischen Wandel und die Daseinsvorsorge. Das wurde während des gemeinsamen Neujahrsempfangs der Stadt Bredstedt und des Amtes Mittleres Nordfriesland im Kultur- und Veranstaltungszentrum Altes Heizwerk deutlich.

Diplom-Ingenieur Torsten Beck aus Karlsruhe referierte zum Thema und gab Einblicke in das vom Bund geförderte Projekt „Integrierte Mobilitätsentwicklung im Kreis Nordfriesland“. Kooperation und Eigenständigkeit von Gemeinden müssen dabei nicht im Widerspruch zueinander stehen. Ziel sei es, dass alle Bürger auch langfristig in den Genuss aller notwendigen infrastrukturellen Angebote der Daseinsvorsorge in Form von Versorgungszentren kommen sollen. Dabei sei es wichtig, sich auf die Stärken zu besinnen und Kräfte zu bündeln. „Manchmal muss man etwas abgeben, um etwas anderes zu erhalten“, so Torsten Beck zum Sinn einer Kooperation. Das würde bedeuten: Im Vergleich zu heute würden einige Gemeinden Infrastruktureinrichtungen gewinnen, während andere sie verlieren.

Die Auswirkungen des demografischen Wandels machte er an einigen Beispielen den mehr als 150 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, Verbänden und Institutionen deutlich. Panik wollte er damit nicht verbreiten, wie er betonte, allerdings sei „Nichtstun auch keine Lösung“. „Sie haben genügend Möglichkeiten, um sich vorzubereiten“, betonte der Diplom-Ingenieur.

Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen sagte in seiner Begrüßungsrede dazu: „Wir alle sind im Zuge des demografischen Wandels gefordert, Allianzen zu bilden. Wenn wir die Auswirkungen merken, sind wir schon mittendrin.“ Sein Appell: „Wir müssen jetzt etwas tun.“

In seinem Rückblick ging er auf die beiden Orkantiefs im Herbst ein, die „die Region verändert haben“, wie Paulsen sagte. Das Gute sei gewesen, dass kein Mensch zu „Malheur“ gekommen ist. Der Amtsvorsteher bedankte sich für die „hervorragende Hilfe“ bei den Feuerwehren und ehrenamtlichen Helfern. Ein weiterer Punkt, auf den er einging, war die Kommunalwahl, wobei er den Gemeindevertretern für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, dankte. Paulsen merkte an, dass es für sie nicht immer einfach sei, Entscheidungen zu treffen. Zum Thema Windkraft sagte der Amtsvorsteher, dass „alle mit Sorge nach Berlin schauen“. Windkraft bedeute „eine große Wertschöpfung für uns in der Region“. Viele seien schockiert über das, was kommen solle, wie beispielsweise der Bestandsschutz. Auch für die Banken sei es eine schwierige Zeit und die Frage, ob sie in Finanzierungen einsteigen sollen, nicht leicht zu beantworten.

In Sachen Breitband forderte Paulsen mehr Unterstützung seitens der Politik, Schulterklopfen allein reiche den Gemeinden nicht. Neun der 20 Kommunen im Amt seien mit Glasfaser versorgt oder befänden sich im Ausbau. Es könne nur komplett gelingen, wenn alle das Solidarprojekt unterstützen.

Sein Dank galt den Mitarbeitern der Verwaltung, die das Leitbild des Amtes lebten, sowie den Ehrenamtlern. Sein Ausblick für 2014 beinhaltete die anstehende Änderung der Amtsordnung, den weiteren Ausbau des Breitbandnetzes, den Ausbau der Bundesstraße 5 und das Finanzausgleichsgesetz. Zum Finanzamt Nordfriesland meinte Hans-Jakob Paulsen: „Unsere Karten sind gar nicht so schlecht. Wenn es nach Bredstedt kommt, ist das ein Stück Zukunft für uns.“

Nach dem offiziellen Teil gab es bei Getränken und Fingerfood genügend Zeit für Gespräche. Das Eintrittsgeld für den Neujahrsempfang kommt den Jugendfeuerwehren im Amt Mittleres Nordfriesland zugute.

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