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Angst vor Geburts-Notfällen : Fall Föhr wirft immer mehr Fragen auf

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach der Schließung des Kreißsaals im Wyker Krankenhaus hagelt es Kritik. Der Arbeits- und Sozialausschuss des nordfriesischen Kreistags will die häusliche Geburtshilfe erhalten.

Anke Bertram wird nicht müde, bei jeder sich bietenden Gelegenheit für ihren Berufsstand und das damit verbundene Wohl von werdenden Müttern einzutreten. So bat die Sylterin, zweite Vorsitzende im Hebammenverband Schleswig-Holstein, jetzt im Arbeits- und Sozialausschuss des Kreistages eindringlich darum, „in die flächendeckende Geburtshilfe zu investieren“. Auf ihrer Insel, so Bertram im Rahmen der Einwohnerfragestunde, gebe es seit 1. Oktober eine „teilweise verlässliche Rufbereitschaft“ – eine per se nicht zusammenpassende Wortkombination. „Für mich heißt das schlicht ,nicht verlässlich‘“, kritisierte die Hebamme diesen bundesweit einmaligen Modellversuch, der auf dem Rettungsdienstgesetz – im Übrigen ein Landesgesetz – beruhe. Der auch in den Krankenhäusern Niebüll und Wyk vorliegende Vertrag verstoße gegen die Prinzipien der zuständigen Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Das Hebammengesetz – ein Bundesgesetz – sehe eine Hinzuziehungspflicht für Hebammen vor. Mit anderen Worten: Hier hebele eine Landes- eine Bundesregelung aus! „Früher oder später wird es zu Notfällen kommen“, sagte Bertram – „die Frauen von den nordfriesischen Inseln sind die Leidtragenden“. Es gehe darum, Geburten in Ruhe, Würde und Geborgenheit stattfinden zu lassen: „Die sichere Bindung ist entscheidend für die Entwicklung des Kindes!“

Das neue, zunächst bis Ende 2016 geltende Notfallkonzept für Geburtshilfe auf Sylt, wo sich die drei auf der Insel tätigen Hebammen eine Rufbereitschaft teilen, stand im Arbeits- und Sozialausschuss allerdings gar nicht konkret zur Debatte. Gleichwohl machte Bertrams Wortmeldung Sinn, denn laut Tagesordnung sollte das Gremium – was es am Ende auch tat – dem Kreistag empfehlen, sich für den Erhalt und die (auf Grundlage schlüssiger und umsetzbarer Konzepte) fortgesetzte Förderung der häuslichen Geburtshilfe im Kreis auszusprechen. Hintergrund ist der am 3. September von der Hebammenpraxis Bredstedt eingereichte Antrag, deren Haftpflichtversicherungs-Prämie weiter zu übernehmen, um das Angebot der außerklinischen Geburtshilfe aufrecht zu halten. Die Verwaltung wird beauftragt, im Haushalt 2016 mit einer zweckgebundenen Summe in Höhe von 18.000 Euro zu planen – aus diesem Ansatz seien der Antragstellerin fürs erste Halbjahr 8725,67 Euro (je Hebamme 2908,56) zu gewähren.

Beim Thema Geburtshilfe kommt ein kreispolitisches Gremium derzeit schlecht am Standort Föhr vorbei – aus aktuellem Anlass. Denn den Kreißsaal im Wyker Krankenhaus, der ursprünglich „erst“ zum 1. Dezember geschlossen werden sollte, haben die verantwortlichen Gynäkologen aus versicherungs- und strafrechtlichen Gründen bereits dicht gemacht (wir berichteten). Was bleibt, ist nicht nur ein erhöhtes Risiko für schwangere Insulanerinnen, sondern auch eine Reihe von Fragen.

So bittet denn auch Karl-Heinz Hansen im Namen seiner SPD-Fraktion den Landrat als Vorsitzenden des Klinikums-Aufsichtsrates um einige Antworten: Welche Aspekte haben für die Entscheidung, die Geburtshilfe in Wyk zu schließen, konkret eine Rolle gespielt? Was hätte getan werden müssen, um diese Gründe zu beseitigen – und zu welchem Preis? Abgesehen von der Kostenfrage: Welche sonstigen Argumente sprechen dafür, die Einrichtung zu schließen statt die Mängel abzustellen? Außerdem fordert die SPD Dieter Harrsen unter anderem zur Prüfung auf, ob die Schließung einer Geburtsstation gemäß Gesellschaftsvertrag der Klinikum NF gGmbH eine „existenzielle Standortfrage“ ist und demnach der Zustimmung der Gesellschafterversammlung bedurft hätte. Eine persönliche Anmerkung konnte sich Hansen am Ende nicht verkneifen: „Ich finde es unerträglich, wie man mit uns, dem Ehrenamt, vonseiten des Krankenhauses umgeht.“

In die gleiche Richtung zielt ein 14-teiliger Fragenkatalog, den Manfred Thomas vorlegte. So interessiert seine Freien Sozialen Demokraten (FSD) zum Beispiel, warum vor der Entscheidung, die Geburtshilfe-Station in Wyk zu schließen, nicht ein schlüssiges Erhaltungskonzept erarbeitet und der Gesellschafterversammlung zur Beratung vorgelegt worden sei. Und, so die FSD: Ist das Ganze der Vorbote für eine beabsichtigte Schließung des Klinikums Föhr-Amrum in Wyk? Am Ende wird die Frage in den Raum gestellt, ob der Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, Frank Pietrowski, überhaupt noch tragbar sei.

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erstellt am 13.Okt.2015 | 15:00 Uhr

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