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Autozüge auf dem Hindenburgdamm : Fairer Wettbewerb auf Augenhöhe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Autozug-Betreiber zwischen Niebüll und Westerland raufen sich zusammen – und wollen weiterhin an Optimierungen arbeiten.

von
erstellt am 20.Jul.2017 | 08:00 Uhr

„Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb . . .“. Hätte eigentlich nur noch dieser kollektive Tischspruch aus dem Kindergarten gefehlt – und die Harmonie wäre perfekt gewesen an diesem Nachmittag im Husumer Kreishaus. Dort waren mit Dr. Markus Hunkel (RDC Autozug Sylt GmbH) und Alfred Onken (DB Sylt Shuttle) die beiden Chefs jener Unternehmen angetreten, die sich seit vergangenem Oktober die Trassen-Korridore zwischen Niebüll und Westerland auf Sylt untereinander aufteilen. Mit am Tisch des Kreistagssitzungssaales, wo sich der Wirtschaftsausschuss zwei Stunden lang über Erfahrungen und Perspektiven in Sachen Autobeförderung auf der Schiene informieren ließ, saß auch Burkhard Schulze, Bereichsleiter Verkehrswirtschaft bei der Nah.SH.

Was vor rund einem Jahr noch wie ein gordischer Knoten daherkam, der sich – zum Leidwesen von Fahrgästen und Politik – scheinbar gar nicht lösen wollte, lässt jetzt eine erfreuliche Bereitschaft zur problemorientierten Zusammenarbeit erkennen. Eine Entwicklung, die sich für Ausschussmitglied Ulrich Stellfeld-Petersen gar nach „Friede, Freude, Eierkuchen“ anhörte. Auf den Tisch kamen die Trassen-Konflikte nebst Auswirkungen auf den Nahverkehr genauso wie die Situation an den beiden Verladeterminals und die gegenseitige Anerkennung der Tickets.

Der noch vor rund einem Jahr etwa von Matthias Piepgras („Ich bin jetzt total relaxed“) gewonnene Eindruck, da prügelten sich zwei Konkurrenten auf dem Rücken der Kunden, um am Ende als alleiniger Sieger dazustehen, hat keine Berechtigung mehr. „Wir sind natürlich nach wie vor Bewerber“, so Onken. „Aber wir arbeiten gemeinsam an funktionierenden Abläufen – und das klappt meines Erachtens sehr gut.“ Kollege Hunkel nannte dies einen „fairen Wettbewerb auf Augenhöhe“: Man bemühe sich einfach in konstruktiven Gesprächen, „ein gutes Angebot für die Kunden“ hinzustellen.

Im Vordergrund steht denn auch laut Onken, in fortlaufender Abstimmung mit der RDC (Railroad Development Corporation) und der DB (Deutsche Bahn) Regio für ein störungsfreies Betriebskonzept zu sorgen. Um die konkurrierenden Trassen-Anmeldungen von Nah-, Fern - und Güterverkehr zu koordinieren, führe die DB Netz jährlich im Rahmen der Fahrplan-Vergabe Gespräche mit allen beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen. „Eine Einigung zum Fahrplan 2018 liegt vor“, so Onken. Eine Verdichtung des Sylt-Shuttle-Angebots sei an nachfragestarken Tagen aufgrund der durchgehenden Trassen-Belegung allerdings nur eingeschränkt möglich.

Aus RDC-Sicht stellte Hunkel fest, dass es deutliche Defizite in Sachen „Kundeninformation und Wegeleitung“ gibt. Sprach’s und kündigte den motorisierten Kunden im Dunstkreis der Terminals an, die brennende Frage, wo und wann der nächste Zug abfährt, ab Oktober beidseitig auf großen Displays zu beantworten. Die Autozug Sylt GmbH habe weiter investiert, so Hunkel. Seit Ostern sei eine neue Wagengarnitur mit „leisen Sohlen“, der sogenannten Flüsterbremse, im Einsatz. „Die Kundenzahlen sind deutlich gestiegen, unsere durchschnittliche Auslastung liegt heute bei über 40 Prozent.“ Der Betrieb laufe weitgehend stabil, doch natürlich wirkten sich Störungen in der Infrastruktur – wie im Mai  /  Juni, als es zu Verspätungen von bis zu fünf Stunden gekommen sei – nachteilig aus. Gleisbauarbeiten, Böschungsbrände oder Notarzt-Einsätze haben natürlich auch Folgen für Onkens Unternehmen, das die Infrastruktur schrittweise an die Bedürfnisse der Kunden und die Anforderungen der Transporteure anpassen will. So sei auf dem Westerländer Terminal eine bestmögliche Ausnutzung der verfügbaren Fläche erreicht worden. „Wir haben zusätzliche Stellflächen markiert und nutzbar gemacht und jetzt Platz für 110 Fahrzeuge“, so Onken. Am Terminal in Niebüll will man durch eine zusätzliche Spur den öffentlichen Verkehrsraum an Spitzentagen entlasten. „Spur elf soll im Frühjahr 2018 gebaut werden.“ Alle Staus ließen sich aber nicht abbauen.

Weitere Verbesserungen, die sich im Wirtschaftsausschuss herauskristallisierten: Der Fahrplan 2018 für den Autozug soll die bestehenden „Lücken“ im laufenden Angebot schließen und durch häufigere und regelmäßigere Fahrten attraktiver werden. Neben dem Online-Ticket werden noch in diesem Jahr Schritt für Schritt neue Produkte für den Kunden eingeführt. Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll (neg) baut vor Ort eine weitere neue Wagenkonfiguration mit „Flüsterbremse“, die zum Sommerfahrplan 2018 einsatzfähig sein soll.

Bleibt die Frage, wann RDC und DB ihre Fahrscheine gegenseitig anerkennen. Onken („Da geht es auch um wirtschaftlichen Ausgleich“) will damit in erster Linie seine Rechtsabteilung betrauen – und „sehen, was rauskommt“. Hunkel, seit 20 Jahren im Eisenbahngeschäft und seit vergangenen Januar Geschäftsführer beim RDC Autozug Sylt, ist da schon weiter: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

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