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Erfüllung eines Traumes : Fahrrad-Service auf Bestellung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach 100 Bewerbungsschreiben gründete der 56-jährige Jürgen Hansen aus Högel einen mobilen Zweiradservice. Dank seiner großen Erfahrung durfte er sich trotz des fehlenden Meistertitels selbstständig machen.

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erstellt am 18.Mai.2014 | 18:00 Uhr

Jürgen Hansen macht mobil und damit aus der Not eine Tugend. Der gelernte Zweiradmechaniker verlor zwei Arbeitsplätze innerhalb kürzester Zeit. 2010 musste er bei Danfoss in Flensburg gehen, als dort die Produktion geschlossen wurde. Er suchte sich einen neuen Job und bekam diesen in Langenhorn in einem Fahrradhaus. Als der Betrieb in Tarp eine Zweigstelle aufmachte, wechselte er nach dort. 2012 dann das plötzliche Aus wegen einer Insolvenz. Weit mehr als 100 Bewerbungen schrieb Jürgen Hansen anschließend, aber aufgrund seines Alters hatte er keine Chance und bekam nur Absagen.

„Dass ältere Menschen in Firmen gebraucht werden, kann ich nicht bestätigen“, sagt der 56-Jährige. Wählerisch sei er bei den Stellenangeboten nicht gewesen, bewarb sich auf alles, was auch entfernt mit Mechanik zu tun hat, denn er wollte nur eines: Arbeiten. Dann kam ihm die Idee, eine mobile Fahrradwerkstatt zu eröffnen, quasi auf Hausbesuch zu gehen und seine Dienste überall im Land anzubieten. Das war schon immer sein Traum, allerdings stand er damit erneut vor einem Problem: Er ist zwar ein Meister auf seinem Gebiet, aber er hat keinen Meisterbrief. Den brauchte er allerdings, um sich mit seiner Handwerks-Idee selbstständig zu machen. Jürgen Hansen nahm Gespräche mit der Handwerkskammer Flensburg auf, suchte gemeinsam mit den Fachleuten eine Möglichkeit und wurde fündig. „Meine beruflichen Referenzen und mein Jahrgang reichten letztendlich aus, um die Voraussetzungen zu erfüllen“, freut er sich. Auch die kaufmännische Seite ist abgedeckt: Nach dem Danfoss-Aus übernahm ihn eine Transfergesellschaft. Dort nutzte er die Zeit, um sich in diesem Bereich fit zu machen. „Ich habe immer nur gedacht, du musst das Beste aus der jeweiligen Situation machen“, blickt der Nordfriese zurück.

Seinen Traum zu verwirklichen, hieß für ihn und seine Ehefrau, ein finanzielles Risiko einzugehen. Er kaufte sich moderne Gerätschaften aus der Insolvenzmasse seines ehemaligen Arbeitgebers und investierte in einen Bus, damit er voll ausgestattet einsatzfähig ist. Die Leidenschaft für Fahrräder lebt er seit seiner Lehrzeit aus. Deshalb ist es auch kein Wunder, das er seit jeher auf der Suche nach Ersatzteilen ist. Anfang der 1980er Jahre baute er sich ein Fahrrad aus Einzelteilen zusammen, alleine der Sattel kostete damals 100 Mark. „Das Fahrrad habe ich heute noch, fahre es allerdings nur bei schönem Wetter“, sagt er und erzählt von drei weiteren E-Bikes, die er sein Eigen nennt. „Ein Rad ist schnell, das andere auf das Tempo meiner Frau abgestimmt und ein weiteres für Spazierfahrten.“ Kurze Pause. „Dann habe ich noch eines für täglich, eines fürs Mistfahren wegen der Pferde, ein Tiefeinsteiger und wenn das Wetter ganz schlecht ist, noch ein ganz anderes.“ Jürgen Hansen liebt die Welt der Fahrräder, ohne Zweifel. Dass er Räder noch aufspeichen kann, hält er für ganz „normal“. Wir haben es ganz anders gelernt, irgendwie intensiver wie heutzutage“, meint er und zeigt seine zweckentfremdete Garage. Die ist zur Werkstatt für Zweiräder umfunktioniert und gleichzeitig Lagerraum.

Ordentlich ist kein Ausdruck für das, was man zu Gesicht bekommt. Klarer Fall: Jürgen Hansen wird keine Zeit mit Suchen von Werkzeugen verschwenden. Irgendwo steht sicherlich auch der Notfallkoffer, den er auf Fahrradtouren immer dabei hat. Beispielsweise dienstags, wenn er mit der Feuerwehrtruppe unterwegs ist oder beim Radringstechen während des Ringreiterfestes. Jürgen Hansen hofft nun, das sein Telefon klingelt und er mit seinem Werkstattwagen losfahren kann, um Fahrräder fit zu machen. Vielleicht auch Rollatoren, „ist ja schließlich nicht viel anders“, meint er und hat das auch schon ausprobiert. Geplant sind auch feste Zeiten in verschiedenen Orten, wo die Kunden dann mit ihren kaputten Rädern vorbeischauen können. „Tarp wird bestimmt dabei sein, denn da kenne ich viele Leute, die ziemlich traurig waren, als ich ging.“

Wenn es gut läuft mit seinem mobilen Service, verwirklicht er vielleicht einen weiteren Traum: Einen Wagen, der groß genug ist, um bei Regen unter Dach arbeiten zu können. Kontakt unter Telefon 0171/9464631.

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