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Tragischer Verkehrsunfall in Garding : Fahrlässige Tötung: Autofahrer verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Februar starb in Garding ein Radfahrer bei einem Verkehrsunfall – jetzt kam die Sache in Husum vor Gericht. Der Autofahrer muss eine Geldstrafe von 2400 Euro zahlen.

Das Amtsgericht Husum hat am Montag (19. Dezember) ein Urteil gefällt, das alle Autofahrer aufhorchen lassen sollte, die Geschwindigkeitsbegrenzungen vermeintlich nur „geringfügig“ überschreiten: Nach einem tödlichen Verkehrsunfall in einer Tempo-30-Zone in Garding wurde ein Autofahrer, trotz erheblicher Mitschuld des Unfallopfers, wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Bei Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit wäre der Unfall vermeidbar gewesen, so die Begründung. Laut Gutachten war der Autofahrer mit „mindestens 42 km/h“ gefahren. Aufgrund der besonderen Umstände verhängte das Gericht allerdings nur 60 Tagessätze á 40 Euro, also eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bereits bei ihrer polizeilichen Vernehmung kurz nach dem Unfall am 15. Februar dieses Jahres auf einer Kreuzung in Garding und auch jetzt vor Gericht in Husum hatten Unfallzeugen den Autofahrer klar entlastet: Etwa um 17.20 Uhr habe er sich mit seinem Auto auf der vorfahrtberechtigten Poppenbüller Straße der Kreuzung mit dem Norderring genähert, an der ein Mann mit einem E-Bike an der Haltelinie und neben einem Stoppschild angehalten und gestanden hätte. Kurz bevor das Auto die Kreuzung erreicht habe, hätte das E-Bike laut übereinstimmender Aussage des Zeugen-Ehepaares plötzlich einen „Satz“ oder „Sprung“ nach vorne und damit in die Kreuzung hinein gemacht. Der Autofahrer habe noch versucht auszuweichen, habe gebremst, sei sehr schnell zum Stehen gekommen und habe sich sofort um das Unfallopfer gekümmert, so die Zeugen. Erst nach etwa 20 Minuten seien Polizei und Notarztwagen vor Ort gewesen. Der Radfahrer sei kurz danach an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben. „Hätte ich in dem Auto gesessen“, sagte der Ehemann des Zeugenpaares aus, „mir wäre das Gleiche passiert.“

Für das Gericht entscheidend war, dass am Unfallort werktags von 7 bis 18 Uhr, also zum Unfallzeitpunkt, Tempo 30 gilt. Der Gutachter, ein Ingenieur aus Kiel, war aufgrund seiner Berechnungen bei der Rekonstruktion des Unfalls zum Ergebnis gekommen, dass der Unfall – trotz der Mitschuld des Opfers – vermeidbar gewesen wäre, wenn der Autofahrer Tempo 30 eingehalten hätte. Das Auto sei seinen Berechnungen zufolge jedoch mit „mindestens 42“ und mit bis zu 55 km/h auf die Kreuzung zugefahren.

Laut Aussage des Autofahrers – ein 58 Jahre alter Handwerker, der nach Arbeitsschluss mit dem Firmenwagen auf dem Heimfahrt war – wusste dieser, dass die Poppenbüller Straße zu diesem Zeitpunkt eine Tempo-30-Zone war, er sei deshalb langsam gefahren, habe sogar Blickkontakt mit dem Radfahrer gehabt und sei sicher gewesen, dass dieser auch stehenbleiben würde. Der Zusammenprall sei für ihn trotz des sofortigen Ausweich- und Bremsmanövers unvermeidbar gewesen und er bedauere den Tod des Mannes zutiefst. Der war 47 Jahre alt, trug dunkle Kleidung und keinen Helm und war möglicherweise krank, was in der Verhandlung nicht näher thematisiert wurde; auch nicht, ob er sein eigenes oder ein geliehenes E-Bike fuhr und wie oft er damit vor dem Unfall bereits unterwegs gewesen war. Weshalb das stehende E-Bike plötzlich einen Satz nach vorne machte, blieb offen. Die Angehörigen des Radfahrers nahmen weder als Nebenkläger noch als Zuschauer an dem Prozess teil. Ob die Verteidigung Berufung gegen das Urteil einlegt, stand zunächst noch nicht fest.

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