Verzögerung : Fährhaus Schlüttsiel steht vorerst leer

Das Fährhaus Schlüttsiel ist seit Auslaufen des Pachtvertrages am 30. September geschlossen.
Das Fährhaus Schlüttsiel ist seit Auslaufen des Pachtvertrages am 30. September geschlossen.

Die Vertragsunterzeichnung mit einem Kaufinteressenten aus Berlin verzögert sich. Der Zweckverband hofft weiter auf eine Lösung zum Jahresende.

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05. Dezember 2017, 13:10 Uhr

Auch wenn sich der Zweckverband Schlüttsiel rechnerisch in seinem Wirtschaftsplan für 2018 schon von dem Fährhaus Schlüttsiel verabschiedet hat, so einfach wird es wohl doch nicht. Wenig Fakten ließ Langenhorns Bürgermeister Horst Peters in Vertretung für die verhinderte Gremiums-Vorsitzende Claudia Weinbrandt während der Sitzung an die Öffentlichkeit. Eigentlich nur einen einzigen Satz: „Es ist kompliziert, der Vertrag ist noch nicht abgewickelt, mehr kann ich öffentlich nicht sagen.“ Alles andere wurde im nichtöffentlichen Teil besprochen. Aber auch danach gab es hierzu nichts zu sagen. „Wir haben keine Beschlüsse getroffen“, erklärte Petersen kurz.

Noch im Juli hatte alles ganz positiv geklungen. Damals hatte Vorsitzende Claudia Weinbrandt berichtet, ein Investor und Hotelbetreiber aus Berlin sei an dem Gebäude mit dem dazugehörenden kleinen Parkplatz interessiert. Er war aus einer Reihe von Interessenten mit einem Konzept als Höchstbietender hervorgegangen. Übergabe an den neuen Eigentümer sollte zum 1. Oktober sein, der Käufer vertraglich verpflichtet, das Fährhaus als Hotel und Restaurant zu erhalten und zu betreiben oder betreiben zu lassen. Bei Verstoß drohe eine hohe Konventionalstrafe.

Aus der aktuellen Situation ergibt sich ein weiteres Problem für den Zweckverband: In Zusammenhang mit dem Verkauf des Fährhauses werde zum Jahresende ein Darlehen über rund 660 000 Euro fällig, so Horst Petersen: „Wenn wir das Geld zum 31. Dezember nicht ablösen können, dann müssen wir den Darlehensvertrag verlängern.“ Keinesfalls wolle man Gefahr laufen, das Geld zurückzahlen zu müssen und damit dann die Haushalte der Gemeinden zu belasten. Die Sitzungsteilnehmer ermächtigten daher den Zweckverbandsvorsteher, die Zinsbindung für den Darlehensvertrag gegebenenfalls um ein viertel oder ein halbes Jahr zu verlängern beziehungsweise abzuschließen. Horst Petersen optimistisch: „Ich glaube aber nicht, dass wir das brauchen.“

Ein weiteres Problem: Die zum Haus gehörende, einst vom Kreis gebaute Kläranlage – der zweite große Defizit-Faktor im Haushalt des Zweckverbandes – drohe, so Petersen, zu kippen, weil sie durch den Leerstand nicht mehr ausreichend genutzt wird. Diskutiert wurde, wie denn eine bessere Auslastung zu gewährleisten sei. „Gibt es denn nicht die Möglichkeit, sie abzumelden?“, fragte Horst Petersen in die Runde. Der Zweckverband habe auch schon versucht, sie zu verschenken. „Aber niemand wird sie haben wollen.“ Man hoffe, von dem hohen Minus herunterzukommen. Bordelums Bürgermeister Peter Reinhold Petersen: „Wir müssten den Bewohnern der anderen Gemeinden ansonsten erklären, warum sie für eine Kläranlage in Schlüttsiel zahlen.“

Das Jahr 2016 habe man mit erträglichen Zahlen abgeschlossen, erklärte Horst Petersen. Ein Vertreter der Steuerberatungsgesellschaft G-M-I stellt das Werk zum Jahresabschluss 2016 vor (siehe Infokasten). Große Verlustbringer seien die Abwasseranlage mit einem Minus von 19 376,91 Euro sowie das Fährhaus mit einem Minus von 14 826,92 Euro. Es habe weniger Reparaturen zum Abschreiben gegeben, da das Haus komplett saniert worden sei. Lediglich an der Fassade könne der neue Besitzer noch etwas machen – wenn er es denn wolle.

Für den Wirtschaftsplan 2018 wurde das Fährhaus bereits herausgerechnet. Daraus ergibt sich ein voraussichtlicher Umsatz von 45 800 Euro (2017: 95 300 Euro). Die Zinsbelastungen für den Serviceturm und die Abwasseranlage gehen zurück. Parkentgelte sind für 2018 mit 32 000 Euro (2016: 32 190,02 Euro, 2017: 31 000 Euro) veranschlagt.

Stirnrunzeln verursachte bei Horst Petersen, dass der große Parkplatz Verluste einfahre. „Parkplätze sollten doch Geld einbringen“, so der Vize-Vorsitzende. Abschreibung und Zinsen – das sei nicht über Parkgebühren einzuholen, entgegnete Dirk Albrecht, Bürgermeister von Reußenköge. Außerdem sei der Parkplatz teuer gewesen. Diskutiert wurden im Anschluss eine Anhebung der Parkgebühren sowie Sparmodelle für Halligbewohner und andere Gruppen, wie sie vom Zweckverband Strucklahnungshörn angeboten würden. „Ich kann mich mit einer Erhöhung der Parkplatzgebühren nicht anfreunden“, erklärte Petersen. Auch mit einer moderaten nicht.

Hinweise des Steuerberaters zum Wirtschaftsplan 2018 galten dem Service-Gebäude und dem hier untergebrachten WC – beides sei defizitär. Der im Vermögensplan unter dem Stichwort Verkauf Fährhaus aufgeführte Betrag von 680 000 Euro sei ein angenommener Wert und habe mit dem Verkaufspreis nichts zu tun.

Dirk Albrecht schlug schließlich vor, die nicht genutzten Kassenkredite auf Null zu setzen. Beim Amt seien sie kein Problem, bei einer Bank würden sie wie ein Dispo behandelt und müssten bezahlt werden.

Zu den Beiträgen der Zweckverbandsmitglieder: Vorausgesetzt, der Verkauf des Fährhauses gehe über die Bühne, seien von den Mitgliedern folgende Beiträge zu leisten: Bargum 2900 Euro, Bordelum 9500 Euro, Langenhorn 14 900 Euro, Ockholm 1700 Euro, Reußenköge 1600 Euro und das Amt Pellworm 13 500 Euro.

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