Schlüttsiel: Fährhaus-Verkauf geplatzt : Fährhaus Schlüttsiel ist wieder zu haben

Trotz gültigen Kaufvertrages bleibt der Zweckverband Schlüttsiel vorerst auf der Immobilie sitzen.
Trotz gültigen Kaufvertrages bleibt der Zweckverband Schlüttsiel vorerst auf der Immobilie sitzen.

Der Verkauf des Fährhauses Schlüttsiel ist gescheitert. Der Investor blieb trotz Vertrages die Kaufsumme schuldig. Nun ist das Hotel-Restaurant wieder auf dem Markt.

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14. April 2018, 13:00 Uhr

Das Fährhaus Schlüttsiel steht wieder zum Verkauf. Der 2017 mit einem amerikanischen Hotelbetreiber mit Sitz in Berlin abgeschlossene Kaufvertrag ist geplatzt. Trotz mehrfacher Fristsetzung war auch bis zum
3. April die vereinbarte Summe nicht beim Eigentümer, dem Zweckverband Schlüttsiel – gebildet aus den Gemeinden Bargum, Bordelum, Langenhorn, Ockholm und Reußenköge – eingegangen.

Zunächst hatte man dem Investor im Oktober auf dessen Wunsch einen Zahlungsaufschub bis März gewährt, auch weil dieser im Zuge der Projekt-Finanzierung das in den USA beheimatete Bankhaus wechseln wollte. „Einfluss auf den gültigen Kaufvertrag hatte dies nicht“, erklärt Zweckverbandsvorsteherin Claudia Weinbrandt. Als dann auch die vom Investor geplante Neugründung einer Gesellschaft nicht in Sicht war, zog der Zweckverband die Reißleine. Mit juristischen Mitteln hat er nun die Vertragsauflösung eingeleitet. Weinbrandt: „Für uns war nicht mehr zu erkennen, dass der Käufer seinen Vertrag in absehbarer Zeit erfüllt und das Fährhaus mit Gastronomie und Hotelbetrieb wie vereinbart öffnet.“ Dem Investor droht nun die vereinbarte Konventionalstrafe in sechsstelliger Höhe sowie eine Klage wegen Nichteinhaltens des Vertrages, bestätigt Weinbrandt. Um wen es sich dabei handelt und wie hoch die Summe des Kaufpreises seinerzeit war, möchte sie aus rechtlichen Gründen nicht preisgeben. Es sei aber weit mehr gewesen als die seinerzeit im Exposé, das die Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF im Auftrag des Zweckverbandes für den Verkauf angefertigt hatte, als Preisvorstellung angegebenen 750 000 Euro.

Geld, das der Eigentümer dringend benötigt, denn immer noch ist das Gebäude laut Weinbrandt mit rund 680 000 Euro belastet. Den Unterhalt des Hotels – inklusive Betrieb der Kläranlage und des Parkplatzes – beziffert Langenhorns Bürgermeister Horst Petersen auf rund 100 000 Euro pro Jahr. Geld, für das nun erstmal wieder die Gemeinden aufkommen müssen. Bis sich ein neuer Käufer findet.

„Die Enttäuschung ist groß“, gibt Petersen zu. Vertrag sei schließlich Vertrag. Sein Bordelumer Amtskollege Peter-Reinhold Petersen ist sich trotzdem sicher: „Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“ Wütend reagieren Dirk Albrecht von Reußenköge und Bargums Bürgermeister Bernd Wolff. „Eine verdammt ärgerliche Sache für die Region“, so Wolff – und Albrecht fordert gar, Ross und Reiter zu nennen.

1968 erbaut und seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel, war das Fährhaus zunächst in privater Hand. 2005 kauften die damals noch zum Amt Stollberg gehörenden Gemeinden das inzwischen leer stehende Gebäude. Es wurde vollständig entkernt, neu aufgebaut und seither fortlaufend renoviert – für 1,4 Millionen Euro, wie Weinbrandt berichtet. Damals seien 50 Prozent aus dem Förderprogramm LSE (Ländliche Struktur- und Entwicklungsanalyse) in das Projekt geflossen. Die Bedingungen: Zwölf Jahre lang durften weder Zweck des Hauses noch der Besitzer wechseln. Als 2008 die Ämter-Fusion folgte und das neue Amt Mittleres Nordfriesland es ablehnte, die Verpflichtungen für das Fährhaus zu übernehmen, gründeten die Gemeinden den Zweckverband. Im April 2017 nun lief die Förderperiode ab. „Für uns stand immer fest, dass wir es auf jeden Fall wieder verkaufen wollten. Denn es ist nicht Aufgabe der Gemeinden, einen Gastronomiebetrieb zu unterhalten“, so Weinbrandt.

Zuletzt war das Fährhaus auf zehn Jahre verpachtet und sehr erfolgreich betrieben worden. Dem Pächter wurde ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Doch dessen Gebote waren dem Zweckverband in Hinblick auf die laufenden Kosten und Darlehen auch nach zweimaligem Nachbessern deutlich zu niedrig. Der zum 31. Dezember 2017 auslaufende Pachtvertrag wurde auf Wunsch des Pächters vorzeitig aufgelöst. So blieb als zweiter und einzig verbliebener Kaufinteressent mit einem geeigneten Konzept der Investor.

Da dieser schon mehrere Hotels betrieb, „hatten wir immer ein gutes Gefühl bei
der Sache“, so Weinbrandt. „Er wirkte seriös, alles hatte Hand und Fuß.“ Seit dem 30. September steht das Hotel-Restaurant nun leer. Die Zweckverbandvorsteherin ist optimistisch, bald wieder einen neuen Interessenten zu finden: „Das Haus war im laufenden Betrieb, es ist top-saniert und wurde ausgezeichnet geführt.“ Das Inventar sei vorhanden, nichts sei verwahrlost. Es bedürfe keines großen Aufwandes, damit es schnellstens wieder in Betrieb gehen könne.

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