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Bildhauerei aus Bargum : Fabian Vogler: Im Mittelpunkt steht die Figur

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Hamburger Bildhauer Fabian Vogler lebt mit in Ostbargum. Hier findet er die nötige Ruhe für sein vielseitiges figurales Werk. Am 11. Oktober wird in der Galerie Lüth eine Ausstellung mit seinen Arbeiten eröffnet.

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erstellt am 08.Okt.2015 | 15:00 Uhr

Gedankenverloren fegt eine alte Dame den Weg vor ihrer Haustür. Es ist windig, und das Dorf wirkt wie ausgestorben. Übermütig blasen Herbstwinde das Laub aus den Bäumen und verteilen es weiträumig über Feld und Flur. „Die Schule? Ein Haus weiter“, sagt die alte Dame und deutet mit dem Finger nach rechts. Man kann nie wissen.

Dass hier seit sieben Jahren ein Künstler wohnt, ist nicht zu übersehen. Links und rechts der Eingangstür stehen Köpfe und Bronze-Reliefs. Und beim Gang durchs Atelier muss der Besucher achtgeben, nicht gegen eine der vielen filigranen Skulpturen zu stoßen. „Die meisten werden heute noch abgeholt“, sagt Fabian Vogler fast entschuldigend. Von Sonntag, 11. Oktober, an sind sie Teil seiner ersten Einzelausstellung in der Halebüller Galerie Lüth. Eröffnung ist um 11 Uhr.

Was ihn nach Ost-Bargum verschlagen hat? Die Antwort hat drei Teile, fällt aber trotzdem kurz und präzise aus: die Familie, Frau und zwei Kinder (10 und 6 Jahre), dass ein Bildhauer Platz braucht und die Immobilienpreise in seiner Heimatstadt Hamburg inzwischen kaum noch zu bezahlen sind, und „dass ich nach den vielen Jahren in Wien, London und anderswo auch mal ganz gut ohne Stadt auskommen kann“.

1977 in Hamburg geboren, verbrachte Fabian Vogler einen Großteil seiner Kindheit in Wien. „Geknetet“ habe er damals schon“, sagt der 38-Jährige, doch nach dem Abitur wollte er einfach wissen, ob mehr dran ist an dieser Sache, ob tatsächlich ein Bildhauer in ihm schlummert. Eine Kunstschule in Santa Cruz de La Palma, wo eine Familienangehörige lebt, sollte ihm Antwort geben und zugleich seine Spanisch-Kenntnisse aufpolieren helfen. Stattdessen verschlug es den 19-Jährigen jedoch auf eine andere Kanaren-Insel, sammelte er an der Escuela de Artes Aplicadas in Las Palmas auf Gran Canaria erste bildhauerische Erfahrungen. Schnell fand Vogler heraus, dass er mehr wollte als „das spanische Tempo“ ihm vorgab. So nahm er – wieder zurück in Deutschland – eine Holzbildhauerlehre an der Werkkunstschule Flensburg auf. Der Funke war übergesprungen: Vogler studierte Bildhauerei an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien und absolvierte 2007 seinen Master of Fine Art an der University of East London.

Die Zeit auf den Kanaren hat – trotz des gemäßigten Tempos – ebenso Spuren hinterlassen wie die Jahre in der Stadt, die er wiederholt zum Besuch ethnologischer Sammlungen nutzte. „Die haben mich schon immer inspiriert“, sagt Vogler. Seit der Zeit in London experimentiert er mit „Formen, die von innen nach außen wachsen“. Als Grundstoff dienen Luftballons, die er verformt, mit Lagen von Gips und Gaze ummantelt und später zu abstrakten Figuren gießen lässt. Einige dieser Gebilde erinnern an Kalebassen, Gefäße, die aus den ausgehöhlten und getrockneten Hüllen des Flaschenkürbisses hergestellt werden und ihn schon auf den Kanaren fasziniert haben. „Plastizität ist das eine“, sagt Vogler. Aber sie allein macht noch keine Plastik. In den Arbeiten von Jeff Koons mit ihren glatten Oberflächen sieht er daher eher Design-Objekte. Ebenso wichtig wie die Form sei die Gestaltung der Oberfläche und die Art, wie die „Gliedmaßen“ einer Figur miteinander verbunden, die Übergänge gestaltet würden.

Die äußere Gestaltung unterliegt einem Wechselspiel von Einfall und Zufall. „Wenn ich den Gips-Kokon vom Ballon abreiße, entstehen Strukturen, die ich erst einmal verarbeiten muss.“ In jüngster Zeit reizen ihn Beschädigungen, weil sie der Ballon-Form an sich schon Gestalt verleihen, eine eigenständige Charakterlichkeit, die den Betrachter durch das Wechselspiel von Licht und Schatten zum Beispiel einen Kopf assoziieren lassen. Und dann ist da noch etwas, das zugleich den Kreis nach Bargum schließt. Viele der Materialien, mit denen Vogler arbeitet, findet er quasi vor der Haustür. Wenn also ein Ausstellungsbesucher auf der Oberfläche einer seiner Figuren Reifenspuren zu entdecken glaubt, könnte das daran liegen, dass der Künstler tatsächlich Reifen-Reste verwendet hat. So hängt alles mit allem zusammen.

 

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