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Auszeichnung für junge Forscher : Experimente gehören zum Schulalltag

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Hermann-Tast-Gymnasium in Husum ist bundesweit als „Jugend-forscht-Schule 2015“ ausgezeichnet und in ein besonderes Förder-Netzwerk aufgenommen worden.

Auf den Hausmeister ist Verlass. Er hatte alles gut vorbereitet – so machte es Dirk Loßack keine Probleme, das etwa DIN A4 große Schild mit langen Schrauben an der Wand zu befestigen. Der Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Ministerium für Schule und Berufsbildung vertrat gestern Ministerin Britta Ernst nicht nur handwerklich in der Hermann-Tast-Schule (HTS). Es galt zu gratulieren, denn die neue Tafel im Foyer des Husumer Gymnasiums steht für eine hohe Auszeichnung: „Jugend-forscht-Schule 2015“ ist darauf zu lesen. Dieser Titel wurde der Hermann-Tast-Schule von der Kultusministerkonferenz im Rahmen des 50. „Jugend-forscht“-Bundeswettbewerbs in Ludwigshafen zugesprochen. Der mit 3141,59 Euro – analog zur Zahl Pi – dotierte Sonderpreis wird von der Konferenz seit 2007 verliehen. Erstmals ist dieser Preis nun nach Schleswig-Holstein gegangen. In diesem Jahr war die HTS zudem – wie schon in den Jahren 2010 und 2011 – als „Jugend-forscht-Schule Schleswig-Holstein“ geehrt worden.

Die bundesweite Wertschätzung und damit die Erfolgsgeschichte dieser Schule wäre nicht möglich, wenn es nicht Lehrkräfte gäbe, die trotz einer hohen Unterrichtsbelastung für ihre Fächer „brennen“, wie es Direktorin Renate Christiansen gestern in ihrer Ansprache formulierte. Sie vergaß auch die Schülerinnen und Schüler nicht, die mit „Spaß, Zielstrebigkeit und besonderer Professionalität“ bei der Sache sind.

An ihrem Gymnasium werden Projekte für Deutschlands bekanntesten Nachwuchswettbewerb in Arbeitsgemeinschaften wie „Robotik“ und „Photonik“ , in schulinternen Wettbewerben – stadtbekannt ist mittlerweile das „Egg-Race“ – sowie in Projektkursen, beispielsweise zum Thema „Regenerative Energien“, entwickelt. Aber auch das Wahlpflichtfach „Forschung und Technik“, das Thomas Adler mit dem Schwerpunkt auf Elektronik unterrichtet, spielt eine herausragende Rolle. Seit fünf Jahren haben die Gymnasiasten die Wahl statt einer dritten Fremdsprache diese Richtung einzuschlagen. Und die ist gefragt: Zwei Kurse sind mit insgesamt 80 Jugendlichen „proppevoll“, so Adler. Der Fachlehrer greift auch auf externe Kompetenz regionaler Firmen zurück – und so kann „ganz nebenbei“ Projektmanagement vermittelt werden. Wochenend-Seminare sind dabei für die jungen Forscher und Techniker kein Problem.

Nils Bücker, der Mathematik und Physik unterrichtet, erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Jury neben dem „projektorientierten Lernen“ und insbesondere dem Fach „Forschung und Technik“ das offene Labor gelobt hatte. Bücker: „Verschiedene Teams können dort forschen und finden Ansprechpartner – auch in den Pausen.“ Dass Studenten der Ingenieurwissenschaften in die Schule kommen und gemeinsam mit den Gymnasiasten in einer Schüler-Technik-Akademie experimentieren, erwähnten die drei Jury-Mitglieder ebenfalls in ihrer schriftlichen Laudatio.

Der Bildungs-Staatssekretär zog denn auch den Hut „vor so viel Leidenschaft“. Dirk Loßack: „Sie sind engagierte Lehrkräfte mit Enthusiasmus und Tatkraft und geben ihren Schülern Erinnerungen und Erfahrungen mit, auf die sie positiv zurückblicken können.“ Für Loßack steht fest: „‚Jugend forscht‘ ist ohne Hermann-Tast-Schule gar nicht denkbar.“ Einen „Jugend forscht“-Landessieger 2015 mit HTS-Wurzeln konnten Besucher der gestern zu Ende gegangenen Messe „Husum Wind“ kennenlernen: Dort präsentierte Marvin Hensen, den Loßack erwähnte, seinen „achslosen Rundläufer“, eine Windkraftanlage, die außen an jedem beliebigen Turm oder Mast montiert werden kann. Der Staatssekretär nannte weiter die Lehrer Friedrich Twenhöven, Helmut Schöning, Ralf Kammann und Thomas Adler, die sich maßgeblich für den Wettbewerb engagieren. Dieser ist vor 50 Jahren vom damaligen „Stern“-Chefredakteur Henri Nannen ins Leben gerufen worden.

Der Schulträger, die Stadt Husum, war durch Bürgervorsteher Peter Empen vertreten. Er zeigte sich angetan von dem „praxisorientierten, fächerübergreifenden Lernen mit großer Nachhaltigkeit“.

„Sie sollen eine Fackel entzünden und kein Fass füllen.“ Dies wurde dem Biologie- und Chemielehrer Friedrich Twenhöven für seinen beruflichen Start mit auf den Weg gegeben. Als er 1991 an die Hermann-Tast-Schule kam, „sah ich, dass hier eine Fackel brannte“. Ein „guter naturwissenschaftlicher Unterricht“ sei die Basis für alles gewesen. Twenhöven begrüßte bei diesem Passus die ehemaligen HTS-Lehrer Dietrich Koch und Hans-Jürgen Kurt unter den Gästen. Er erklärte, dass sich das Miteinander zwischen Lehrern und Schülern verändert hätte: „Wir haben eine neue Lernkultur. Die Schüler arbeiten selbstständig – und wir Lehrer schlüpfen in eine Beraterrolle. Zwei Wünsche standen auf seinem Zettel: „Wir hätten gern Technische Assistenten aus der EU.“ Wohl nicht ganz so ernst gemeint ergänzte er: „Möglichst junge Franzosen und junge Spanierinnen.“ An die Adresse des Ministeriums-Vertreters gerichtet war folgende Bitte: „Wir brauchen mehr Zeit. Die Schüler wollen lernen, aber sie brauchen Freiräume. Zu viel Unterricht tötet das Interesse.“ Und G  8 bedeute eine 38-Stunden-Woche.

Umso beachtlicher ist der Einsatz an der HTS: Von rund 1200 Schülerinnen und Schülern nimmt mehr als die Hälfte an Projektkursen teil, die, wie das Nachhilfeangebot „Schüler helfen Schülern“, nicht alle naturwissenschaftlich ausgerichtet sind.

Eine zweite Auszeichnung, die für diesen Tag vorgesehen war, betraf die Aufnahme der HTS in das „MINT-Excellence (EC)-Netzwerk“. Dies geht auf eine Initiative von Arbeitgebern zurück und auf das Jahr 2000. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Die HTS, die die Voraussetzung eines ausgeprägten MINT-Profils erfüllt, hatte sich beworben und gehört nun zu 38 Gymnasien aus ganz Deutschland, die 2015 aufgenommen worden sind.

Über MINT-EC können ein „hochkarätiges“ (Nils Bücker) Veranstaltungs- und Förderangebot für Schülerinnen und Schüler sowie Fortbildungen für Lehrkräfte abgerufen werden. Zum Netzwerk gehören jetzt 247 zertifizierte Schulen. Schirmherrin ist die Kultusministerkonferenz der Länder.

Da MINT-EC-Geschäftsführerin Dr. Niki Sarantidou erkrankt war und nicht nach Husum reisen konnte, kam diese Neuigkeit bei der Veranstaltung nur am Rande zur Sprache. Doch die Urkunden für die „Neuen“ werden ohnehin erst im November in Würzburg übergeben.

Bundesweit finden jährlich bei „Jugend forscht“ mehr als 100 Wettbewerbe statt. Teilnehmen dürfen Kinder und Jugendliche ab der 4. Klasse bis zum 21. Lebensjahr.

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erstellt am 19.Sep.2015 | 16:00 Uhr

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