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Storm-Theater : Experiment gelungen: Der Dichter lebt weiter

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Premiere des Theaterstücks zu Theodor Storms 200. Geburtstag lenkt den Blick auf ungewöhnliche Weise auf dessen Leben und Werk. Das Publikum bedankte sich mit reichlich Applaus.

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erstellt am 11.Sep.2017 | 14:00 Uhr

Das eigentümliche Plakat zum Stück hängt seit Wochen in der ganzen Stadt: Schauspieler Wolfgang Häntsch alias Theodor Storm steht mit der grünen Eidechse auf dem Arm im See. Auf die Szene wartet der Zuschauer am Premierenabend allerdings vergeblich. Und auch bei den folgenden Aufführungen am Sonntag und in dieser Woche ist sie nicht zu sehen. Wie auch, wird „Storm – Das Meer – Die Geister – Du!“ in der Husumer Variante doch im Rittersaal des Schlosses gespielt. Kein Zufall, denn ein solcher Ort ist dem Storm-Kenner aus der Novelle „Im Schloss“ ja durchaus ein Begriff.

Apropos Storm-Kenner: Deren gibt es viele in der Heimatstadt des großen Dichters, der in diesem Jahr ebenso groß gefeiert wird, weil er am kommenden Donnerstag (14.) vor 200 Jahren geboren wurde. „Die Texte kennt man ja“, sagt ein Premierengast in der Pause am Bistrotisch, als sei dies eine Selbstverständlichkeit. Ist es auch. Aber nicht zuletzt durch die beeindruckende Leistung der Husumer Laienschaupieler, fährt er fort, erlebe man das Werk des Schriftstellers einmal auf völlig neue Weise.

Genau das hat Christian Demandt, Präsidiumsmitglied der Storm-Gesellschaft und Leiter des Storm-Zentrums, dem Publikum eingangs auch versprochen: etwas Experimentelles. Es fängt schon bei den Gegebenheiten in der Spielstätte an. Bühne und Sitzreihen im Rittersaal befinden sich auf einer Ebene, Schauspieler und Zuschauer begegnen sich also im Wortsinne auf Augenhöhe. Und als das Stück beginnt, werden die Türen nicht geschlossen. Ein Versäumnis, mag man meinen, doch schnell wird klar: Treppenhaus und Nebenräume sind Teil der Bühne. Man kann nicht hinblicken, aber man kann hinhören.

Gezeigt werden dann sieben Szenen mit Motiven aus Storms Werken. Szenen, in denen der Dichter zurückblickt, etwa auf seine Kindheit, und in denen er Figuren aus seinen Novellen begegnet, etwa Hauke Haien. Hauptdarsteller Häntsch, 66, ein aus zahllosen Serienrollen bekanntes TV-Gesicht und einziger Profi im knapp 30-köpfigen Schauspieler-Aufgebot, nimmt man den alternden Dichter gerne ab, obwohl er längst nicht so einen Rauschebart trägt wie die Figur, die er verkörpert. Er ist jederzeit Protagonist, auch wenn er nur da sitzt und etwas summt oder nachdenklich dreinblickt, während die weißkostümierten Laien zwischen 13 und 80 Jahren als Verbildlichung von Storms Gedankenwelt über die Bühne wirbeln, ihn mal innerlich zerreißen, mal fröhlich aufblühen lassen oder ihn verächtlich machen. Immer mit einem Bezug zur Stormschen Lyrik und Prosa.
Regisseur Frank Düwel hat den Schriftsteller Storm im Jubiläumsjahr selbst zur literarischen Figur gemacht. Und Bratschist Henning Petersen liefert nicht nur die passende Bühnenmusik, sondern zeigt eine ungekannte Musikalität in Storms Werk auf. Dass die visuelle Untermalung der Performance durch den Videokünstler Simon Janssen, der zum Beispiel Meeresbrandung auf die Wand des Rittersaals projiziert, durch technisches Inventar wie Steckdosen beeinträchtigt wird, ist ein kleiner Makel. Das Gesamtbild wird dadurch nicht geschmälert. „Wir wurden beschenkt mit einem unvergesslichen Abend“, resümiert Storm-Experte Demandt, als er allen Beteiligten dankt. Das sieht wohl auch das Publikum so, das nach 100 Minuten – inklusive Pause – angemessen Applaus spendet. „Eine Stadt spielt ihren Dichter“ (Demandt) - dieses Experiment darf als gelungen gelten.

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