Europäer und Journalist aus Leidenschaft

Helmut Sethe (r.) mit Helmut Schmidt  und Uwe Ronneburger.  Foto: hn
Helmut Sethe (r.) mit Helmut Schmidt und Uwe Ronneburger. Foto: hn

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08. Oktober 2009, 04:59 Uhr

Husum | Helmut Sethe, durch fast ein Vierteljahrhundert Chefredakteur der Husumer Nachrichten, wäre heute 80 geworden. Er starb 1983 mit nur 54 Jahren. Helmut Sethe war ein Journalist aus Leidenschaft. Neugierde, Offenheit und Freude an der Begegnung mit anderen Menschen gehörten zu ihm.

Sethe wurde am 8. Oktober 1929 in Duisburg geboren und verdiente sich seine Sporen bei Lokalzeitungen in Niedersachsen und im Ruhrgebiet. Noch keine 30 Jahre alt, kam er nach Husum und wurde 1962 Chefredakteur - einer der jüngsten in Deutschland. In Nordfriesland fand er seine Wahlheimat. Die Husumer Nachrichten wurden seine berufliche Lebensaufgabe. Er machte sie zu einem Blatt mit eigenem Profil und Gewicht. Er besaß den Mut, auch unbequeme Meinungen zu vertreten und gegen den Strom zu schwimmen, wenn es sich als notwendig erwies. Die Redaktion ermutigte er, in diesem Sinne zu arbeiten.

Helmut Sethe war Christ, Liberaler und Europäer. Dies zeigte sich in seiner journalistischen Arbeit, aber auch in einem zeitaufwendigen ehrenamtlichen Engagement. Er wirkte zum Beispiel als Vorsitzender der Synode für Husum-Bredstedt. Immer wieder setzte er sich für liberale Grundrechte ein, namentlich wenn er die Meinungsfreiheit beeinträchtigt sah. Der Deutsche Presserat als Wächter der Pressefreiheit in der Bundesrepublik berief ihn zu seinem Mitglied.

Die deutsch-dänische Zusammenarbeit war ihm ein Anliegen. Er betrachtete das Grenzland Schleswig als Brücke zwischen Nord- und Mitteleuropa und wurde in diesem Sinne tätig. So gründete er als Zusammenschluss von Journalisten beiderseits der Grenze die Deutsch-Dänische Pressekonferenz.

Seit Mitte der 1960-er Jahre warb er für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen, wo er dauerhafte Freundschaften schloss. Die Ostpolitik der Regierung Brandt /Scheel unterstützte er rückhaltlos. Nicht selten wurden seine Kommentare in Presseschauen zitiert. Wer sie mit dem Abstand von vielen Jahren liest, der staunt über die Aktualität vieler seiner Einschätzungen.

Sethe setzte sich für die Gründung einer Europäischen Akademie in Nordfriesland ein und erreichte dieses Ziel schließlich. Er wollte ein Europa der kulturellen Vielfalt. In diesem Sinne begrüßte Sethe die Bemühungen um die friesische Sprache und gab ihr Raum in der Zeitung. Heimattümelei dagegen lehnte er ab. Obwohl er gesundheitliche Warnsignale erhalten hatte, konnte er kaum kürzer treten. Am 6. November 1983, einem grauen Herbstsonntag, starb er in seinem Haus in Halebüll, von vielen betrauert.

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